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Gewerbesteuer-Nachzahlung: Finanzamt lässt Reisebranche zittern

Gewerbesteuer-Nachzahlung  

Finanzamt lässt Reisebranche zittern

26.03.2014, 11:18 Uhr | dpa

Gewerbesteuer-Nachzahlung: Finanzamt lässt Reisebranche zittern. Reiseveranstalter sollen für eingekaufte Hotelkontingente Gewerbesteuer nachzahlen (Quelle: imago/Caro)

Reiseveranstalter sollen für eingekaufte Hotelkontingente Gewerbesteuer nachzahlen (Quelle: imago/Caro)

Die Deutschen sind nach wie vor reisefreudig, für die Tourismusbranche läuft es gut - und dennoch plagen Veranstalter wie TUI, Schauinsland oder Alltours Sorgen. Milliardenschwere Sorgen, um genau zu sein. Grund sind die Finanzämter, die von den Reiseveranstaltern rückwirkend ab 2008 Gewerbesteuern für den Einkauf von Hotelübernachtungen fordern. Der Deutsche Reiseverband (DRV) schätzt, dass sich dies auf rund 1,4 Milliarden Euro zusätzlich summieren könnte. Und so warnen die Unternehmen bereits vor steigenden Preisen, dem Verlust Tausender Jobs und einer Pleitewelle. Erste Bescheide hat die Finanzverwaltung verschickt.

"Wir schätzen, dass etwa 25.000 Arbeitsplätze und ein Drittel der Firmen unserer Branche vom Markt verschwinden würden", wenn die Politik nicht tätig werde, warnte TUI-Chef Friedrich Joussen jüngst. "Am Ende zahlen die Verbraucher die Zeche, Reisen wird teurer werden", ergänzte Alltours-Chef Willi Verhuven. Die Steuer werde in die Kalkulation der Preise einfließen. Neben den Nachforderungen befürchtet die Branche jährlichen Belastungen von 230 Millionen Euro.

Die Reiseprofis hoffen auf Unterstützung der Politik. Zusammen mit Dachverbänden wie dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) kämpft der DRV bei Bund und Ländern für seine Auslegung des Gewerbesteuerrechts. Seit der Reform aus dem Jahr 2008 werden bei der Berechnung der Gewerbesteuer auch Pacht- und Mietzahlungen sowie Leasinggebühren für "unbewegliche Anlagegüter" - also Betriebsgebäude - berücksichtigt. Aus Sicht der Finanzverwaltung müssen aber auch die Zahlungen für Hotelkontingente, die Reiseveranstalter weltweit für ihre Pauschalreisen einkaufen, bei der Berechnung der Gewerbesteuer hinzugerechnet werden.

Steuer auf Ausgaben

"Ich kann diese Auslegung absolut nicht nachvollziehen und werde dagegen klagen, notfalls bis nach Karlsruhe", kündigte Gerald Kassner, Geschäftsführer von Schauinsland-Reisen in einem Interview mit dem Onlineportal der WAZ-Gruppe "DerWesten.de" an. Weder im Gewerbesteuergesetz noch im Gesetzgebungsverfahren finde sich ein Hinweis darauf, dass Reiseveranstalter mit ihrem Hoteleinkauf der Gewerbesteuer unterliegen sollten, erklärt der DRV. Zudem würden die Unternehmen gegenüber ausländischen Wettbewerbern benachteiligt, die von der Steuer nicht betroffen seien.

Als eines der ersten Unternehmen erhielt der Veranstalter Frosch Sportreisen aus Münster vom Finanzamt einen Nachzahlungsbescheid, ein Einspruch blieb erfolglos. "Wir haben unter Vorbehalt für 2008 und 2009 gezahlt und gehen jetzt vor Gericht", sagt Geschäftsführer Holger Schweins. Zwar glaubt die Branche nicht, "dass die Gewerbesteuernachzahlungen juristisch Bestand haben werden", so DRV-Präsident Jürgen Büchy. Das werde einige - vor allem kleinere - Veranstalter aber nicht vor existenziellen Problemen bewahren. Die Rechtsstreitigkeiten könnten sich mehrere Jahre hinziehen.

Finanzministerium bleibt hart

Vorerst droht den Unternehmen also weiter unangenehme Post vom Finanzamt. Das Bundesfinanzminister bekräftigt auf Nachfrage seine Einschätzung, dass auch Hotelmieten, die Reiseveranstalter entrichten, dem gewerbesteuerlichen Gewinn hinzuzurechnen sind.

Torsten Kirstges, Direktor des Instituts für innovative Tourismus- und Freizeitwirtschaft (ITF) an der Jade-Hochschule in Wilhelmshaven glaubt zwar nicht, dass wegen der Steuernachforderungen ein Drittel der Firmen vom Markt verschwindet. "Das halte ich für übertrieben, aber einige Unternehmen können durchaus in existenzielle Probleme geraten." Ein paar Tausend Euro könnten für einen Mittelständler bereits schwierig werden. Manche Veranstalter erwirtschafteten Renditen von gerade einmal ein bis zwei Prozent, sagt Kirstges. "Die Branche jammert zu Recht."

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