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Bahnstreik aktuell: Bahn-Netz zum Streikende "offen und befahrbar"

Bahnstreik der GDL im Ticker  

Bahn-Netz zum Streikende "offen und befahrbar", Deutsche zeigen kein Verständnis

08.05.2015, 14:09 Uhr | rtr , dpa-AFX , AFP , dpa , dpa-tmn

Bahnstreik aktuell: Bahn-Netz zum Streikende "offen und befahrbar". Die GDL legt erneut den Bahnverkehr in Deutschland lahm. (Quelle: dpa)

Die GDL legt erneut den Bahnverkehr in Deutschland lahm. (Quelle: dpa)

Die Lokführergewerkschaft GDL macht ernst und ruft einen Rekord-Bahnstreik aus: Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer kündigte an, den Personenverkehr ab Dienstag für sechs Tage bestreiken. Im Güterverkehr wurde bereits ab Montag gestreikt - angekündigt für sieben Tage. Es ist der nunmehr achte und längste Bahnstreik in dem seit Monaten laufenden Tarifstreit.

Lokführer und Zugbegleiter traten von Dienstagmorgen um 02.00 Uhr bis Sonntagmorgen um 09.00 Uhr in den Ausstand. Bereits am Montag um 15.00 Uhr begann der Bahnstreik im Güterverkehr der Deutschen Bahn. Dieser endet ebenfalls am Sonntag um 09.00 Uhr. Wir halten Sie zum Bahnstreik im Mai 2015 auf dem Laufenden.

+++ Bahn-Netz zum Streikende "offen und befahrbar" +++

Zum geplanten Ende des Lokführerstreiks an diesem Sonntag wird es im Bahn-Netz nach Einschätzung des Konzerns keine Problemstellen geben. "Es ist alles offen und befahrbar", erklärte eine Sprecherin der DB Netz AG am Freitag in Frankfurt. Die Netzleitzentrale erwarte bis zum angekündigten Streikende auch keine Verschlechterung der Lage mehr. Streikbedingt stünden einige Züge in Rangieranlagen oder auf wenig genutzten Überholgleisen. Sie behinderten aber den geplanten Wiederanlauf des Normalverkehrs nicht.
Auch an den deutschen Grenzbahnhöfen gebe es keine Probleme mit stehengebliebenen Zügen. Die Zusammenarbeit mit den ausländischen Bahnen habe funktioniert.

+++ Bahn-Logistiktochter will nach Streik schnell zum Normalbetrieb +++

Nach dem für Sonntag erwarteten Ende des Lokführerstreiks will die Deutsche Bahn im Güterverkehr möglichst schnell wieder zum Normalbetrieb zurückkehren. Wie lange dies dauern werde, könne noch nicht exakt gesagt werden, erklärte am Freitag ein Sprecher des DB-eigenen Güterunternehmens DB Schenker Rail in Frankfurt. Bei der vorherigen, kürzeren Streikwelle habe man für das "Aufräumen" bis zur Wochenmitte gebraucht. Nach Unternehmensangaben sollten an den insgesamt sieben Streiktagen im Güterverkehr jeweils rund zwei Drittel der sonst üblichen Züge fahren. Besonders wichtige und zeitkritische Güter wie zum Beispiel Teile für die Autoindustrie seien dabei bevorzugt worden. Sonderzüge wurden abgesagt und auch bis Sonntag nicht neu angenommen. Auch das Einzelwagen-Netz, über das einzelne Waggons über die Rangierbahnhöfe zu unterschiedlichsten Zielen gebracht werden, sei aufrechterhalten worden. Die nicht gefahrenen Züge hätten Lokführer so abgestellt, dass sie den übrigen Verkehr nicht behinderten.

+++ Hälfte der Deutschen zeigt kein Verständnis für Bahnstreik +++

Eine knappe Mehrheit der Deutschen hat kein Verständnis für den erneuten Lokführer-Streik. In einer am Donnerstag veröffentlichten Infratest-dimap-Umfrage für den ARD-"Deutschlandtrend" gaben dies 52 Prozent der Befragten an. Allerdings haben demnach 46 Prozent der Bürger Verständnis für den Streik. Jeder zweite Deutsche (50 Prozent) macht der Umfrage zufolge die Lokführergewerkschaft GdL dafür verantwortlich, dass in dem Tarifkonflikt erneut gestreikt wird. Die Deutsche Bahn sieht demnach nur ein gutes Viertel (27 Prozent) als Hauptverantwortliche für den Streik. Die Schuld bei beiden Tarifpartnern gleichermaßen sehen 14 Prozent der Befragten. Die Lokführer wollen noch bis Sonntagmorgen streiken.

+++ Bahn-Chef kündigt für Freitag Vorstoß im Tarifkonflikt an +++

Bahnchef Rüdiger Grube plant für Freitag einem Medienbericht zufolge einen neuen Vorstoß im festgefahrenen Tarifkonflikt mit den Lokführern. Er werde "die nächste Stufe zünden", sagte Grube einem Bericht der "Stuttgarter Zeitung" zufolge am Donnerstagabend in Esslingen. Eine Bahnsprecherin in Berlin bestätigte die Aussage am Freitag. Er habe einen "Plan B", erläuterte Grube. Dafür müsse er in der Nacht zu Freitag noch ein Gespräch führen. Zu Details und dazu, ob dieses Gespräch stattgefunden habe, äußerte sich die Bahnsprecherin zunächst nicht. Grube hatte bereits am Mittwoch gesagt, die Bahn habe einen "Plan B", sofern die GDL nicht auf den Vorschlag eingehe, die Tarifverhandlungen unter Einbeziehung eines Vermittlers wiederaufzunehmen. Für diese Aufgabe wollte die Bahn den früheren brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD) einsetzen. "Die Lösung wird es nicht sein", sagte Grube nun zu seiner geplanten Initiative nach Angaben der Zeitung. Der "gesunde Menschenverstand" sage ihm jedoch, was der nächste Schritt sein müsse. GDL-Chef Claus Weselsky hatte den Vorschlag, die Verhandlungen mit Platzeck fortzusetzen, am Donnerstag abgelehnt.

