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Wohin Ecclestones 100 Millionen fließen

Prozess-Ende dank Rekordzahlung  

Wohin Ecclestones 100 Millionen fließen

05.08.2014, 15:10 Uhr | sid, rtr, dpa, AFP, t-online.de

Wohin Ecclestones 100 Millionen fließen. Formel-1-Boss Bernie Ecclestone muss 100 Millionen Dollar zahlen (Quelle: Reuters)

Formel-1-Boss Bernie Ecclestone muss 100 Millionen Dollar zahlen (Quelle: Reuters)

Das Landgericht München hat entschieden, das Verfahren gegen Bernie Ecclestone gegen eine horrende Geldauflage zu beenden. Doch was passiert mit der spektakulären Summe von 100 Millionen Dollar (ca. 74,5 Millionen Euro)?

Insgesamt 99 Millionen Dollar des Formel-1-Chefs sollen an das Land Bayern gehen. Die im Vergleich dazu niedrige Summe von einer Million Dollar erhält die Deutsche Kinderhospitzstiftung mit Sitz in Olpe. Auch Strafrechtsanwalt Udo Vetter zeigt sich im Gespräch mit t-online.de überrascht von dem "Ungleichgewicht" der Verteilung.

Er selbst sei noch vor der Bekanntgabe von einer 50:50-Verteilung ausgegangen, wie sie bei höheren Summen häufig der Fall ist. Gerade in diesem Verfahren hätte das Gericht mit einer höheren Verteilung zu Gunsten wohltätiger Einrichtungen ein Zeichen gegen den Vorwurf des "Freikaufs" des Formel-1-Bosses setzen können, so Vetter. Grundsätzlich bestimme nämlich das Gericht, wohin das Geld geht.

"Eine Frechheit" hatte die ehemalige Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger die Absprache bereits im Vorfeld genannt: "Denn 100 Millionen Dollar zu zahlen, zeigt ja, dass hier im Kern schon eine ganz erhebliche Schuld vorliegen muss."

Staatsanwalt sieht "Restschuld"

Doch Staatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch sieht sich nach Verhandlungsende nicht als Verlierer. Entscheidend sei, dass es der Staatsanwaltschaft gelungen sei, die Vorwürfe gegen den 83-Jährigen überhaupt vor Gericht zu bringen. "Wir erkennen eine Restschuld bei Ecclestone", fügte Steinkraus-Koch hinzu. Allerdings habe auch Ecclestone erkannt, dass sein Verhalten nicht richtig gewesen sei. Der Staatsanwalt unterstrich, dass Ecclestone "wesentlich" zur Aufklärung beigetragen habe. Hätte dieser vor Gericht nicht zugegeben, dass es einen Geldfluss an den früheren BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky beim Verkauf der Formel 1 gegeben habe, "hätten wir das höchstwahrscheinlich nicht klären können".  

Richter: Ecclestone ist kein Milliardär

Die finanzielle Auflage sei geeignet, das öffentliche Interesse an der Strafverfolgung zu beseitigen, führte der Richter aus. Die Höhe der Zahlung orientiert sich an Ecclestones Vermögensverhältnissen. Demnach ist Ecclestone aber kein Milliardär, wie der Richter feststellte.

"Die Höhe der Auflage orientiert sich an den Vermögensverhältnissen des Angeklagten", sagte Noll weiter. Aus dem Betrag könne nicht auf die Wahrscheinlichkeit einer Verurteilung oder die mögliche Schwere der Schuld geschlossen werden. Ecclestone habe zugesichert, dass er mit 100 Millionen Dollar eines "fühlbaren Anteils" seines Vermögens entäußert werde, ohne dabei überfordert zu sein. Eine vergleichbare Geldauflage bei der Einstellung eines Strafprozesses ist in Deutschland nicht bekannt.

Geld gegen Unschuld durchaus üblich

Die Einstellung gegen Geldauflage an sich ist jedoch nicht ungewöhnlich. Nach dem Gesetz kann ein Prozess bei kleineren und mittleren Straftaten eingestellt werden, wenn der Angeklagte keine schwere Schuld auf sich geladen hat und mit einer Geldzahlung "das öffentliche Interesse an der Strafverfolgung" beseitigt. Die Justiz kann einen langwierigen Rechtsstreit vermeiden, an dessen Ende nach ihrer aktuellen Einschätzung kein schweres Urteil stehen dürfte. 2012 kam dies vor deutschen Gerichten insgesamt 57.655 Mal vor. 188.654 Verfahren wurden bereits von den Staatsanwaltschaften gegen Auflagen eingestellt. Neuere Zahlen gibt es nicht.

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