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Günther Jauch: Störenfried stürmt Uli-Hoeneß-Talk

Fall Hoeneß bei Jauch  

"Er war eine gespaltene Persönlichkeit“

10.03.2014, 09:21 Uhr | Lukas Martin, T-Online.de

Günther Jauch: Störenfried stürmt Uli-Hoeneß-Talk. Bayerns Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) verteidigte seinen Freund Uli Hoeneß beim Jauch-Talk (Quelle: dpa)

Bayerns Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) verteidigte seinen Freund Uli Hoeneß beim Jauch-Talk (Quelle: dpa)

Zwölf Stunden vor dem Beginn des Prozesses hatte Günter Jauch am Sonntagabend den Fall Uli Hoeneß zum Thema seiner Talkshow gemacht. In den 60 Minuten brachten zwei Journalisten unangenehme Tatsachen und ein Rätsel in dreistelliger Millionenhöhe zur Sprache. Doch nicht nur Hoeneß-Freund Stoiber stellte sich auf die Seite des Bayern-Präsidenten, auch eine Juristin und ein Theologe verteidigten ihn, zumindest ein bisschen. Als bissigster Hund der Runde entpuppte sich dieses Mal Jauch selbst – und ging auch sehr souverän mit einem Störer um, der von der Security rechtzeitig niedergerungen wurde.

Nach den Eingangsstatements inszenierte Jauch die Hoeneß-Affäre wie einen Thriller. Er hatte den "Stern“-Journalisten Johannes Röhrig eingeladen, der sich als erster auf die Spur eines Hinweises machte, dass angeblich eine bedeutende Figur des deutschen Fußballs ein Konto mit zeitweise 500 Millionen Euro bei der Schweizer Bank Vontobel unterhielt. Mit dem Geld sei teilweise wild mit Devisen spekuliert worden.

Panik im Hause Hoeneß

Röhrig berichtete, wie er den Fall ins Rollen gebracht hat: Im Zuge seiner Recherchen habe er auch die Bank in Zürich angerufen, dadurch zwar nichts erfahren – aber offenbar schlafende Hunde geweckt: Wie sein Kollege Georg Mascolo berichtet, rief die Bank am darauffolgenden Tag den Bayern-Präsidenten an und erzählte ihm von der Medien-Anfrage. Mascolo ist Journalist und leitet die Recherche-Allianz von NDR, WDR und der "Süddeutschen Zeitung".

Darauf ist im Hause Hoeneß offenbar Panik ausgebrochen. Der Bayern-Boss habe seinen Sohn, seinen Steuerberater und einen befreundeten Steuerbeamten um sich versammelt und in einer Nacht-und-Nebel-Aktion bis zum Morgengrauen eine Selbstanzeige zusammengezimmert – einschließlich eines Fluges nach Zürich, um Unterlagen von der Bank zu beschaffen. "Diese zwei Tage müssen wie ein Krimi verlaufen sein“, sagte Jauch.

„War die Tat schon entdeckt?“

Die Selbstanzeige, die Hoeneß Straffreiheit sichern würde, hält die Staatsanwaltschaft für ungültig. Dafür kann es zwei Gründe geben: Die Tat war schon entdeckt oder die Unterlagen waren unvollständig.

"War die Tat schon entdeckt?“ fragte Jauch. "Nach allem, was ich hier so höre, war sie noch nicht entdeckt“, urteilt die frühere Staatsanwältin und heutige Verteidigerin Simone Kämpfer. Die Existenz eines solchen Kontos weise ja noch nicht auf Steuerhinterziehung hin. Auch als die beiden Journalisten später argumentieren, dass Hoeneß ja augenscheinlich von der Recherchen des "Stern“ erst nach Jahren der Steuerhinterziehung zur Selbstanzeige getrieben worden sei, kontert Kämpfer überzeugend: "Es kommt nicht darauf an, ob sich jemand entdeckt fühlt, sondern ob die Tat entdeckt ist.“

33.000 Kontobewegungen

Zweifel hat die Expertin allerdings daran, dass die Selbstanzeige vollständig war. Es sei schwierig, in so kurzer Zeit eine korrekte Anzeige zu verfassen, dafür seien die gesetzlichen Regeln viel zu kompliziert. "Wenn man einen Fehler entdecken will, findet man auch einen“, sagte Kämpfer später in der Diskussion. Bei Hoeneß ist es besonders unübersichtlich: Es ist die Rede von 33.000 Kontobewegungen – der Bayern-Präsident muss Tag und Nacht gezockt haben, die Familie spricht von einer Sucht.