+++ Weiterhin nur Rumpfangebot bei der Bahn wegen Lokführerstreik +++

Bei der Deutschen Bahn bleibt das Zugangebot wegen des Lokführerstreiks auch am Freitag mager. Nur etwa ein Drittel der Fernzüge und - je nach Region - 15 bis 65 Prozent der Regionalbahnen werden eingesetzt. Die Hoffnung der Bahnkunden auf ein vorzeitiges Ende des Streiks hatte sich am Donnerstag zerschlagen. Der Vorsitzende der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky, lehnte es ab, den Ausstand vor dem geplanten Ende am Sonntagmorgen abzubrechen. Bahnchef Rüdiger Grube hatte vorgeschlagen, die Verhandlungen sofort wieder aufzunehmen - mit dem SPD-Politiker Matthias Platzeck als neutralem Vermittler.

+++ Bahnstreik geht weiter +++

Der Lokführerstreik bei der Deutschen Bahn ist nicht zu bremsen. "Wir werden unseren Arbeitskampf bis Sonntagfrüh um neun fortsetzen", erklärte der Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), Claus Weselsky, am Donnerstag am Berliner Hauptbahnhof. Zuvor hatte er abermals den Vorschlag von Bahnchef Rüdiger Grube abgelehnt, der den früheren brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD) als Beobachter oder Vermittler für neue Verhandlungen ins Spiel gebracht hatte. Weselsky sagte, es werde kein solches Verfahren geben, solange der Konzern seine Bedingung aufrechterhalte, dass es am Ende inhaltsgleiche Ergebnisse mit der konkurrierenden Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) geben müsse. Dies sei ein Eingriff in die grundgesetzlich geschützte Koalitionsfreiheit, kritisierte er. Grundsätzlich sei die GDL aber bereit, über Lösungsansätze zu diskutieren. "Inhaltsgleiche Tarifverträge wird es nicht geben", sagte Weselsky und verwies auf die unterschiedlichen Forderungen von GDL und EVG. Während die EVG eine reine Gehaltsrunde fahre, komme es der GDL auf verbesserte Arbeitsbedingungen für das Zugpersonal an. Für sinnvolle Arbeitszeit-Begrenzungen und andere Regelungen sei man auch bereit, auf einen Teil der Gehaltssteigerung zu verzichten.

+++ Lokführer streiken weiter - Platzeck bringt keinen Frieden +++

Nach dem vorerst gescheiterten Vermittlungsversuch der Bahn geht der Lokführerstreik unverändert weiter. Noch bis Sonntag wollen die in der Gewerkschaft GDL organisierten Arbeitnehmer den Zugverkehr in Deutschland möglichst großflächig lahmlegen. Erneut müssen am Donnerstag Fahrgäste und Frachtkunden nach Alternativen suchen oder lange Wartezeiten und volle Ersatzzüge ertragen. Die Gefahr von logistisch bedingten Produktionsausfällen in der Industrie steigt dabei von Tag zu Tag.

+++ Starke Einschränkungen am Mittwoch +++

Im Personenverkehr rollte am Mittwoch nach dem Sonderfahrplan der Bahn knapp jeder dritte Fernzug, in den Regionen schwankte das Angebot nach Unternehmensangaben zwischen rund 15 Prozent des üblichen Angebots im Osten und bis zu zwei Dritteln im Westen. Ein ähnlicher Ersatzfahrplan ist auch für Donnerstag geplant

+++ "PR-Gag": Weselsky spottet über Grube-Vorschlag +++

Die Reaktion von GDL-Chef Claus Weselsky auf den Vermittlervorschlag der Bahn hat nicht lange auf sich warten lassen. Er bezeichnete die Idee, SPD-Politiker Matthias Platzeck als Vermittler einzuschalten, als öffentlichkeitswirksamen Witz . "Niemand sollte davon ausgehen, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt aufgrund eines PR-Gags des Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn die Streikaktionen beenden", sagte Weselsky auf einer Kundgebung in Köln. Die Lokführer-Gewerkschaft GDL will ihren Streik nicht abbrechen. "Wir sind nach jetziger klarer und deutlicher Ansage bis sonntagfrüh 9 Uhr alle gemeinsam im Arbeitskampf." Das "angeblich so tolle" Angebot des Konzerns habe ihm bis Mittwochmittag nicht vorgelegen, so Weselsky .Grube habe den Brief offenbar "mit der Postkutsche losgeschickt". Weselsky sagte aber zu, die GDL werde Grubes Vorschlag bewerten, wenn ihr dieser schriftlich vorliege. "Und wir lassen uns Zeit dabei", fügte der Gewerkschaftschef hinzu.

+++ Bahn-Chef Grube schlägt Matthias Platzeck als Vermittler vor +++

4,7 Prozent mehr Lohn in zwei Schritten, 1000 Euro Einmalzahlung, 300 neue Lokführerstellen - Bahnchef Rüdiger Grube erneuert das alte Angebot und macht einen konkreten Vorschlag für einen Vermittler. Künftig solle "eine unabhängige Persönlichkeit" an den Tarifverhandlungen teilnehmen, so Grube. Er schlug Matthias Platzeck (SPD) vor. Der ehemalige Ministerpräsident von Brandenburg habe sich schon bereit erklärt. Die GDL könne zusätzlich eine eigene Person des Vertrauens hinzuziehen. Voraussetzung für diese Vermittlung sei, dass sie sofort beginne und dass die GDL ihren aktuellen Streik beende. Die Bahn wolle diesen Weg gehen, weil die GDL derzeit "noch nicht bereit ist, in eine Schlichtung einzutreten", sagte Grube. Bereits vor Grubes Erklärung hatte GDL-Vize Norbert Quitter zugesichert, den Lösungsvorschlag genau prüfen zu wollen."Wenn wir es schriftlich erhalten haben, werden wir es uns anschauen, werden wir prüfen und bewerten, was es hergibt."

