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Fall Uli Hoeneß bei Günther Jauch: "Recherchen noch nicht zu Ende"

Fall Hoeneß bei Jauch  

"Die Recherchen sind noch nicht zu Ende"

17.03.2014, 13:32 Uhr | Marc L. Merten, T-Online.de

Fall Uli Hoeneß bei Günther Jauch: "Recherchen noch nicht zu Ende". Hans-Ulrich Jörges, Mitglied der "Stern"-Chefredaktion, sprach beim Jauch-Talk von möglichen weiteren Enthüllungen (Quelle: imago/Müller-Stauffenberg)

Hans-Ulrich Jörges, Mitglied der "Stern"-Chefredaktion, sprach beim Jauch-Talk von möglichen weiteren Enthüllungen (Quelle: imago/Müller-Stauffenberg)

Der Fall Uli Hoeneß lässt Günther Jauch und der ARD keine Ruhe. Der Diskussion vor dem Prozess ("Muss Hoeneß ins Gefängnis?") folgte eine Woche später die Nachbesprechung. Das Ergebnis: Ja, er muss zu Recht hinter Gitter. Doch nimmt der Fall damit ein Ende? Mitnichten. Denn offenbar könnte noch eine ganze Menge ans Licht kommen, von dem zur Zeit nur wenige etwas ahnen.

Im Mittelpunkt des Abends im Gasometer stand Hans-Ulrich Jörges, Mitglied der "stern"-Chefredaktion und ein Hoeneß-Freund’. Na, zumindest gilt er als solcher. Manche seiner Aussagen erinnerten eher an den Ausspruch: Wenn Du solche Freunde hast, brauchst Du keine Feinde. Andere würden allerdings sagen: Wahre Freunde sagen die Wahrheit, so unangenehm sie auch sein mag. Suchen Sie sich was aus! Jörges bot einiges an Diskussionsmaterial.

Zunächst einmal, weil er erklärte, dass der ehemalige Präsident des FC Bayern München wegen seines Verzichts in Revision zu gehen, den Grundstein gelegt habe, nach Verbüßen seiner Strafe wieder als Vorbild in die Gesellschaft zurückzukehren. Niemand dürfte mit dem Hinterziehen solcher Steuersummen davonkommen, sagte Jörges. Doch Hoeneß könne in einer Gesellschaft, die "arm an Vorbildern ist", durch Reue wieder eine solche Rolle einnehmen.

Woher kamen Hoeneß’ Millionen wirklich?

Man mag darüber denken, wie man will, doch Jörges deutete an, dass es mit der Reue gar nicht so ernst gemeint gewesen sein muss. Denn: "Die Recherchen sind noch nicht zu Ende." Gemeint sind die Arbeiten seiner eigenen Mitarbeiter, der Journalisten, die den Fall Hoeneß aufdeckten. Jörges ließ durchklingen, dass Hoeneß gelogen haben könnte, dass das Geld, mit dem dieser in der Schweiz zu spielen anfing, gar nicht von Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus kam. Woher also dann? Jörges machte nur eine vage Andeutung in die Richtung dubioser Fußballgeschäfte. Leider ließ es Moderator Jauch dabei bewenden.

Doch man darf offenbar gespannt sein, ob die Staatsanwaltschaft aufgrund dieser Möglichkeit von Ungereimtheiten nicht doch noch in Revision geht. Die ehemalige Justizministerin Herta Däubler-Gmelin jedenfalls sagte, dass Hoeneß natürlich nicht "wegen der gleichen Tat zweimal verurteilt werden kann". Dafür müsse aber erst einmal klar definiert werden, was "die Tat" eigentlich ist. Das werde in der schriftlichen Urteilsbegründung geklärt. Was darüber hinaus noch auftauchen könnte, wäre Material für eine neuerliche Anklage.

Auch die CSU in den Fall verwickelt?

