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"Panama Papers": Rosberg und Infantino unter Top-Namen

Politiker, Diktatoren, Sportgrößen  

"Panama Papers" belasten diese "Top Player"

06.04.2016, 16:15 Uhr | t-online.de mit Material von Reuters und sid

"Panama Papers": Rosberg und Infantino unter Top-Namen. Putin, Assad, Messi: Die "Panama Papers" zeigen Verbindungen von ominösen Briefkastenfirmen zu zahlreichen Prominenten oder deren Vertrauten auf. (Quelle: imago/dpa; Montage)

Putin, Assad, Messi: Die "Panama Papers" zeigen Verbindungen von ominösen Briefkastenfirmen zu zahlreichen Prominenten oder deren Vertrauten auf. (Quelle: imago/dpa; Montage)

Reiche in Erklärungsnot: Die "Panama Papers" zeigen, wie weltweit Spitzenpolitiker, Diktatoren und Sportgrößen ihr Vermögen mit Hilfe von Briefkastenfirmen verhüllen. Diese "Top Player" sind vom größten Datenleck der Geschichte betroffen.

Putin-Freund Sergej Roldugin

Der Cellist: Putins guter Freund Sergej Roldugin. (Quelle: imago/Tar Tass)Der Cellist: Putins guter Freund Sergej Roldugin. (Quelle: imago/Tar Tass)

Der Name des russischen Präsidenten selbst kommt in den "Panama Papers" nicht vor. Doch die Recherche des International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) zeigt: Enge Vertraute Wladimir Putins haben in den vergangenen Jahren mehr als zwei Milliarden Dollar durch Briefkastenfirmen geschleust - ohne das klar ist, woher sie dieses Geld hatten. Auf diese Weise schafften sie hohe Millionenbeträge außer Landes.

Unter ihnen befindet sich Sergej Roldugin, seit Jugendzeiten einer der engsten Freunde des Kreml-Chefs und Taufpate von Putins erster Tochter. Der angesehene Cellist und Dirigent war Besitzer von zwei Offshore-Firmen, die von der Bank Rossija gesteuert wurden. Die Bank steht laut US-Regierung unter der Führung von Putins persönlichem Bankier. Roldugin soll über die zwei Firmen Einfluss auf einen Rüstungsbetrieb und auf mehrere Medien erhalten haben.

Zudem ließen die Milliardärsbrüder Arkadi und Boris Rotenberg - ebenfalls Freunde von Putin - Geschäfte wie Pipeline-Deals oder den Kauf von Luxusgütern über Offshore-Firmen laufen. 

Rami und Hafez Makhlouf, Cousins von Baschar al-Assad

Rami Makhlouf ist ein syrischer Geschäftsmann - und der Cousin von Diktator Baschar al-Assad. (Quelle: dpa)Rami Makhlouf ist ein syrischer Geschäftsmann - und der Cousin von Diktator Baschar al-Assad. (Quelle: dpa)

Die Brüder Rami und Hafez Makhlouf haben durch die Verbindung zu ihrem Cousin, dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad, ein Vermögen zusammengetragen. 1998 nutzte Rami die Firma Polter Investments, um mit jordanischen Anlegern in die syrische Telekommunikation zu investieren. 2002 war er Mitgründer von SyriaTel, einem syrischen Mobilfunkunternehmen. Er persönlich besaß zehn Prozent der Aktien und hielt weitere 63 Prozent durch eine Offshore-Firma namens Drex Technologies.

Ab Februar 2011 begannen Mitarbeiter der Anwaltskanzlei Mossack Fonseca über die Korruptionsvorwürfe und die Sanktionen des US-Finanzministeriums gegen die Makhlouf-Familie zu diskutieren. Im Juni des gleichen Jahres wurde Mossack Fonseca im Zusammenhang mit der Firma die Firma Drex Technologies wegen der Untersuchungen mit Verdacht auf Geldwäsche informiert. Das führte dazu, dass Mossack Fonseca die Beziehungen zu Makhloufs Familienfirmen kappte. Im Fall Makhlouf/Assad dienten Briefkastenfirmen offenbar dazu, Sanktionen der UN zu umgehen.

