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Steuern: Wie griechische Fahnder von Deutschland lernen

Jagd auf Steuersünder  

Wie griechische Fahnder von Deutschland lernen

17.07.2016, 09:57 Uhr | Jonas-Erik Schmidt, dpa

Steuern: Wie griechische Fahnder von Deutschland lernen. Die Fahnen von der Europäischen Union und Griechenland vor dem Parthenon-Tempel in Athen. (Quelle: Reuters)

Die Fahnen von der Europäischen Union und Griechenland vor dem Parthenon-Tempel in Athen. (Quelle: Reuters)

Griechische Steuerfahnder haben bekanntlich keinen leichten Job. Berufskollegen aus Nordrhein-Westfalen gelten dagegen als besonders erfolgreich. Nun wollen die einen von den anderen lernen.

Efstathios Tsirmpas hat eine Woche Deutschland hinter sich. Er hat sich mit etwas beschäftigt, das den Deutschen oft als geheime Leidenschaft nachgesagt wird: Struktur und Organisation. Tsirmpas ist einer aus der ersten Gruppe von griechischen Steuerbeamten, die Nordrhein-Westfalen im Zuge einer Zusammenarbeit mit Athen schult.

Ihm hat das gefallen, wie er sagt. "Das Programm der letzten Woche war sehr informativ und wertvoll für uns", sagt der Grieche höflich.

Passt das überhaupt?

Am Montag hatte der Kurs in einer Fortbildungsakademie in Bonn begonnen. Ziel: Griechenland bei der Jagd nach Steuersündern und dem Aufbau einer effizienten Finanzverwaltung zu unterstützen.

Die Frage war allerdings, inwieweit das überhaupt gehen kann. Deutschland und Griechenland sind unterschiedliche Staaten mit unterschiedlichen Rechtssystemen. Und Berichte, wie man sie mitunter aus Griechenland über das Thema Steuerehrlichkeit liest, sind hierzulande eher Seltenheiten.

Zum Beispiel über Dorfbewohner auf Rhodos, die Steuerfahnder mit Drohungen verjagen. Oder über einen Arbeitslosen, der nicht erklären kann, wie er in einem Jahr 937.000 Euro auf sein Konto einzahlen konnte. 2015 irritierte auch die Regierung selbst, als sie vorschlug, im Kampf gegen Steuerhinterziehung Hausfrauen, Studenten oder Touristen als Amateur-Steuerfahnder einzusetzen.

Das gemeinsame Ziel

Bei der Frage, inwiefern sich ihre Arbeitsbedingungen mit jenen ihrer deutschen Kollegen vergleichen lassen, bleiben die griechischen Steuerbeamten in Bonn etwas im Ungefähren. "Was uns besonders aufgefallen ist und beeindruckt hat, ist die Professionalität und die Effektivität der Kollegen der nordrhein-westfälischen Finanzverwaltung", sagt Tsirmpas auf Griechisch, ein Übersetzer dolmetscht.

Seminarsprache war Englisch. Die griechischen Steuerbeamten seien natürlich auch effektiv und professionell, schiebt Tsirmpas nach. Im Grunde gebe es doch ein gemeinsames Ziel: "Die Bekämpfung der Steuerhinterziehung, des Steuerbetrugs, der Korruption und der Wirtschaftskriminalität."

"Eine willkommene Auszeit"

Auch die NRW-Seite betont vor allem das Verbindende. "Wir haben hier keine Nachhilfe gegeben, es war kein Schüler-Lehrer-Verhältnis. Sondern es war ein kollegialer Erfahrungsaustausch", sagt Fortbildungsreferent Helmut Schmitz aus dem Finanzministerium. Natürlich sei auch klar, dass sich nicht in einer Woche alles unterkriegen lasse, was in Deutschland drei Jahre Ausbildung brauche.

Aber: "Die Arbeitsweise, um an die Informationen zu kommen, die dann zu einer Besteuerung führen - das ist da wie dort das Gleiche. Wie komme ich an diejenigen ran, die an mir vorbei arbeiten wollen, die keine Steuern zahlen?"

Die Steuerfahnderin Konstandina Kalafataki zieht nach dem Ende des Kurses am Freitag ein kleines Fazit. "Es war eine sehr wertvolle Woche", sagt sie. Und dann nennt sie doch einen Unterschied zwischen Deutschland und Griechenland. "Es war natürlich auch eine willkommene Auszeit hinsichtlich der Hitze, die zurzeit in Athen herrscht."

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