Der Fall ist also noch längst nicht völlig vom Tisch. Braut sich vielmehr noch weiteres Ungemach über Hoeneß zusammen? Und welche Rolle spielten die angeblichen Politikerfreunde des Bayern-Bosses bei der Aufdeckung der Tat? Jörges deutete an, dass Informationen von der CSU gezielt weitergegeben wurden. Das Ziel: Die Hoeneß-Bombe im großen Wahljahr 2013 so frühzeitig platzen zu lassen, dass sie nicht kurz vor Stimmabgabe den bayerischen Politikern zum Mühlstein wird. Erneut hätte man sich Genaueres gewünscht, doch Jörges mit seinen Antworten und Jauch mit seinen Fragen blieben zu vage.

Emotional wurde es, als es um den Begriff Sozialschmarotzer ging. Hoeneß hatte sich vor Gericht dagegen gewehrt, als solcher bezeichnet zu werden. Er habe schließlich schon Millionen an Steuern gezahlt und viel Geld in gemeinnützige Projekte gesteckt. "Die Spenden sind nichts mehr wert", befand Unternehmer Thomas Selter. "Die Aussage, er sei kein Sozialschmarotzer, finde ich völlig daneben." Auch Däubler-Gmelin befand die Taten des 62-Jährigen als "menschlich unanständig".

Hartmann bissig wie einst Rudi Völler

Ein Mann, der Hoeneß zur Seite sprang, war hingegen Waldemar Hartmann. Der Sportjournalist kennt "den Uli" schon seit 40 Jahren, da verstand es sich von selbst, dass er unter dem Begriff "etwas ganz anderes" versteht. Er glaube viel mehr, dass Hoeneß nach Absitzen seiner Strafe wieder Präsident des FC Bayern werden könne, "wenn er das denn will".

Auf seine Weise glaubt das auch Jakob Augstein. Der Publizist kritisierte den "Rosenteppich", den man Hoeneß auf dem Weg ins Gefängnis auslege, von einer "grauenhaften Überhöhung" einer Persönlichkeit, dem "viele wieder aufhelfen werden. Wenn wir uns um alle Gefallenen so kümmern würden wie um ihn, wäre das sehr schön."

Es entbrannte ein kleiner Zwist zwischen Hartmann und Augstein, in dem "Weißbier-Waldi", wie er seit seinem legendären Interview mit dem damaligen Bundestrainer Rudi Völler auch genannt wird, so bissig Richtung Augstein äffte wie einst Völler gegen Hartmann selbst. Die Diskussion voran brachte es nicht, amüsant war es doch allemal.

"Hauptabteilung Neid und Missgunst"

Im Folgenden driftete die Diskussion ab. Auch, wenn Jauch immer wieder versuchte, "zum Fall Hoeneß zurückzukommen", verfuhren sich seine Gäste in einer sehr allgemeinen Diskussion um Steuervermeidung, um die Abschaffung der Selbstanzeige, um zu hohe und zu niedrige Steuern in Deutschland, kurzum und in den Worten Hartmanns: in einer "klassisch deutschen Diskussion, Hauptabteilung Neid und Missgunst".

Augstein wollte darüber diskutieren, "welche Art von Gesellschaft wir wollen". Selter warnte davor, die Millionen ehrlicher Unternehmer in Deutschland wegen eines minimalen Anteils an Steuersündern zu verurteilen. Augstein wiederum hängte sich am Begriff "Sünder" auf, fand "Straftäter" viel besser. Jörges forderte, dass es "keinen Ausweg" für Steuerhinterzieher mehr geben darf. Und Däubler-Gmelin fand die Diskussion einfach nur noch "verwirrend".

Es blieb, dass in Sachen Hoeneß das letzte Wort wohl noch nicht gesprochen ist. Sollten die Rechercheure des "stern" tatsächlich noch etwas finden, dürfte es noch einmal interessant werden. Bis dahin bleibt uns zuhause wohl nur das Grübeln über Jauchs Frage: "Hat nicht jeder von uns einen kleinen Hoeneß in sich?"

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