Petro Poroschenko

"Schokoladenkönig" Petro Poroschenko ist seit 2014 Präsident der Ukraine. (Quelle: dpa)"Schokoladenkönig" Petro Poroschenko ist seit 2014 Präsident der Ukraine. (Quelle: dpa)

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko ist laut Forbes der sechstreichste Ukrainer. Sein Vermögen wird umgerechnet auf gut 750 Millionen Euro geschätzt. Zu dem Geld kam er vor allem als "Schokoladenkönig": Sein Süßwarenkonzern Roshen ist Marktführer in Osteuropa. Die "Panama Papers" decken auf, dass Poroschenko auf dem Höhepunkt des Krieges in der Ostukraine eine Briefkastenfirma gründen ließ: die Prime Asset Partners Limited. Das war rund zwei Monate nach seiner Wahl zum Präsidenten.

Die Briefkastenfirma war der "Panama Papers" zufolge gedacht als "Holding für zypriotische und ukrainische Firmen der Roshen-Gruppe". Auf Anfrage der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) erklärte Poroschenkos Pressestelle, Prime Assets Partners Limited sei "Teil des Prozesses", das Präsidentenvermögen in einen Trust zu überführen. Poroschenko habe längst "alle Informationen bezüglich seines Vermögens, seiner Ausgaben und seines Einkommens" offen gelegt.

Sigmundur David Gunnlaugsson

Sigmundur David Gunnlaugsson leitete 2008 eine Kampagne gegen die Bankenrettung in der Finanzkrise. (Quelle: dpa)Sigmundur David Gunnlaugsson leitete 2008 eine Kampagne gegen die Bankenrettung in der Finanzkrise. (Quelle: dpa)

Islands heutiger Premier Sigmundur David Gunnlaugsson leitete 2008 als Journalist eine Kampagne gegen die Bankenrettung nach der Finanzkrise. Kurz darauf wurde er Parteivorsitzender der Fortschrittspartei. 2013 führte er seine Partei zum Wahlsieg. Er selbst wurde mit 38 Jahren der jüngste Regierungschefs seines Landes. 

Gunnlaugsson und seine Frau Anna Sigurlaug Pálsdóttir, Tochter eines wohlhabenden Toyota-Händlers, besaßen eine Offshore-Firma auf den Britischen Jungferninseln namens Wintris. Sie hielt Anleihen in Höhe von rund vier Millionen Dollar von drei großen isländischen Banken. Nach deren Kollaps 2008 führte Gunnlaugsson eine politische Kampagne gegen die Rettung der ausländischen Kreditgeber. Es ist unklar, ob diese Kampagne den Wert von Wintris positiv oder negativ beeinflusste. Ende 2009 - Gunnlaugsson saß inzwischen im isländischen Parlament - verkaufte er seine Hälfte von Wintris an seine Frau für einen Dollar.

Im April 2013 bemerkte die Anwaltskanzlei Mossack Fonseca, dass Pálsdóttir eine politisch exponierte Person ist. Interne Aufzeichnungen deuten darauf hin, dass die Firma nichts unternahm.

Mauricio Macri

Mauricio Macri wurde erst im vergangenen Jahr zum argentinischen Präsidenten gewählt. (Quelle: dpa)Mauricio Macri wurde erst im vergangenen Jahr zum argentinischen Präsidenten gewählt. (Quelle: dpa)

Mauricio Macri gründete 2005 in Argentinien die konservative Partei Propuesta Republicana. Ab 2007 war er Bürgermeister von Buenos Aires. 2015 wurde er zum Präsidenten gewählt. Er trat sein Amt an mit den Versprechen, die Wirtschaft zu liberalisieren und die Korruption zu bekämpfen.

Macri, sein Vater Francisco und Bruder Mariano waren die Direktoren von Fleg Trading Ltd., 1998 eingetragen in den Bahamas, im Januar 2009 aufgelöst. Macri hatte während seiner Amtszeit als Bürgermeister die Verbindung zu Fleg Trading in den Vermögenserklärungen 2007 und 2008 nicht angegeben, wie argentinische Journalisten ermittelten. Er gab jedoch laut ICIJ ein Konto bei Merrill Lynch in USA an  - mit 2,9 Millionen Dollar im Jahr 2007 und 1,9 Millionen Dollar im Jahr 2008. Zudem deklarierte er 158.000 Dollar Auslandsvermögen, nannte aber keine Details zu dessen Herkunft.

