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Warum die US-Zinswende auf sich warten lässt

Warum die US-Zinswende auf sich warten lässt

14.06.2015, 13:59 Uhr | rtr

Wann steigen die Zinsen in den USA? Kaum eine Frage beschäftigt die Wall Street und Finanzexperten rund um den Globus derzeit stärker. Denn wenn die geldpolitische Supermacht Federal Reserve den Preis für Geld erstmals seit fast einem Jahrzehnt erhöht, werden die Karten an den Devisen- und Aktienmärkten neu gemischt.

Die USA werden für Kapital tendenziell attraktiver, Schwellenländer wie China müssen sich auf Turbulenzen einstellen. Trotz steigenden Nervosität an den Finanzmärkten wird Notenbankchefin Janet Yellen sie am Mittwoch wohl noch weiter auf die Folter spannen - zu diffus ist das Bild, das die US-Wirtschaft derzeit abgibt.

Der Nebel wird sich aber wohl bis zum Spätsommer lichten. Dann dürfte der Weg für eine Erhöhung frei sein - das Ende einer Ära, die die Notenbank zum Höhepunkt der Finanzkrise Ende 2008 mit historisch niedrigen Zinsen nahe null Prozent eingeläutet hat. Derzeit kann sich die Fed jedoch noch nicht ausreichend sicher sein, dass die USA dieses geldpolitische Wendemanöver unbeschadet überstehen. Zu Jahresbeginn schrumpfte die Wirtschaftsleistung - auch wegen des ungewöhnlich kalten Winters. Nach Ansicht von Fed-Beobachter Bernd Weidensteiner ist nun Besserung in Sicht. Er erwartet, dass das Wachstum im zweiten Quartal anziehen wird. "Wenn sich die Konjunktur in halbwegs geordneten Bahnen weiter bewegt, dürfte sich die Notenbank im September sicher genug für eine Zinserhöhung fühlen", sagt der Commerzbank-Ökonom.

Doch Hypotheken in den USA sind so teuer wie seit anderthalb Jahren nicht mehr. Und auch die Kosten für Auto-Kredite ziehen an. Dies sind nicht gerade beste Voraussetzungen dafür, dass der Konsum und das Wachstum in der zweiten Jahreshälfte anspringen. Wenn die Fed im September dennoch dieZinswende wagt, wäre es ein kleiner und zugleich historischer Schritt: Die letzte Erhöhung datiert vom Juni 2006. Auf ein Signal für eine baldige Anhebung dürften Beobachter am Mittwoch aber vergeblich warten: "Die Nervosität vor der Juni-Sitzung steigt zwar, aber es passiert dennoch nichts", prophezeien die BayernLB-Volkswirte. Womöglich wird sich Yellen zu der Aussage durchringen, dass die Konjunkturerholung für höhere Zinsen in diesem Jahr spricht.

Schleudertest für Schwellenländer

Diese Botschaft dürfte beim Internationalen Währungsfonds (IWF) und bei der Weltbank nicht gut ankommen. Beide mahnen, die Zinsentscheidung aufs nächste Jahr zu verschieben: "Sie befürchten Turbulenzen in Schwellenländern, dass dort Kapital abfließt und Wachstum beeinträchtigt wird", meint Weidensteiner. Weltbank-Chefvolkswirt Kaushik Basu empfiehlt diesen wirtschaftlich aufstrebenden Ländern, vorsorglich Sicherheitsgurte anzulegen.

Denn steigende Zinsen in der weltgrößten Volkswirtschaft lassen den Dollar aufwerten und führen womöglich zu Wechselkursturbulenzen in den Schwellenländern. Investoren, die mit ihrem Geld den Boom in Staaten wie der Türkei und China befeuert haben, legen es dann auf der Jagd nach Rendite wohl lieber in den USA an. Das könnte China hart treffen. Voriges Jahr war das Wachstum so niedrig wie seit rund einem Vierteljahrhundert nicht mehr: "In China ist nicht mehr so viel Feuer unter dem Kessel. Dort wünscht sich niemand, dass die Fed noch einen Eimer Wasser darüber gießt", meint Weidensteiner.

Gift für Aktienmärkte

Auch die Wall Street fürchtet steigende Zinsen, die als Gift für Aktienkurse gelten. Denn dann kommen Unternehmen nicht mehr so günstig an Kapital, was sich negativ auf Investitionen und Gewinne auswirken könnte. Bis eine Zinserhöhung letztlich in der Wirtschaft ankommt, kann jedoch gut ein Jahr ins Land gehen. Dies bedeutet genügend Zeit zur Entwöhnung von der ultralockeren Geldpolitik, die die Aktienmärkte mächtig angetrieben hat. Diese Entwicklung ist wohl auch Yellen nicht mehr geheuer: Im Mai warnte sie, dass die Bewertungen an den Börsen generell ziemlich hoch seien. Die Fed hat zwar ein wachsames Auge auf die Finanzstabilität, will die Zinsen - ihr schärfstes Schwert - jedoch nicht als Waffe im Kampf gegen Exzesse an den Märkten einsetzen.

Denn die US-Notenbank soll primär Vollbeschäftigung fördern und für stabile Preise sorgen. "Da darf sie bei ihrer Zinsentscheidung nicht auf die Entwicklung an den Aktienmärkten schielen", meint Fed-Experte Christian Reicherter von der DZ Bank. Während der Boom am Arbeitsmarkt eine Zinserhöhung rechtfertigen würde, sei diese mit Blick auf die Inflation nicht geboten. Die Lohnzuwächse seien noch nicht hoch genug, um schon den Schritt in die geldpolitische Normalität zu wagen.

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