Sie sind hier: Home > Finanzen > Steuern >

Steuererklärungen sollen künftig vollautomatisch abgegeben werden

Bedenken bei Lohnsteuerhilfevereinen  

Steuererklärungen sollen künftig vollautomatisch ablaufen

08.12.2015, 14:00 Uhr | rtr, t-online.de

Steuererklärungen sollen künftig vollautomatisch abgegeben werden. Das Verfahren der jährlichen Steuererklärung soll modernisiert werden. (Quelle: dpa)

Das Verfahren der jährlichen Steuererklärung soll modernisiert werden. (Quelle: dpa)

Die Steuererklärung ist für viele Bürger alljährlich ein Graus. Die Bundesregierung will das Verfahren nun vollautomatisieren. Die Steuerzahler, aber auch die Finanzämter sollen damit massiv entlastet werden. Lohnsteuerhilfevereine sehen das im Gespräch mit t-online.de skeptischer.

Nach eineinhalbjähriger Debatte zwischen Bund und Ländern will das Bundeskabinett seinen Gesetzentwurf zur Modernisierung des Besteuerungsverfahrens auf den Weg bringen.

Ziel ist es, dass die Masse der unkomplizierten Steuererklärungen ab 2022 überwiegend maschinell erledigt wird. Ab dann sollen außerdem Belege wie Spendenquittungen nur noch auf Anforderung ans Finanzamt geschickt werden müssen.

"Der Begriff vollautomatisierte Steuererklärung ist irreführend", gibt Hans Daumoser, Vorsitzender der Lohnsteuerhilfe Bayern, im Gespräch mit t-online.de zu bedenken. Die neue Regelung betreffe nur Teile der Steuererklärung. Er verweist darauf, dass der Bürger nach wie vor die Angaben beispielsweise von Arbeitgeber oder Krankenkasse kontrollieren muss. "Denn ein kleiner Prozentsatz ist falsch", so Daumoser.

Finanzverwaltung kann sparen

"Wir stehen den Veränderungen positiv gegenüber, sehen es aber kritisch, dass immer mehr Verantwortung in die Hände der Steuerpflichtigen fällt", sagt Rudolf Gramlich vom Lohn- und Einkommensteuer Hilfe-Ring. 

Die Vorteile für den Steuerzahler seien zwar durchaus da. "Der Impuls für die Modernisierung liegt aber bei Ersparnissen bei der Finanzverwaltung", so Daumoser. Uwe Rauhöft, Geschäftsführer beim Neuen Verband der Lohnsteuerhilfevereine, fasst wie folgt zusammen: "Die Reform ist der richtige Weg, aber da liegt noch jede Menge Arbeit und Nachjustierung vor uns."

Zwei Fliegen mit einer Klappe

Die Bundesregierung will mit der Reform zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Zum einen sollen die Bürger jederzeit und papierlos mit dem Finanzamt kommunizieren können. Zum anderen sollen die Finanzbeamten von den Masseverfahren entlastet werden, um sich auf kompliziertere Fälle konzentrieren zu können. "Wir wollen die Bearbeitungszeiten verringert", hieß es in der Regierung.

Bereits 2014 hatte die Große Koalition mit dem Einstieg in die vorausgefüllte Steuererklärung einen ersten Schritt hin zu einem vollautomatisierten Verfahren gemacht.

Per Knopfdruck ans Finanzamt

Die Rechtsgrundlage für die Volldigitalisierung soll zum 1. Januar 2017 stehen und dann bis 2022 flächendeckend umgesetzt werden. Am Ende soll nach den Vorstellungen der Regierung ein Steuerpflichtiger seine Daten im elektronischen Steuersystem "Elster" beim Finanzamt abrufen, prüfen und in seine digitale Steuererklärung übernehmen können.

Daten Dritter wie des Arbeitgebers, der Krankenkasse oder über Kapitaleinkünfte sollen ebenfalls elektronisch eingefügt werden. Ist die Steuererklärung fertig, wird sie per Knopfdruck an das Finanzamt übermittelt und dort maschinell geprüft. Der Steuerbescheid kommt dann idealerweise ebenfalls digital an den Steuerpflichtigen zurück.

"Risikofilter" kontrolliert bestimmten Prozentsatz

"Das Ziel muss am Ende sein, dass wir die Mehrzahl der Fälle automatisiert bearbeiten können", hieß es im Finanzministerium. Wenn ein Steuerpflichtiger den Wunsch habe, dass eine Fachkraft seine Steuererklärung prüfe, solle das aber jederzeit möglich sein. Außerdem soll ein "Risikofilter" dafür sorgen, dass ein bestimmter Prozentsatz der Steuererklärungen von einem Menschen kontrolliert wird. In dem Fall könnten auch Belege angefordert werden, die man ebenfalls elektronisch übermitteln können soll.

Bei welchen Fällen der Risikofilter anschlagen soll, wird noch überlegt - veröffentlicht werden soll er nicht. Damit soll sichergestellt werden, dass jeder Bürger jederzeit damit rechnen muss, dass er in eine Kontrolle gerät, was Missbrauch vorbeugen soll. Im Finanzministerium hieß es dazu: "Es ist klug, den Steuerpflichtigen zu sagen, dass es einen Risikofilter gibt - und dass sie seine Funktionsweise nicht einschätzen können."

Mit dem vollautomatischen System werden auch die Fristen für die Abgabe der Steuerklärung geändert. Wer sich vom Steuerberater beraten lässt, soll zwei Monate mehr Zeit bekommen. Statt dem 31. Dezember des Folgejahres gilt dann also Ende Februar als Stichtag. Wird die längere Frist überschritten, soll künftig allerdings eine Strafgebühr fällig werden.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Bereit für den Sommer? Finde luftig, leichte Kleider
jetzt auf otto.de
Gerry Weberbonprix.deOTTOUlla PopkenHappy SizeLIDLBabistadouglas.deBAUR
Mehr zum Thema
Sie sind hier: Home > Finanzen > Steuern

shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • giga.de
  • desired.de
  • kino.de
  • Statista
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Magenta TV
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • Magenta SmartHome
  • Magenta Sport
  • Freemail
  • Telekom Mail
  • Sicherheitspaket
  • Vertragsverlängerung Festnetz
  • Vertragsverlängerung Mobilfunk
  • Hilfe