+++ Ersatzfahrplan laut Bahn weiterhin stabil +++

Der Ersatzfahrplan der Deutschen Bahn funktioniert nach Angaben des Unternehmens weiterhin stabil und zuverlässig. Am Mittwoch, dem zweiten Tag des Lokführer-Streiks im Personenverkehr, werde wieder rund ein Drittel der Fernzüge fahren, im Regionalverkehr zwei Drittel der Züge, teilte die Bahn in Berlin mit. Schwerpunkte der Arbeitsniederlegungen liegen demnach in den ostdeutschen Bundesländern, wo die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) viele Mitglieder hat, und in Frankfurt am Main. Ab Mittag sei der für die kommenden 48 Stunden geltende Ersatzfahrplan für die Kunden abrufbar, kündigte die Bahn an. Die trotz des Bahnstreiks fahrenden Züge kommen demnach zuverlässig an. Im Schienengüterverkehr, den die GDL bereits seit Montagnachmittag bestreikt, führen die Arbeitsniederlegungen laut Bahn zu "massiven" Verspätungen und Einschränkungen für die Kunden. Auch hier bewähre sich der Ersatzfahrplan, erklärte die Deutsche Bahn: Vor allem versorgungsrelevante Züge fahren demnach; es sollen nach den Plänen der Bahn mindestens zwei Drittel sein.

+++ Lokführer fahren weiter auf hartem Streikkurs +++

Die Geduld von Millionen Bahnkunden wird weiter auf die Probe gestellt: Die Lokführergewerkschaft GDL setzt ihren Rekord-Streik bei der Deutschen Bahn AG auch an diesem Mittwoch in unveränderter Härte fort. Nach Ankündigung der Gewerkschaft sollen über den gesamten Tag erneut rund 3000 Lokführer dem Streikaufruf folgen und ihre Züge stehen lassen. Daran ändert auch die Ankündigung von Bahnchef Rüdiger Grube nichts, der in Berlin einen "neuen Vorschlag zur Befriedung der Lage" machen will.

+++ SPD gegen Zwangsschlichtung im Bahn-Konflikt +++

Die SPD im Bundestag hat Bahn und Lokführergewerkschaft GDL zu einer raschen Suche nach Lösungen im Tarifkonflikt aufgefordert. "Pendler, Reisende und Arbeitgeber werden in dieser Woche durch den Streik enorm belastet", sagte die SPD-Arbeitsmarktexpertin Katja Mast der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "So kann es nicht weitergehen." Klar sei: "Es braucht jetzt schnell ernsthafte Verhandlungen der Tarifpartner." Mast wandte sich gegen Forderungen aus der Union für ein verpflichtendes Schlichtungsverfahren. "Für den derzeitigen Bahnstreik eine Zwangsschlichtung vorzuschlagen ist schnell gesagt, aber wenig durchdacht", sagte sie. "Das Streikrecht im Grundgesetz ist ein hohes Gut." Der fast einwöchige Arbeitskampf soll bis Sonntag dauern.

+++ Weselsky zeigt fragwürdigen Humor +++

Bei einer Podiumsdiskussion gestern Abend an der Uni Tübingen witzelte GDL-Chef Claus Weselsky laut "Bild", es gebe ja noch andere Verkehrsmittel als die Bahn. Er sei mit Flugzeug und Auto unterwegs gewesen und nur einmal in stockenden Verkehr geraten. "Weselsky verhöhnt die Bahnkunden", titelte "Bild" passend. Der GDL-Boss will am Mittag am Kölner Hauptbahnhof zu Streikenden sprechen, sein Stellvertreter Norbert Quitter schon am Vormittag in Frankfurt. Besonders interessant wird dabei die Reaktion der GDL auf den angekündigten Vorstoß der Bahn sein.

+++ Grube kündigt Lösungsvorschlag an +++

Bahnchef Rüdiger Grube hat für heute Mittag einen "neuen Vorschlag zur Befriedung der Lage" angekündigt - wir sind gespannt! "Wir versuchen, die Verhandlungen wieder in Gang zu bringen", sagte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber dem RTL-"Nachtjournal". "Wir reden über das Wie, die Inhalte dieser Tarifverträge. Über Zeit- und Geldregelungen."

+++ Verkehr nach Ersatzfahrplan läuft stabil +++

Am Dienstag lief der Zugverkehr nach Ersatzfahrplänen stabil, wie die Bahn in Berlin mitteilte. Im Fernverkehr sollten 245 statt der sonst üblichen 804 Züge eingesetzt werden. Im Regionalverkehr seien je nach Gebiet zwischen 15 und 60 Prozent der Züge unterwegs. Mit besonderen Problemen hatte das Unternehmen im Osten der Republik gerechnet, wo es kaum beamtete Lokführer gibt, die nicht streiken dürfen. Später sagte ein Bahnsprecher, es könnten in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen etliche Züge mehr fahren als geplant, weil mehr Lokführer zur Arbeit erschienen seien als erwartet. Die GDL äußerte sich zunächst nicht zur Streikbeteiligung. Auch die S-Bahnen waren stark beeinträchtigt. In Hamburg fuhren sie auf den Stammlinien im 20-Minuten-Takt. In Berlin wurde etwa die Hälfte der Linien ebenfalls im Abstand von 20 Minuten bedient. Im Rhein-Main-Gebiet fuhren die meisten Linien im Stunden-Takt oder fielen gleich ganz aus.