Vater und Parteikollegen von David Cameron

Auch David Camerons verstorbener Vater Ian Cameron steht in den "Panama Papers". (Quelle: Reuters)Auch David Camerons verstorbener Vater Ian Cameron steht in den "Panama Papers". (Quelle: Reuters)

Der britische Premierminister David Cameron gerät im Zuge der Enthüllungen unter Druck. Britische Medien berichten, dass in den mehr als 11,5 Millionen Dokumenten, auf denen die Enthüllungen fußen, sein 2010 verstorbener Vater Ian Cameron erwähnt wird. Zudem tauchen in den Unterlagen auch Mitglieder von Camerons Partei sowie finanzielle Unterstützer der Konservativen auf. Camerons Büro lehnte eine Stellungnahme ab. Die Regierung bat aber das Journalisten-Recherchenetzwerk ICIJ um eine Kopie der durchgesickerten Daten. "Wir werden diese Daten genau untersuchen und daraufhin rasch und angemessen handeln."

Cameron hat sich mehrfach gegen Steuerhinterziehung ausgesprochen. Cameron ist es laut Regierungsangaben seit Amtsantritt 2010 gelungen, mehr als zwei Milliarden Pfund zusätzlich von Steuersündern einzutreiben, die auf Steueroasen ausweichen wollten.

Salman bin Abdulaziz bin Abdulrahman al-Saud

Auch Saudi-Arabiens König Salman wird in den "Panama Papers" erwähnt. (Quelle: dpa)Auch Saudi-Arabiens König Salman wird in den "Panama Papers" erwähnt. (Quelle: dpa)

Salman ist seit Januar 2015 der König von Saudi-Arabien. Zuvor war er Verteidigungsminister und Vize-Ministerpräsident des Königreiches. Salman habe eine nicht näher bekannte Rolle in der Firma Safason Corporation gespielt, ergaben die ICIJ- Recherchen. Sie hatte Anteile an zwei weiteren Firmen, die 2009 Hypotheken im Wert von insgesamt 34 Millionen Dollar für Luxusimmobilien in der Londoner City aufnahmen. Damals war Salman Gouverneur der Hauptstadt-Provinz Riad.

Bei beiden Hypotheken ist in den "Panama Papers" vermerkt, dass sie "im Zusammenhang" mit Salman stünden. Ferner wird der König als "Hauptnutzer" einer Yacht namens Erga bezeichnet, die ebenfalls von einer Offshore-Firma registriert wurde.

Lionel Messi

Lionel Messi muss sich im Mai wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung vor Gericht verantworten. (Quelle: dpa)Lionel Messi muss sich im Mai wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung vor Gericht verantworten. (Quelle: dpa)

Der Argentinier Lionel Messi gilt seit Jahren als bester Fußballer der Welt. Doch schon seit längerer Zeit wird gegen den 28-Jährigen wegen Steuerhinterziehung ermittelt. Ende Mai steht der Star vom FC Barcelona vor Gericht: Er soll Steuern im Wert von 4,1 Millionen Euro hinterzogen haben. Dabei soll er sich laut "SZ" eines Geflechts aus Offshore-Firmen bedient haben. Messis bisherige Erklärung: "Ich schaue nicht, was ich unterschreibe". Das sagte der Fußballspieler bei einer Vernehmung durch die damalige Ermittlungsrichterin.

In den "Panama Papers" findet sich nun neben den schon aufgedeckten Offshore-Firmen eine weitere, bislang unbekannte Briefkastenfirma. Sie soll zur Hälfte Messi gehören und für eine Zeit von der Kanzlei Mossack Fonseca aus Panama betreut worden sein. Sie heißt Mega Star Enterprises. Die Firma taucht in den Akten der Staatsanwaltschaft bisher nicht auf, bestätigte ein Sprecher der Behörde auf Nachfrage der "SZ". 

Messi und sein Vater Jorge Horacio Messi reagierten erbost auf die ICIJ-Veröffentlichungen. Am Montag verklagten sie das Netzwerk investigativer Journalisten.

