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Großbritannien nimmt seine Steueroasen härter an die Kandare

Kampf gegen Steuerhinterziehung  

Großbritannien nimmt seine Steueroasen härter an die Kandare

29.03.2015, 13:02 Uhr | t-online.de, rtr, dpa-AFX

Großbritannien nimmt seine Steueroasen härter an die Kandare. Mont Orgueil Castle auf der Kanalinsel Jersey: Auch diese Steueroase wird ausgetrocknet. (Quelle: Reuters)

Mont Orgueil Castle auf der Kanalinsel Jersey: Auch diese Steueroase wird ausgetrocknet. (Quelle: Reuters)

Steueroasen trocknen weltweit immer mehr aus. Nun verschärft auch Großbritannien den Kampf gegen Steuerhinterziehung und will seine Überseegebiete wie die Cayman Islands, die Bermudas oder die Britischen Jungferninseln an die Kandare nehmen. Die britische Regierung verlangt von ihnen einen konkreten Zeitplan für die Einführung eines zentralen Unternehmensregisters, teilte eine Sprecherin des Finanzministeriums mit. Schon ab nächster Woche sind große Konzerne betroffen.

Das geforderte Register müsse auch Aufschluss über die Eigentümerverhältnisse bei den Firmen geben. Die Forderung ist nicht neu: Premierminister David Cameron hatte schon 2013 auf dem G8-Gipfel in Nordirland vorgeschlagen, entsprechende zentrale Register einzuführen.

Staaten tauschen steuerlich relevante Daten aus

Im vergangenen Sommer hatten dann fast 50 Staaten ein Abkommen zum Austausch von Konto- und Steuerdaten beschlossen. Die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ließ daraufhin einen internationalen Standard zum Datenaustausch ausarbeiten, den dutzende Staaten zum Gesetz erklären wollten - unter anderem auch Steueroasen wie Liechtenstein, die britischen Kanalinseln Guernsey und Jersey, sowie die karibischen Cayman-Inseln. Österreich werde ab 2018 mitmachen.

Das Bundesfinanzministerium sprach damals von einem "Meilenstein". Der neue Standard solle die Möglichkeiten zur Bekämpfung und Verhinderung von Steuerhinterziehung erheblich verbessern. Weiter hieß es: "Wir appellieren an alle Finanzzentren, sich im Einklang mit ihrer Verantwortung innerhalb des globalen Finanzsystems diesem Zeitplan anzuschließen."

Der Austausch solle spätestens 2017 starten. Die teilnehmenden Staaten sollen sich dann gegenseitig mit Daten über Auslandskonten versorgen, die sie zuvor von den Banken bekommen haben. Die Finanzbehörden der verschiedenen Steueroasen werden dann automatisch die Informationen an die Heimatländer der Kontoinhaber übermitteln.

Die Zeit wird knapp

Damit wird ein Weg verschlossen, den Privatleute sowie Firmen nutzten, wenn ihnen die Steuerlast am Wohn- oder Geschäftssitz zu hoch erschien. Sie schafften Geld nach Liechtenstein oder Cayman, ließen dort einen Treuhänder eine Firma mit Fantasienamen gründen und versteckten auf deren Konten ihr Kapital. Das deutsche Finanzamt erfuhr meist nichts von den schwarzen Kassen.

Steuerflüchtlinge können aber nicht bis 2017 warten, da dann auch bestimmte Konten in den Austausch einbezogen werden, die bereits 2015 bestanden. Die verbleibende Zeit, um noch Spuren zu verwischen oder das Geld an vermeintlich andere sichere Orte zu transferieren, ist abgelaufen.

"Google-Steuer" tritt in Kraft

Von den Neuregelungen sind bereits ab 1. April auch große multinationale Firmen wie Google, Apple, Amazon oder Starbucks betroffen. Sie müssen demnächst auch in Großbritannien Steuern zahlen, wenn sie dort über einen bestimmten Jahresumsatz (zehn Millionen Pfund, knapp 14 Millionen Euro) erwirtschaften. Die sogenannte "Google-Steuer" tritt am 1. April in Kraft. Dann wird eine Steuer von 25 Prozent auf die Gewinne fällig.

Derzeit vermeiden große internationale Firmen in vielen Ländern Steuern, indem sie die Transaktionen kurzerhand in Länder auslagern, in denen sie weniger Steuern zahlen müssen.

Der Kampf gegen Steuerflucht ist ein wichtiges Thema weltweit, aber auch innerhalb der EU. Zuletzt hatten sich Luxemburg und die Schweiz bereit erklärt, künftig Informationen über Bankkonten von Ausländern an die EU zu liefern.

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