+++ ADAC weist auf mehr Staus hin +++

Viele Deutsche nahmen am Dienstag das Auto und gerieten vor allem in den Ballungsgebieten in sehr dichten Verkehr - weitaus dichter als an normalen Arbeitstagen. "Wer keine Alternative zum Auto hat, steht fast zwangsläufig im Stau", sagte eine Sprecherin des Automobilclubs ADAC.

+++ Umsteigen im Bahnstreik: Fernbusse werden voller und teurer +++

Wegen des Lokführerstreiks bei der Deutschen Bahn steigen viele Reisende auf Fernbusse um. Mehrere Anbieter verzeichnen eine sprunghaft angestiegene Nachfrage seit der Ankündigung des Streiks. Marktführer MeinFernbus Flixbus etwa verbuchte am Dienstag fünfmal mehr Zugriffe auf seine Webseite und etwa 150 Prozent mehr Buchungen. Der Anbieter Postbus verkaufte nach eigenen Angaben drei- bis viermal so viele Tickets wie sonst. Auch Konkurrent BerlinLinienBus registrierte für die kommenden Tage 135 Prozent mehr Kunden. Besonders nachgefragt sind die Metropolverbindungen zwischen den Großstädten, insbesondere von und nach Berlin. Die Strecke mit dem größten Nachfragezuwachs war bei MeinFernbus Flixbus die Route Freiburg-Lörrach. Bei BerlinLinienBus waren einzelne Fahrten schon früh komplett ausgebucht. Etwa ein Dutzend Busse wurde daher zusätzlich gechartert, um die Kapazitäten auf diesen Strecken zu erweitern. Wer sicher ein Ticket haben will und günstig fahren will, muss sich nach Angaben der Anbieter vor allem bei Fahrten am Freitag und am Wochenende beeilen. Die Ticketpreise steigen dabei, je voller der Bus wird. Zwar versichert etwa MeinFernbus Flixbus: "Die Preise sind dieselben wie immer, die Spanne ändert sich nicht." Allerdings richten sie die Kosten nach dem noch verfügbaren Kontingent, und die Sparpreise sind schnell vergriffen. Auch bei Postbus und BerlinLinienBus sind die Preise an die Auslastung gekoppelt.

+++ Sonderzüge für Bundesliga-Fans fallen aus +++

Schlechte Nachricht für viele Fußball-Fans: Wegen des Bahnstreiks fallen zum einen der geplante Sonderzug von Hoffenheim nach Frankfurt aus sowie die beiden Entlastungszüge von Leverkusen nach Rheydt/Mönchengladbach aus. Der Fandachverband und die Fanbetreuung der TSG 1899 Hoffenheim suchen nach einer neuen Lösung für die Anhänger der Kraichgauer. Geplant sei ein Umstieg auf Busse. Bayer Leverkusen empfiehlt aufgrund des GDL-Streiks allen Fans der Werkself daher, Fahrgemeinschaften zu bilden und frühzeitig mit dem Auto anzureisen.

+++ Bahnstreik erschwert Anreise zu "Jugend trainiert für Olympia" +++

Der Streik der Lokführer trifft auch gut 3000 Schüler auf ihrem Weg nach Berlin zum Schulwettbewerb Jugend trainiert für Olympia. Die Beteiligten organisierten viel selbst, Eltern würden ihre Kinder etwa zu den Bahnknotenpunkten fahren, erklärte Thomas Poller von der Deutschen Schulsportstiftung am Dienstag. Die Deutsche Bahn habe zusätzliche Busse gechartert, teilte das Unternehmen mit. Die DB ist seit 2012 Hauptsponsor des Wettbewerbs. Ob Wettkämpfe verschoben werden müssen, werde erst noch entschieden, sagte Poller. Das Bundesfinale findet von Mittwoch bis zum Samstag in der Hauptstadt statt. Die Sportler treten im Badminton, Basketball, Gerätturnen, Handball, Tischtennis und Volleyball sowie im Goalball, Rollstuhlbasketball und Tischtennis gegeneinander an.

+++ Bahnstreik bremst Pendlerverkehr bundesweit aus +++

Der Streik bei der Deutschen Bahn hat Millionen Pendler im Berufsverkehr getroffen. In der Nacht zum Dienstag weiteten die Lokführer ihren im Güterverkehr begonnenen Ausstand bundesweit auf den S-Bahn-, Regional- und Fernverkehr aus. In vielen Städten fielen am Morgen zahlreiche S-Bahnen aus. Laut Bahn waren Berlin, Halle, Frankfurt und Mannheim besonders betroffen. Im Regionalverkehr fielen demnach rund ein Drittel der Züge aus, im Fernverkehr zwei Drittel. Besonders stark vom Ausstand betroffen ist laut Bahn der bereits seit Montag bestreikte Güterverkehr. Hier gebe es bundesweit massive Verspätungen sowie Einschränkungen der Kunden im In- und Ausland. Zeitkritische Transporte fährt die Bahn jedoch bevorzugt, um Produktionsausfälle zu vermeiden. Zudem haben inzwischen private Konkurrenten der Bahn einen Marktanteil von rund einem Drittel erobert. Auch im Regionalverkehr fahren die Züge dort, wo die Deutsche Bahn Verkehrsaufträge der Länder an andere Unternehmen verloren hat.

