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Federal Reserve gerät unter Beschuss: Geldpolitik ist "sehr riskant"

Ungedrosselte Geldpolitik  

Experten nehmen Federal Reserve ins Visier

19.09.2013, 17:08 Uhr | dpa-AFX

Federal Reserve gerät unter Beschuss: Geldpolitik ist "sehr riskant". Der oberste Währungshüter Ben Bernanke (Quelle: Reuters)

Der oberste Währungshüter Ben Bernanke (Quelle: Reuters)

Fed-Chef Ben Bernanke gerät nach seiner überraschenden Wende in der Geldpolitik ins Visier von Finanzmarkt-Experten. Harte Kritik an der Federal Reserve äußerte zum einen ZEW-Präsident Clemens Fuest - er hält die derzeitige lockere Geldpolitik der US-Notenbank für sehr riskant. Zwar seien die Konjunkturnachrichten der letzten Zeit aus den USA nicht so toll gewesen, sagte der Ökonom im Deutschlandradio Kultur. Es überrasche dennoch sehr, dass die Währungshüter ihre Käufe von Staatsanleihen anders als ursprünglich angekündigt, nicht reduzierten. Auch andere Finanzmarkt-Experten schlossen sich dieser Einschätzung an.

Überraschende Kehrtwende der Fed

Die Fed hatte am Mittwochabend beschlossen, den Umfang der monatlichen Käufe von Staatsanleihen und Hypothekenpapieren weiter bei 85 Milliarden US-Dollar zu belassen. Analysten und Finanzmärkte wurden auf dem falschen Fuß erwischt - sie waren auf eine Drosselung eingestellt gewesen.

Fuest blickte in die Zukunft und warnte vor dem Exit: "Und das große Risiko ist eben, dass, wenn dann am Ende die Anleihekäufe eingestellt werden, ein großer Absturz droht", urteilte der Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW).

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Angst vor der Inflation

Die Inflationsrate sei zwar allgemein niedrig, doch bei Vermögensgütern sei nach der neuen Ankündigung des Fed-Chefs mit starken Preisbewegungen zu rechnen, erklärte Fuest. Das große Risiko dieser Politik des Gelddruckens sei, dass die Preise für Vermögensgüter immer mehr in die Höhe gingen, kommentierte der Experte zur Gefahr einer erneuten Immobilienblase in den USA.

Auch in Europa müsse man vor Preisblasen, die platzen könnten, auf der Hut sein, so der ZEW-Forscher. Es sei dann mit erheblichen Erschütterungen an den weltweiten Märkten zu rechnen. Da es die derzeitige Situation noch nie gegeben habe, "begibt man sich hier ein bisschen ins Unbekannte".

"Glaubwürdigkeit verspielt"

Die Analysten vom Bankhaus Metzler kommentierten: "Unserer Ansicht nach haben Ben Bernanke und seine Fed gestern Abend ihr letztes Stück an Glaubwürdigkeit verspielt." Und weiter: "Denn was muss man schlussfolgern, wenn der Chef der US-Notenbank nicht in der Lage ist, die Konjunktur einigermaßen sicher drei Monate im Voraus abzuschätzen." Die Fed hatte ihren fehlenden Kurswechsel damit begründet, dass Wirtschaft und Arbeitsmarkt noch zu schwach seien, um die geldpolitischen Stützen abzubauen.

Die Commerzbank schloss sich dieser Auffassung an. Zu Recht stellten sich viele Marktteilnehmer nun wohl die Frage, was Hinweise der Fed letztlich wert seien. "Wir jedenfalls hätten erwartet, dass einige Notenbanker Interviews in den letzten Wochen genutzt hätten, um dem Markt zu signalisieren, dass der September noch keine beschlossene Sache ist." Das sei nicht geschehen und stelle die Kommunikation der Fed in ein schlechtes Licht.

Furcht vor steigenden Zinsen

Die Notenbank habe eine Chance verpasst, resümiert Anlagestratege Frank Engels vom Fonds-Anbieter Union Investment. "Die Fed dürfte Angst vor den Geistern bekommen haben, die sie im Mai diesen Jahres noch selbst rief." Damals hatte Notenbankchef Bernanke erstmals konkret den Einstieg in den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik umrissen.

Die Märkte reagierten extrem auf den befürchteten Billiggeld-Entzug. Laut Experte Engels dürfte die Furcht, dass steigende Marktzinsen beispielsweise für Immobilienkredite, den Aufschwung im privaten Häusermarkt sowie die nach wie vor verhaltene Konsumnachfrage übermäßig belasten könnten, die Fed zum Umdenken gebracht haben.

Kritik an Jobmarkt-Koppelung

Derweil hält das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) die starre Koppelung der Niedrigzinspolitik der US-Notenbank an die weitere Entwicklung der Arbeitslosigkeit für höchst riskant. "Die Fed hat es sich mit ihrer neuen Kommunikationsstrategie erschwert, ihre Geldpolitik nennenswert zu straffen, selbst wenn sie das später einmal für angebracht halten sollte", sagte Nils Jannsen, USA-Experte im Prognosezentrum des IfW. "Vieles deutet darauf hin, dass die Geldpolitik bereits seit einiger Zeit deutlich zu expansiv ausgerichtet ist und die Fed somit bereits massive Risiken eingegangen ist, die sich durch die neue Kommunikationsstrategie sogar erhöht haben."

Die Koppelung der Geldpolitik an einen einzelnen Indikator wie die Arbeitslosenquote sei problematisch. Die Fed habe damit ihren Handlungsspielraum stark eingeengt. Die Arbeitslosenquote hänge von vielen Faktoren ab, "die von der Notenbank nur mittelbar beeinflusst werden können oder sich ihrem Einfluss völlig entziehen".

Am Mittwoch hatte die Fed angekündigt, ihren Leitzins mindestens so lange nahe Null zu belassen, wie die Arbeitslosenquote über 6,5 Prozent liegt; zuletzt lag sie bei 7,3 Prozent. Die Fed will ihre monatlichen Anleihekäufe von derzeit 85 Milliarden US-Dollar fortsetzen. Noch im Juni hatte die Fed angekündigt, die Anleihekäufe ab September zu drosseln und voraussichtlich ganz einzustellen, sobald die Arbeitslosenquote bei sieben Prozent liegt.

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