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"Anne Will"-Talk zu Panama Papers: Gysi bemängelt Trickserei

Anne Will zu "Panama Papers"  

"Arbeitern werden Steuern abgebucht, andere tricksen sich durch"

04.04.2016, 10:07 Uhr | David Heisig, t-online.de

"Anne Will"-Talk zu Panama Papers: Gysi bemängelt Trickserei. Gregor Gysi bei "Anne Will": Für den Politiker sind die Enthüllungen um die "Panama Papers" ein weiterer Beleg mangelnder Steuergerechtigkeit. Gregor Gysi 2016 04 03 Berlin Deutschland Gregor Gysi Bundstagsabgeordneter Die Linke bis 20 (Quelle: imago images)

Gregor Gysi bei "Anne Will": Für den Politiker sind die Enthüllungen um die "Panama Papers" ein weiterer Beleg mangelnder Steuergerechtigkeit. (Quelle: imago images)

Milliarden von Euro gehen dem deutschen Staat jährlich verloren, weil Einkünfte in Steueroasen verschleiert werden. Diese Schätzung teilt Anne Will in ihrer Sonntags-Talkshow und fragt die Runde: Was dagegen tun? Durch die aktuellen Enthüllungen um die sogenannten "Panama Papers" bekommt die ganze Sendung einen brisanten Dreh.

Seit Janoschs Kinderbuchklassiker vom kleinen Tiger und dem kleinen Bär weiß man: In Panama muss es schön sein. Immerhin küren die beiden den Staat zum "Land ihrer Träume". Nun zeigen Enthüllungen eines internationalen Recherchenetzwerks, dass es auch dem Geld vieler einflussreicher Menschen in Mittelamerika gefällt. Georg Mascolo von der Recherchekooperation aus NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" war an den Enthüllungen beteiligt, ist als Spontangast zu Will geladen.

Ein Datenleck hat offenbart, dass die Anwaltskanzlei Mossack Fonseca 215.000 Briefkastenfirmen in einem internationalen Netzwerk verwaltet. "Das, was da in den nächsten Tagen zu lesen und zu hören sein wird (…), halte ich für sehr bemerkenswert", betont Mascolo. Es fallen Begriffe wie Steuervermeidung, -hinterziehung und Geldwäsche. Der Journalist übernimmt schnell das thematische Ruder. Ein Großteil der Redezeit gehört ihm. Will lässt ihn gewähren. 

Gysi setzt ein paar Kontrapunkte

Dankbar für die Recherchen zeigt sich Gregor Gysi (Linke). Offenbarten sie doch wieder mal eines: Den Arbeitnehmern würden die Steuern "einfach abgebucht" und die anderen "tricksen sich weltweit durch". Schnell ist man sich einig, dass man in Panama auf ein großes Netzwerk gestoßen ist, das System aber nicht neu sei. Was Gysi schafft? Er ergänzt die durchaus spannenden Ausführungen Mascolos durch Hinweise auf Steuergerechtigkeit oder ein neues Pflichtbewusstsein der Menschen. Seine einfache Gleichung: Wer keine Steuern einnimmt, kann zum Beispiel Bildung nicht bezahlen. 

Die unnahbare Juristin Kämpfer

Beim einzigen weiblichen Talkgast, der Steueranwältin Simone Kämpfer, schlägt das Juristenherz höher. Sie tut das, was jeder Jurist sich aneignet: auf die eigenen Worte achten. Auf Wills Frage, ob es problematisch sei, eine Briefkastenfirma zu eröffnen, antwortet sie kühl: "Nein. Ich darf das." Wichtig sei eine klare Abgrenzung: Was legal sei, dürfe auch gemacht werden. Alles andere werde rechtlich verfolgt. Moral spiele da keine Rolle.

Will versucht sie aus der Reserve zu locken: Was sie denn ihren Klienten empfehle, wenn diese steuerlichen Rat einholten: "Ich berate im Rahmen des Rechts. Punkt." Auch der Fall, in dem ein chinesischer Investor Pensionszahlungen an Mitarbeiter der deutschen Olympiawerke umgangen hat, weil er die aufgekauften Firmenteile in einer Briefkastenfirma auf den Britischen Jungferninseln geparkt hat, entlockt Kämpfer keine Abweichung vom Habitus. Das sei bedauerlich. Ihre private Meinung spiele hier aber keine Rolle. 

Meister und Elmer bleiben Randfiguren

Dann zum nächsten Gast, einem mit Informationspotential. Der ehemalige Banker und spätere Whistleblower Rudolf Elmer war jahrelang für Banken, auch auf den Cayman Islands aktiv. Er spricht von Verdunkelungsoasen, wo die Bankengesetze sehr locker sind, Transaktionen leicht verschleiert werden könnten. "Mich überrascht das gar nicht", ist seine Antwort auf die Enthüllungen des Netzwerks. Es sei gut, dass das System als solches enttarnt werde. Michael Meister (CDU), Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, spricht dagegen viel von Transparenz, für die die Bundesregierung viel tue. Man habe die Gesetzgebung vorangebracht, arbeite an internationalen Abkommen mit den G20 und der OECD. Zudem gebe es Register und Informationsaustausch.

Elmer kontert, mit den bekannten Steuer-CDs fange man nur die kleinen Fische. Was also bleibt Meister? Wiederholen. Das wird spätestens beim dritten Wortbeitrag mühsam. Ein bisschen Spannung ergibt seine Reibung mit Gysi. Dieser fordert, die Steuerpflicht an die Staatsangehörigkeit zu koppeln, wie es in den USA der Fall sei. Meister entgegnet, dass man am Steuerprinzip der Ansässigkeit nicht rütteln dürfe. 

Will wirkt ein wenig ratlos

Die Moderatorin führt unaufgeregt durch die Sendung. Dennoch: Will kann das Thema nicht zum Zuschauer transportieren. Somit erscheint sie auch nicht unglücklich, nach 60 Minuten an die "Tagesthemen" abgeben zu können.

Die eigentliche Frage, wie Steueroasen trockengelegt werden können, bekommt der Zuschauer nicht beantwortet. Vielmehr wird er darauf vertröstet, dass rund um die "Panama Papers" in den nächsten Tagen noch einiges enthüllt wird. Amüsant zumindest ist der Einspieler eines Interviewausschnitts mit dem isländischen Premier Sigmundur David Gunnlaugsson, in dem er zum Thema Briefkastenfirma in der Karibik sehr ins Stottern gerät.

Für den kindlichen Geschichtenentdecker bleibt zu hoffen, dass nicht auch Janoschs Bär und Tiger auf ihrer Reise einen Geldkoffer dabei hatten. 

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