+++ Auch Bahngewerkschaft EVG schließt Streiks nicht aus +++

Die Bahngewerkschaft EVG schließt Streiks im Bahnverkehr in der laufenden Tarifrunde ebenfalls nicht aus. Der EVG-Vorsitzende Alexander Kirchner bekräftigte am Dienstag im ARD-Morgenmagazin: "Wenn am Ende des Prozesses wir feststellen, dass aufgrund der Eskalation das, was wir wollen, nämlich eine einheitliche Erhöhung für alle Beschäftigten um sechs Prozent und mindestens 150 Euro, nicht realisierbar ist über Tarifverhandlungen, schließen wir natürlich einen Streik auch nicht aus." Die Gewerkschaft wolle verhindern, dass die unteren Einkommensgruppen im Tarifkonflikt abgehängt werden. "Das sind Kolleginnen und Kollegen, die für 1100 netto und 800 Euro Miete ihr Leben fristen müssen. Da kann es nicht sein, dass einzelne Berufsgruppen versuchen, aus diesem Kuchen, der zu verteilen ist im Bahnkonzern, mehr raus zu holen." Streik sei ein probates Mittel, wenn es am Verhandlungstisch nicht mehr gehe, betonte Kirchner. Im Gegensatz zur GDL streike die EVG allerdings nicht, um Strukturen zu ändern, sondern für mehr Geld.

+++ Deutsche Bahn beharrt auf Schlichtung im Tarifkonflikt +++

Im Bahn-Tarifkonflikt ist weiter keine Annäherung in Sicht. Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber erklärte am Dienstagmorgen im Deutschlandfunk, es müsse eine Schlichtung in der Sache geben. "Wir werden darauf beharren, dass wir in ein solches Verfahren gehen." Er wolle "gern verstehen, welche Argumente die GDL einzubringen hat. Ich habe bisher keine gehört, die gegen eine Schlichtung sprechen".

+++ DGB Nord sieht Deutsche-Bahn-Mitarbeiter vor Zerreißprobe +++

Der Deutsche Gewerkschaftsbund im Norden sieht die Mitarbeiter der Deutschen Bahn AG vor einer betriebsinternen Zerreißprobe. Nur ein solidarisches Vorgehen aller Bahnbeschäftigten und beider Gewerkschaften könne zu echten Verbesserungen im Unternehmen führen, sagte der DGB-Chef Nord, Uwe Polkaehn. "Dieser Egotrip führt zu nichts", ergänzte er zum Streikaufruf der Gewerkschaft der Lokomotivführer (GDL). Polkaehn forderte die GDL auf, mit der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) Gespräche zur Bildung einer Tarifgemeinschaft aufzunehmen. "Wenn die GDL jetzt einen Sechs-Tage-Streik ankündigt, dann tritt sie damit gleichzeitig den Schaffnern, Stellwerkern und allen anderen Beschäftigten in die Kniekehle, die mit der EVG für ihre Rechte kämpfen", teilte Polkaehn mit. Durch den einseitigen Streikaufruf befürchtet der DGB-Vertreter, dass das Ansehen der Gewerkschaften beschädigt wird.

+++ Bahnstreik: Geißler sieht Hauptschuld bei Bundesregierung +++

Der frühere CDU-Spitzenpolitiker Heiner Geißler sieht im von der Bundesregierung geplanten Tarifeinheitsgesetz die Hauptursache für den eskalierenden Tarifstreit bei der Bahn. "Man kann diesen Arbeitskampf nur entschärfen, wenn die Bundesregierung ihren Gesetzentwurf über die Tarifeinheit zurückzieht", sagte der ehemalige CDU-Generalsekretär dem "Münchner Merkur" (Dienstag). Der Entwurf werde ohnehin nicht in Kraft treten, da er verfassungswidrig sei, prophezeite Geißler. Das verfassungsmäßig garantierte Streikrecht könne von kleinen Gewerkschaften nicht mehr ausgeübt werden, sollte das Gesetz wie geplant in Kraft treten. Berufsgruppen wie Ärzte, Krankenschwestern und Erzieher müssten aber auch weiterhin die Möglichkeit haben, sich in kleinen Verbänden zu organisieren, sagte Geißler.

+++ Kritik an der GDL wächst +++

Nachdem Mitglieder der Bundesregierung und andere Politiker den Streikkurs der GDL bereits kritisierten, stößt er nun auch bei einer großen Gewerkschaft des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) auf massive Kritik. "Die GDL verfolgt rücksichtslos ihre eigenen Ziele für ihre kleine Klientel", sagte der Vorsitzende der Indstriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Michael Vassiliadis, der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse" (Dienstagsausgabe). Die GDL gehe "erkennbar nicht" verantwortlich mit dem Arbeitskampfinstrument um. Die jetzige GDL-Führung habe aber "überhaupt kein Verständnis und kein Gespür, dass sie damit die Gewerkschaftsidee insgesamt" schädige, sagte Vassiliadis. "Dass eine Mini-Gewerkschaft so tut, als spräche und handele sie für die Mehrheit, das kann nicht richtig sein." Deshalb sei das geplante Tarifeinheitsgesetz richtig.

+++ Fahrgastverband für neues Vermittlungsverfahren im Bahn-Konflikt +++

Zur Beendigung des Arbeitskampfes der Lokführer hat der Fahrgastverband "Pro Bahn" eine Moderation anstelle einer Schlichtung vorgeschlagen. Damit könne ein Dialog der Tarifparteien erleichtert werden, zumal das Verständnis bei den Fahrgästen für die Streiks der Lokführer-Gewerkschaft GDL dramatisch abnehme, sagte Verbandssprecher Karl-Peter Naumann der "Rheinischen Post" (Dienstagausgabe). Denn bei einer Moderation gehe es nicht um einen Schlichterspruch sondern zunächst darum, die Fähigkeit herzustellen, miteinander zu sprechen. Als Moderator schlug er den früheren Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche, Bischof Wolfgang Huber, vor. Die GDL lehnte Forderungen nach einer Schlichtung mehrfach ab.