Der ehemalige bayerische Ministerpräsident und Mitglied des Aufsichtsrats von Bayern München, Edmund Stoiber, tadelte seinen Freund, aber verteidigte ihn auch ein ums andere Mal. Er habe reinen Tisch machen wollen und die Ermittlungen erst durch seine Selbstanzeige angestoßen. Er habe sich in den vergangenen Jahrzehnten sozial engagiert, habe Millionen gespendet und immer in Deutschland seine Steuern gezahlt. Natürlich habe er einen Fehler gemacht, man müsse aber auch die "tätige Reue“ berücksichtigen, die Hoeneß an den Tag lege.

“Der gute Mensch Uli“

An Hoeneß' Ruf als Menschenfreund wollen auch Mascolo und Röhrig nicht rütteln, der "gute Mensch Uli“, wie Jauch dessen Freunde zitiert, steht im scharfen Gegensatz zum Steuerhinterzieher. "Er war eine gespaltene Persönlichkeit“, sagte Stoiber dazu.

Doch nutzt ihm das auch vor Gericht? Ja, findet Ex-Staatsanwältin Kämpfer. Es müsse ihm durchaus angerechnet werden, dass er bisher ein unbescholtener Bürger war, vor allem aber, dass seine Berater ihn mit einer möglicherweise verunglückten Selbstanzeige erst in die Misere gebracht hätten. Er habe sich schließlich als Laie wahrscheinlich auf sie verlassen. Die Strafrechts-Expertin ließ schließlich durchblicken, dass sie eine Haftstrafe auf Bewährung am wahrscheinlichsten hält.

"Der Fall hat das Potenzial, Rechtsgeschichte zu schreiben“, betonte Georg Mascolo – danach wisse man endlich, was mit Menschen geschehe, die unvollständige Selbstanzeigen abgeben. Jährlich tun das ca. 25.000 Deutsche, Tendenz: steigend.

Zu diesem Zeitpunkt sah es gut aus für den Steuersünder in der Diskussion – zumal der Theologe Wolfgang Huber, die moralische Instanz der Runde – dazu aufrief, dem Menschen Hoeneß die Würde nicht zu nehmen und die Justizbeamten geißelte, die in dem prominenten Fall geheime Details nach außen dringen ließen. Diese Vorlage nahm Stoiber auf, um die Journalisten zu attackieren, die solche durch eine Straftat gewonnenen Informationen nicht veröffentlichen sollten.

Wo kommt das ganze Geld her?

Dem widersprach Mascolo nicht, ging aber wieder in die Offensive und sprach weitere interessante Punkte an. Warum gab ausgerechnet der Adidas-Chef Hoeneß einen Kredit? Wenn Hoeneß auch nur einen Teil des verlorenen Respektes zurück haben wolle, müsse er auch das Geld von den Spekulationen versteuern, die schon verjährt seien. Im Moment stehen nur die Bewegungen von 2003 bis 2009 zur Debatte, das Konto existiere aber schon viel länger.

Außerdem habe der Bayern-Boss neben dem Gewinn von 30 Millionen Euro in der Schweiz auch einen Verlust von 120 Millionen Euro in Deutschland angegeben. "Dafür muss man schon einmal das Doppelte verdient haben. Da gibt es noch viele Fragen“, sprang ihm Röhrig bei. Jauch schließlich goss die Vermutungen in die Frage: "Wo hat er denn das Geld her? Sind da auch Vereinsgelder mit verwurstet worden?“ Das schloss Stoiber aus. Der Bayern-Aufsichtsrat habe das geprüft.

120 Millionen Euro Verlust, angeblich 500 Millionen Euro Guthaben. Etwas viel für eine einzelne Person, auch für einen Unternehmer wie Uli Hoeneß. Die Wurstfabrik, die er gemeinsam mit einem Partner führt, soll rund 50 Millionen Euro im Jahr machen – an Umsatz. Vielleicht ist die Steuerhinterziehung nur die Spitze des Eisbergs in einem ganz anderen Skandal. Der hätte dann allerdings das Potenzial, den gesamten Weltfußball zu erschüttern.

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