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Goldman Sachs greift im Hochfrequenzhandel an: Neue Investitionen

Investition in Turbo-Wertpapierhandel  

Goldman Sachs will im Hochfrequenzhandel angreifen

14.06.2015, 11:10 Uhr | dpa

Beim Hochfrequenzhandel geht es darum, sich durch Geschwindigkeit Vorteile an den Finanzmärkten zu verschaffen. Hedgefonds und Investmentbanken kämpfen in einer High-Tech-Schlacht um Bruchteile von Sekunden. Nun will angeblich auch Goldman Sachs groß mitmischen.

Goldman Sachs vollzieht offenbar eine Wende beim umstrittenen Thema Hochfrequenzhandel. Die US-Investmentbank plane, kräftig in Personal und Technologie zu investieren, um in diesem Geschäftsfeld anzugreifen, berichtete der Finanzdienst Bloomberg am Freitag unter Berufung auf eingeweihte Kreise. Dabei hatte die Wall-Street-Firma im letzten Jahr noch eine schärfere Regulierung gefordert. Die Risiken an den Finanzmärkten würden durch den dramatischen Anstieg automatisierter High-Speed-Geschäfte verstärkt, warnte Goldman-Präsident Gary Cohn im März 2014 in einem Meinungsbeitrag im "Wall Street Journal".

Goldman Sachs rüstet Software auf

Nun sei die Bank dabei, Software aufzurüsten und einen auf High-Tech-Handelssysteme spezialisierten Top-Manager vom Rivalen Morgan Stanley abzuwerben. In den nächsten Monaten solle das Team weiter aufgebaut werden. Eine Sprecherin wollte sich nicht äußern.

Ganz überraschend käme die Offensive allerdings nicht: Im Januar hatte Goldman Sachs bereits einen Experten vom Hochfrequenzhändler Allston Trading als Verstärkung gewinnen können. Im April beteiligte sich die Bank zudem mit 20,5 Millionen Dollar an Perseus, einer Firma, die Turbo-Händler mit der Netzwerktechnik ausstattet.

Hochfrequenzhandel birgt Gefahren

Automatisierte Handelssysteme, die bei ihren Wertpapierorders Algorithmen folgen, gehören an der Börse inzwischen zum Alltag. Experten warnen allerdings vor dem großen Einfluss der Handels-Roboter. Kommt es zu Panik an den Märkten, kann der Hochfrequenzhandel außer Kontrolle geraten und Kursentwicklungen heftig beschleunigen. Zudem gibt es auch den simplen Vorwurf, die Profi-Investoren seien durch ihre versierte Technik immer einen Schritt voraus, so dass Kleinanleger stets das Nachsehen hätten.

Deshalb gab und gibt es bereits mehrere Ermittlungen der US-Finanzaufsicht sowie der New Yorker Staatsanwaltschaft und des Justizministeriums. Für besonderes Aufsehen sorgte der «Flash Crash» im Mai 2010. Damals stürzte der Leitindex Dow Jones innerhalb kurzer Zeit um über sechs Prozent ab - enorme Summen an Aktienwert wurden vernichtet, allerdings erholten sich die Kurse auch rasch wieder. Untersuchungen zeigten, dass Hochfrequenzhändler maßgeblich zum Ausnahmezustand beigetragen hatten. Danach wurde in den USA ein Sicherheitsmechanismus eingeführt, der den Handel bei zu starken Schwankungen stoppt.

Die US-Justiz beschuldigt jedoch auch einen einzelnen Händler, den damaligen Crash ausgelöst zu haben. Der Brite Navinder Singh Sarao soll die Börse durch eigens manipulierte Software mit massenhaften Scheinaufträgen bombardiert und so das Chaos am Markt verursacht haben. Der 36-Jährige wurde im April in einem Londoner Vorort verhaftet und sitzt nun in einem britischen Gefängnis. Die USA werfen ihm Betrug und Manipulation vor und drängen auf seine Auslieferung. Sarao soll über Jahre Millionen mit seinen Tricks ergaunert haben.

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