+++ Lokführer dehnen Streik auf Personenverkehr aus +++

Der Streik bei der Deutschen Bahn trifft nun auch den Personenverkehr. Die bei der Gewerkschaft GDL organisierten Lokführer legten um 2.00 Uhr im bundesweiten Nah- und Fernverkehr die Arbeit nieder, wie ein Bahnsprecher am frühen Dienstagmorgen bestätigte. Dieser achte Streik im laufenden Tarifkonflikt soll bis Sonntag um 9.00 Uhr dauern. Die Gütertransporte der Bahn werden bereits seit Montagnachmittag bestreikt.

+++ Achter Lokführerstreik hat begonnen +++

Bei der Deutschen Bahn hat am Montagnachmittag (15.00 Uhr) der achte Lokführerstreik begonnen. «Der Streik im Güterverkehr ist angelaufen», sagte eine Bahnsprecherin in Berlin. Das Unternehmen erwartet, dass während des fast sechstägigen Ausstand nur etwa die Hälfte der sonst üblichen Zahl an Güterzügen unterwegs sein wird.

+++ Merkel regt Schlichtung im Bahnstreik an +++

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat eine Schlichtung im Bahnstreit angeregt. Es gebe zwar die Tarifautonomie und das Streikrecht, sagte Merkel am Montag in Berlin. Die Folgen des mehrtägigen Streiks der Lokführer seien jedoch für viele Menschen und Unternehmen gravierend. Deshalb müsse alles daran gesetzt werden, eine Lösung zu finden. "Hier ist der Weg einer Schlichtung ein möglicher, gangbarer Weg", sagte Merkel.

+++ Bahn: Ein Drittel der Fernzüge wird trotz Streiks fahren +++

Für die kommenden Streiktage bei der Deutschen Bahn sind die Ersatzfahrpläne des Fernverkehrs fertig. Fahrgäste können sie im Internet unter www.bahn.de oder mit der Mobiltelefon-App DB Navigator einsehen, wie das Unternehmen am Montag in Berlin mitteilte. Die Pläne gelten zunächst für Dienstag und Mittwoch.

+++ Tillich: GDL gefährdet Wirtschaftsstandort Ostdeutschland +++

Sachsen Ministerpräsident Stanislaw Tillich hat der Lokführergewerkschaft GDL vorgeworfen, mit ihrem Ausstand den Wirtschaftsstandort Ostdeutschland massiv zu schaden. Der Osten sei bereits in den letzten Bahnstreiks "total" betroffen gewesen mit Stillstand in Städten wie Dresden oder Leipzig, sagte Tillich am Montag vor der Sitzung des CDU-Bundespräsidiums in Berlin. Grund sei, dass es in den neuen Bundesländern keine beamteten Zugführer gebe, die wie im Westen anstelle streikender GDL-Lokführer eingesetzt werden könnten. Daher trage die GDL dazu bei, "dass es im Osten zunehmend schwieriger wird, Investoren zu finden, die sich darauf verlassen, dass ihre Ware mit der Bahn transportiert wird".

+++ Taxi-App MyTaxi will vom Bahnstreik profitieren +++

Die App MyTaxi will vom Bahnstreik profitieren und heizt mit einer Rabatt-Aktion den Kampf um den Markt der Taxivermittlung weiter an. Von Montag an bis zum 17. Mai fahren Kunden in über 40 Städten weltweit für die Hälfte des Preises, teilte die Daimler-Tochter mit. Wer über die App per PayPal oder Kreditkarte zahlt, erhält bei der Abrechnung automatisch einen Rabatt von 50 Prozent. Das solle einen Anreiz geben, die App auszuprobieren und vor allem die seit 2012 verfügbare Online-Bezahlfunktion zu nutzen, sagte Gründer und Chef von MyTaxi, Nic Mewes.

+++ Wirtschaft befürchtet Schäden in Millionenhöhe durch Bahnstreik +++

Die deutsche Wirtschaft stellt sich wegen des fast einwöchigen Lokführerstreiks bei der Deutschen Bahn auf Schäden in dreistelliger Millionenhöhe ein. Die "erneute Eskalation im Tarifstreit" sorge für "leere Lager, unterbrochene Wertschöpfungsketten und Produktionsausfälle in zahlreichen Industriebranchen", kritisierte der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) am Montag in Berlin. Der fast einwöchige Ausstand schade dem Industriestandort Deutschland massiv und könne Schäden in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro verursachen, warnte der Verband. Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags, Eric Schweitzer, bezifferte die Schäden mit 500 Millionen Euro. "Alles in allem drohen Streikkosten von einer halben Milliarde Euro", sagte Schweitzer dem "Handelsblatt" (Dienstagsausgabe). Nach Angaben des BDI treffen die Arbeitsniederlegungen der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) vor allem die Stahl-, die Chemie- und die Automobilindustrie. Die GDL will von Montagnachmittag bist Sonntagmorgen den Güterverkehr der Deutschen Bahn lahmlegen, ab Dienstagfrüh auch den Personenverkehr.