Michael Platini

Der ehemalige Spitzenfußballer und spätere UEFA-Chef Michel Platini. (Quelle: dpa)Der ehemalige Spitzenfußballer und spätere UEFA-Chef Michel Platini. (Quelle: dpa)

Neben Messi findet sich noch eine weitere Größe des Weltfußballs in den "Panama Papers": Ex-UEFA-Chef Michel Platini. Der frühere französische Nationalspieler soll nach Angaben des ICIJ im Jahr 2007 ebenfalls eine Offshore-Firma in Panama gegründet haben. Platini ließ der französischen Nachrichtenagentur AFP über seine Medienanwälte mitteilen, dass er seine gesamten finanziellen Einkünfte und Besitzverhältnisse den Schweizer Behörden seit 2007 zugänglich gemacht habe. Als Vorsitzender der UEFA hatte Platini seinen Wohnsitz damals in Nyon.

Der einstige französische Weltstar war wegen einer ominösen 1,8-Millionen-Euro-Zahlung durch den ehemaligen FIFA-Boss Sepp Blatter im Jahr 2011 für sechs Jahre von der FIFA-Ethikkommission gesperrt worden. Die gleiche Sperre hatte auch Blatter erhalten.

Gianni Infantino

Nach Sepp Blatter scheint mit Gianni Infantino nun auch der nächste FIFA-Chef in dubiose Geschäfte verwickelt zu sein. (Quelle: AP/dpa)Nach Sepp Blatter scheint mit Gianni Infantino nun auch der nächste FIFA-Chef in dubiose Geschäfte verwickelt zu sein. (Quelle: AP/dpa)

Die "Panama Papers" setzen nun offenbar auch Blatters Nachfolger, den neuen FIFA-Chef Gianni Infantino, unter Druck. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, dass der 46-Jährige in seiner Zeit beim Europa-Verband UEFA in dubiose Geschäfte mit einer Briefkastenfirma verstrickt war. Dabei ging es um Fernsehrechte. Infantino hat demnach als Direktor der UEFA-Rechtsabteilung Verträge mit einer Briefkastenfirma gezeichnet, deren Eigentümer zwei der heutigen Angeklagten im FIFA-Skandal waren. Die südamerikanischen TV-Rechtehändler Hugo und Mariano Jinkis erwarben durch diese Verträge Rechte an der Champions League und verkauften diese mit hohem Gewinn in Lateinamerika weiter.

Auf "SZ"-Nachfrage hatte der Sprecher des Fußball-Weltverbandes erklärt, Infantino "persönlich" habe in seiner Zeit bei der UEFA mit den beiden TV-Rechtehändlern und deren Firma weder "geschäftlich" noch "wissentlich anderweitig zu tun gehabt". Auch die UEFA leugnete die Verbindung zunächst. Später räumte der Verband jedoch ein: Der fragliche Vertrag trage Infantinos Unterschrift.

Nico Rosberg

Er ist Teil der "Panama Papers" - doch es gibt derzeit keinen Verdacht, dass sich Nico Rosberg strafbar gemacht hat. (Quelle: Crash Media Group)Er ist Teil der "Panama Papers" - doch es gibt derzeit keinen Verdacht, dass sich Nico Rosberg strafbar gemacht hat. (Quelle: Crash Media Group)

Auch der deutsche Formel-1-Pilot Nico Rosberg ist von den Enthüllungen der "Panama Papers" betroffen. Nach Informationen des NDR soll der Mercedes-Rennstall einen Vertrag über die "Fahrer-Dienste" des Vizeweltmeisters mit der Firma "Ambitious Group Limited" auf den Britischen Jungferninseln abgeschlossen haben. Bei der Gruppe soll es sich um eine Briefkastenfirma handeln, die offiziell zwei anderen Unternehmen mit Sitz auf der Insel Jersey im Ärmelkanal gehört.

Es gibt keine Hinweise, dass sich der 30-jährige Rosberg strafbar gemacht haben könnte. Auf NDR-Anfrage erklärte die Daimler AG, die "Ambitious Group" gehöre nicht zur Unternehmensgruppe.

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