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Günther Jauch am Sonntag: Eine Runde ohne wirklichen Zündstoff

Jauch-Talk "Unverdient reich"  

Wer will schon mit 30 ein Schloss erben?

18.05.2015, 17:43 Uhr | Martina Borusewitsch, t-online.de

Günther Jauch am Sonntag: Eine Runde ohne wirklichen Zündstoff. Thema Erbschaften und Gerechtigkeit: Sonntagstalk ohne Zündstoff mit Günther Jauch. (Quelle: imago/Stefan Zeitz)

Thema Erbschaften und Gerechtigkeit: Sonntagstalk ohne Zündstoff mit Günther Jauch. (Quelle: imago/Stefan Zeitz)

Nach der Sendung wirkte Günther Jauch total entspannt. Er hatte einen lockeren Abend. Was hat sich die Redaktion nur dabei gedacht, als sie die Gäste zum Thema "Unverdient reich - ist Erben gerecht?" einlud?

Es war eine Runde ohne wirklichen Zündstoff . Denn der schmierige, super-reiche Erbe, der die Kohle nur so verprasst - der fehlte natürlich. Und so debattierten ein sozial engagierter Unternehmer (Drogeriekettenchef Dirk Roßmann), eine sich fürs Erbe und ihre Gemeinde aufopfernde Adelige (Stephanie von Pfuel), ein Armuts- und ein Reichenforscher  (Christoph Butterwegge und Thomas Druyen) die These von Journalistin Julia Friedrichs (ebenfalls anwesend), die da lautete: Erben macht das Land ungerechter!

"...und Gänse wollen kein Weihnachten"

Ob man’s nach oben schafft, ist laut Friedrichs keine Frage des Talents oder des Ehrgeizes, sondern eine Frage der Abstammung. Die sei zunehmend das Kriterium für Aufstieg, das passe nicht zu einer Demokratie. Momentan rolle eine gigantische Erbschaftswelle auf uns zu: In den nächsten Jahren würden drei Billionen Euro weitergegeben. Zehn Prozent der Bevölkerung bekämen 50 Prozent dieser Summe - 50 Prozent der Menschen gingen dagegen leer aus oder erbten Schulden.

Was das mit unserer Gesellschaft macht, wurde aber leider nicht diskutiert. Alles drehte sich nur um das Thema Erbschaftssteuer.  Während der durchschnittliche Arbeitnehmer 17 Prozent Lohnsteuer abgezogen bekomme, zahlten Erben im Schnitt nur etwa zwei Prozent, so Friedrich. Und - welch ein Wunder! Um es mit Twitter-Nutzerin Fräulein Bruenett auf den Punkt zu bringen: "Drogeriekettenbesitzer und Schlosserbin wollen keine Erbschaftssteuer. Demnächst bei Jauch: Gänse wollen kein Weihnachten."

Statt echter Reibungspunkte gab es eine engagierte Pseudo-Zahlenschlacht zwischen Roßmann und Butterwegge. Der Unternehmer argumentierte, eine Steuer dürfe die Betriebe nicht kaputtmachen - diese leisteten in Form von Arbeitsplätzen einen Beitrag für die Gesellschaft. Dem zustimmend beharrte der Wissenschaftler dennoch auf einen Aderlass der Unternehmer-Erben in Form einer hohen Steuer.

Amazon, Google & Co. sind die Bösen

Einig waren sich die beiden schließlich darin, dass Multis wie Amazon oder Google, die es mit etlichen Tricks schaffen, so gut wie überhaupt keine Steuern zu zahlen, die Bösen sind und den armen deutschen Mittelstand ausbluten.

Wer leider kaum zu Wort kam, war die aparte Schlosserbin von Pfuel, seit einem Jahr auch Bürgermeisterin, die sich mit 16 Jahren entschied, das Familienerbe eines Tages anzutreten und zu bewahren. "Ich habe mich 20 Jahre auf den Job vorbereitet, statt Neurochirurgie Forstwirtschaft studiert und alle Ferien zuhause verbracht, Silo geschippt", erzählte die Bayerin. Nein, auch sie war keine Zielscheibe für Neid: Wer will schon mit 30 einen alten Kasten erben, der Millionen verschlingt und wahrscheinlich ein ziemlicher Klotz am Bein ist?

"Erben verpflichtet", schreibt später eine Userin ins Forum. Damit sei alles gesagt, findet sie. So sehen es wohl Roßmann, der seine Drogeriekette den beiden Söhnen übergeben möchte, und auch Stephanie von Pfuel. Aber was ist mit den dekadenten oberen Zehntausend, die sich nicht um die Gesellschaft scheren und nur ihren eigenen Luxus im Kopf haben?

"Werden nie vollkommene Gerechtigkeit erreichen"

Dafür hatte Reichenforscher Thomas Druyen, der sich überwiegend vornehm zurückhielt, aber offenbar am Ende etwas Schlaues beitragen wollte, tatsächlich ein gut getimtes Schlusswort: Ein konfrontativer Umgang mit dem Thema bringe uns nicht weiter. Man müsse schauen, was die Erben mit dem Erbe machen: Nutzen sie es nur für den eigenen Luxus? Dann sollten sie einen hohen Steuersatz dafür zahlen. Führen sie damit ein Unternehmen weiter, das viele Arbeitsplätze schafft? Dann sollte es ein niedriger Satz sein. "Wir werden nie vollkommene Gerechtigkeit erreichen - aber vielleicht ein System, das jeder versteht", endete Druyen pragmatisch.

Schade eigentlich, dass Jauch selbst nichts zu dem Thema gesagt hat. Schließlich gehört er zu den Millionären in Deutschland. Vielleicht war er nach der Sendung auch einfach nur erleichtert, dass er wegen seiner Gage nicht erneut attackiert wurde, wie in seiner eigenen Sendung im März 2012, als es darum ging, ob der Ehrensold und die Rentenansprüche für Ex-Bundespräsident Christian Wulff gerecht seien.

Damals platzte dem ehemaligen Bremer Bürgermeister Henning Scherf der Kragen. Er zeigte auf Jauch und sagte: "Sie müssen auch mal selbstkritisch fragen, lieber Günther Jauch, was Sie so im Jahr verdienen. Sie verdienen das Vielfache von dem, was die Bundeskanzlerin verdient, und halten das für gerecht!"

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