+++ Stahlindustrie fürchtet Belastungen durch Bahnstreik +++

Die Stahlindustrie hat sich verärgert über den Streik bei der Deutschen Bahn gezeigt. "Ein Sieben-Tage-Streik im Güterverkehr trifft die Stahlindustrie als den größten Kunden von DB Schenker Rail erheblich", sagte der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Hans Jürgen Kerkhoff, am Montag. 200.000 Tonnen, die jeden Tag für die Stahlindustrie von der Bahn transportiert würden, könnten nur teilweise auf andere Verkehrsträger, wie Lastwagen oder Schiffe, umverteilt werden. "Da der Streik so kurzfristig angekündigt wurde, konnten zudem nur begrenzt Vorkehrungen getroffen werden." ThyssenKrupp hofft, trotzdem glimpflich davon zu kommen. Das Unternehmen stehe im engen Kontakt mit der Deutschen Bahn, erklärte der größte deutsche Stahlkonzern. "Da sich nicht alle Lokführer an den Arbeitsniederlegungen beteiligen, hoffen wir, dass die Einschränkungen im Frachtverkehr soweit wie möglich begrenzbar sind." Der Konzern nutze zudem alternative Transportwege und beim Rohstoffverkehr auch die eigene Werksbahn.

+++ Tagelanger Bahnstreik belastet Maschinenbauer kaum +++

Deutschlands Maschinenbauer blicken dem mehrtägigen Streik bei der Bahn gelassen entgegen. "Die deutschen Maschinenbauer sind durch den Lokführerstreik nur in Maßen betroffen, da die Lieferung von Vorprodukten und Komponenten sowie der Transport der fertigen Maschinen an die Kunden in erster Linie durch Lastkraftwagen erfolgt", sagte Thilo Brodtmann, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands VDMA, am Montag in Frankfurt. Einzelne Unternehmen würden den Streik im Güterverkehr in ihrer Lieferkette allerdings durchaus zu spüren bekomme: "Ebenso wird es für viele Mitarbeiter schwierig, rechtzeitig zu ihrer Arbeitsstätte zu kommen." Beziffern ließen sich die entstehenden Mehrkosten derzeit nicht. Der Maschinen- und Anlagenbau ist mit mehr als einer Million Beschäftigten Deutschlands größter industrieller Arbeitgeber. Deutlich härter ging der VDMA-Landesverband Baden-Württemberg mit der Gewerkschaft GDL ins Gericht. "Sechs Tage Streik ist wirklich eine Zumutung", sagte VDMA-Geschäftsführer Dietrich Birk der Deutschen Presse-Agentur. "Diese Woche wird unter schwierigen Bedingungen vor allem in den Ballungsräumen ablaufen. Die Situation ist für die Unternehmen schon belastend."

+++ Mega-Bahnstreik beeinträchtigt Chemiebranche +++

Der siebentägige Lokführer-Streik bei der Deutschen Bahn könnte für Rohstoffengpässe in der Chemieindustrie sorgen. "Störungen im Schienengüterverkehr haben weitreichende Auswirkungen auf die Branche und Kunden", sagte eine Sprecherin des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) am Montag. "Wenn so ein Streik länger dauert, muss man bei Engpässen mit der Versorgung von Rohstoffen rechnen." Der Schienengüterverkehr ist für die Chemiebranche von großer Bedeutung beim Versand von Rohstoffen, Fertig- und Zwischenprodukten. 2013 wurden nach Angaben des VCI 221 Millionen Tonnen Chemikalien in Deutschland insgesamt transportiert, davon 13,8 Prozent mit der Bahn. Die Branche sei deshalb auf reibungslose Abläufe im Schienenverkehr angewiesen, erläuterte die VCI-Sprecherin. Für manche Stoffe ist der Transport über die Schiene gesetzlich vorgeschrieben. Kurzfristig müsse während des Streiks auf andere Transportwege wie den Binnenschiffverkehr oder per Lkw ausgewichen werden. "Für die Chemie sind alle Verkehrsträger wichtig, wenn einer wegfällt, ist das schon ein herber Schlag." Die Bahn ist für die Branche, die nach der Autoindustrie und dem Maschinenbau Deutschlands drittgrößter Industriezweig ist, das zweitwichtigste Transportmittel nach Lkw mit gut 63 Prozent.

+++ Lokführergewerkschaft macht Bahn für Streik verantwortlich +++

Für den längsten Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn ist aus Sicht der Lokführergewerkschaft das Bundesunternehmen selbst verantwortlich. "Die Eskalation verursacht die Deutsche Bahn AG", sagte der Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer, Claus Weselsky, am Montag in Berlin. In dem monatelangen Tarifkonflikt verhandele der Arbeitgeber, ohne ein Ergebnis zu wollen. Weselsky wies Kritik aus der Bundesregierung an dem Ausstand zurück. Der Gewerkschafter sprach von einem Eingriff in die Tarifautonomie und dem Versuch, Streiks als etwas Unanständiges hinzustellen.

+++ Hofreiter: Regierung muss Bahn-Tarifkonflikt moderieren +++

Die Bundesregierung muss nach Ansicht des Grünen-Fraktionschefs Anton Hofreiter moderierend auf den Tarifkonflikt bei der Bahn einwirken. "Ich bin der Meinung, dass die Bundesregierung sich nicht verschärfend einmischen sollte als Eigentümerin der Bahn, sondern moderierend einmischen und versuchen, den Tarifkonflikt mit beizulegen", sagte Hofreiter am Montag dem Sender NDR Info.

+++ NRW-Verkehrsminister Groschek kritisiert erneuten Bahnstreik +++

Mit deutlichen Worten hat NRW-Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) den erneuten Streik der Lokführer-Gewerkschaft GDL kritisiert. "Das Tarifeinheitsgesetz kommt leider genauso verspätet wie manche Regionalbahn", sagte Groschek der "Neuen Ruhr/Neuen Rhein Zeitung" (Montagsausgabe). Das geplante Gesetz soll dafür sorgen, dass künftig nur der Tarifvertrag der größten Gewerkschaft in einem Betrieb gilt. Bei der Bahn ist die GDL deutlich kleiner als die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Es werde Zeit, dass die Weichen in Berlin richtig gestellt werden, mahnte Groschek. "Einigkeit und nicht Kraftmeierei unter Gewerkschaften macht stark und schafft für die DB-Kunden Berechenbarkeit."

+++ Pressestimmen zum Bahnstreik im Mai 2015 +++

"Neue Westfälische": Was die Öffentlichkeit empört, sind nicht nur die Härte und Dauer des Arbeitskampfes, sondern auch das Auftreten des GDL-Chefs Claus Weselsky. Gegenüber dieser Zeitung hat er gerade erst die eigene Zunft beschimpft, "Gewerkschaftsbosse machen es sich im System bequem", sagte er. Sie äußerten sich gern zu politischen Dingen, vergäßen aber die Arbeitnehmerinteressen. Tatsächlich aber hat auch Weselsky vor allem Politisches im Sinn: Er ringt mit der konkurrierenden Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) um Einfluss, er sträubt sich zugleich gegen das im Sommer in Kraft tretende Tarifeinheitsgesetz. Es geht im Kern nicht um die Bezahlung der Lokführer, sondern um Macht. Weselsky und die GDL machen die Bahnkunden zu ihren Geiseln, und sie missbrauchen das Streikrecht

"Neue Osnabrücker Zeitung": Millionen Pendler werden erneut zu spät zu ihrem Arbeitsplatz kommen. Zulieferteile bleiben im wahrsten Sinne des Wortes auf der Strecke, fertige Produkte erreichen die Kunden nicht. So kommen Milliardenverluste zusammen, die niemand genau wird beziffern können. Für den weiteren Ausstand hat kaum jemand Verständnis, zumal das Angebot der Bahn mit nach ihrer Rechnung einer Gehaltserhöhung von 4,7 Prozent und einer Einmalzahlung von insgesamt 1000 Euro auch im Branchenvergleich nicht schlecht ist. Nein, die GDL bringt sich mit ihrer Sturheit immer mehr aufs Abstellgleis. Dort stehen wenig benötigte, manchmal auch ausgemusterte Züge. Die Gewerkschaft muss aufpassen, dass sie dort nicht endgültig landet.

"Bild-Zeitung" (Berlin): Langsam muss man sich um Claus Weselsky sorgen. Der GdL-Chef hat den größten Bahn-Streik in der Geschichte des Landes ausgerufen. 6 Tage, 138 Stunden! Ohne das neue Angebot der Bahn genauer zu prüfen. Das Land und seine Bewohner sind Weselsky ganz offensichtlich egal. Aus der Attitüde seines selbstgerechten Auftretens spricht die Borniertheit desjenigen, der weiß, dass er am längeren Rangierhebel sitzt. Bahnsinn! 80 Millionen Menschen dürfen nicht zu Immobilitäts-Geiseln werden. Wenn es eines Beweises bedurft hätte, dass es ein Tarifeinheitsgesetz braucht, um die zügellosen Auswüchse machtverliebter Einzelgewerkschafter zu regulieren, dann ist es dieser neue Streik.

+++ Dobrindt und Gabriel auf Seiten der Bahn-Kunden +++

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) kritisierte den Bahnstreik. "Ich habe Verständnis dafür, dass viele Bürger über das Ausmaß des Streiks verärgert sind", sagte Dobrindt der "Bild"-Zeitung (Montag). Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel erklärte in dem Blatt: "Der Tarifstreit bei der Bahn ist für Außenstehende kaum noch nachzuvollziehen". Er betonte: "Alle Beteiligten müssen sich fragen, ob der Schaden, den dieser Ausstand anrichten könnte, noch in einem vernünftigen Verhältnis zur eigentlichen Auseinandersetzung steht. Statt Deutschland lahmzulegen, brauchen wir ernsthafte Verhandlungen."

+++ Beamtenbund-Chef Dauderstädt rät zur Schlichtung +++

Angesichts des bevorstehenden neuen Streiks der Lokführer-Gewerkschaft GDL macht sich der Vorsitzende des Dachverbands dbb-Beamtenbund, dem die GDL angehört, für eine Schlichtung stark. "Wenn dieser Streik nicht zu einem Verhandlungsergebnis führt, wird es sinnvoll sein, auf einen unabhängigen Dritten zurückzugreifen", sagte ddb-Chef Klaus Dauderstädt der "Süddeutschen Zeitung" (Montag). Auch Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber hatte am Sonntag erneut eine Schlichtung ins Spiel gebracht. Dies lehnt die GDL ab.

+++ Deutsche Bahn findet GDL-Streik "absolut unangemessen und maßlos" +++

Am Mittwoch hatte die GDL ein Tarifangebot der Bahn zurückgewiesen und angekündigt, "richtig lange" zu streiken. In der Ankündigung vom Sonntag erklärte die Gewerkschaft, das Spitzengespräch am vergangenen Mittwoch sei, "wie viele Verhandlungen zuvor, ergebnislos verlaufen". Die DB-Verhandlungsführer lehnten es nach wie vor ab, mit der GDL "Tarifverträge zu schaffen, die für all ihre Mitglieder des Zugpersonals in den Eisenbahnverkehrsunternehmen der DB gelten".

Die Deutsche Bahn nannte den angekündigten Streik "absolut unangemessen und maßlos". "Damit schadet die GDL nicht nur massiv den Bahnkunden, der DB und ihren Mitarbeitern, sondern auch der deutschen Wirtschaft und der Sozialpartnerschaft." Über das von der Bahn am Mittwoch vorgelegte Angebot sei nicht verhandelt worden. Die GDL sei auch nicht auf das Schlichtungsangebot der Bahn eingegangen, das diese am Samstag unterbreitet habe.

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