Sie sind hier: Home > Finanzen > Steuern >

DIW: Erbschaftsteuer-Angst macht Minderjährige zu Multimillionären

Zahlen aus der Statistik  

Erbschaftsteuer-Angst macht Minderjährige zu Multimillionären

09.09.2016, 15:16 Uhr | dpa

DIW: Erbschaftsteuer-Angst macht Minderjährige zu Multimillionären. Die Angst vor einer Verschärfung der Erbschaftsteuer hat in den vergangenen Jahren viele Minderjährige zu Millionären werden lassen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/Symbolbild)

Die Angst vor einer Verschärfung der Erbschaftsteuer hat in den vergangenen Jahren viele Minderjährige zu Millionären werden lassen. (Quelle: Symbolbild/Thinkstock by Getty-Images)

Spätestens seit 2012 ahnen Firmeninhaber, dass es mit den großzügigen Steuer-Privilegien bei der Vererbung ihres Unternehmens bald vorbei ist. Deshalb haben etliche gehandelt und vor allem größere Firmenanteile rasch an ihre Kinder übertragen - teils an Minderjährige.

Das ergibt sich aus aktuell bekannt gewordenen Zahlen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, das die Erbschaft- und Schenkungsteuerstatistik ausgewertet hat.

Demnach gingen von den 144 Milliarden Euro an steuerfreien Firmenübertragungen in der Zeit zwischen 2011 und 2014, für die Altersangaben vorliegen, 37 Milliarden Euro an Minderjährige. Den Großteil davon - 29,4 Milliarden Euro - erhielten 90 Kinder im Alter von unter 14 Jahren. Sie bekamen jeweils Vermögen von mindestens 20 Millionen Euro übertragen, im Schnitt also 327 Millionen Euro.

Gesetze müssen geändert werden

Das Bundesverfassungsgericht hatte Ende 2014 die Verschonungsregeln für Firmenerben als zu großzügig gekippt und bis Ende Juni 2016 schärfere Vorgaben gefordert. Eine Einigung zwischen Bund und Ländern ist jedoch gescheitert. Umstritten sind vor allem die Steuerbegünstigungen für große Unternehmensvermögen.

Der Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat lotet nun erneut einen Kompromiss aus. Gelingt bis Ende September keine Lösung, will sich das Bundesverfassungsgericht erneut mit der Steuer befassen, da der Gesetzgeber die Frist zur Neuregelung verstreichen ließ. Dann könnten die Privilegien auch ganz fallen.

Reform möglicherweise nicht im Sinne der Verfassungsrichter

Der Ende Juni 2016 vom Bundestag beschlossene und von den Ländern abgelehnte Gesetzentwurf sieht bei hohen Unternehmensübertragungen laut DIW "allenfalls moderate Mehrbelastungen" vor. Durch neue Begünstigungen könnten in etlichen Fällen sogar Entlastungen gegenüber dem bisherigen Recht eintreten. "Weil die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts bei der Neuregelung somit recht großzügig ausgelegt wurden, gibt es verfassungsrechtliche Bedenken", schreibt das DIW.

Das Aufkommen aus der Erbschaft- und Schenkungsteuer dürfte daher längerfristig kaum steigen, sondern eventuell sogar zurückgehen. Zuletzt lagen die Einnahmen, die allein den Ländern zustehen, bei nur gut fünf Milliarden Euro im Jahr.

Schenkungen wurden vorgezogen

In den vergangenen Jahren habe es hohe Vorzieheffekte bei Unternehmensübertragungen gegeben, heißt es. 2012 seien steuerfreie Übertragungen von Firmenvermögen auf 40 Milliarden Euro gestiegen, 2014 auf 66 Milliarden Euro. 2015 seien es 57 Milliarden gewesen. Davon sei der Großteil auf Schenkungen entfallen.

Die steuerpflichtigen Vorgänge nach Begünstigungen und Freibeträgen hätten sich dagegen kaum verändert. Die Steuerausfälle durch die Begünstigungen von Firmenübertragungen würden für die Jahre 2011 bis 2014 auf gut 40 Milliarden Euro geschätzt. 2015 dürften etwa 13 Milliarden hinzugekommen sein.

"Offenbar haben viele Unternehmerfamilien die günstigen erbschaftsteuerlichen Rahmenbedingungen seit dem Jahr 2009 genutzt, um Unternehmen oder Unternehmensanteile vorab auch an die sehr junge Generation weiterzugeben", schreibt das DIW. Spätestens, nachdem 2012 das Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht begonnen habe, sei zu erwarten gewesen, dass die sehr großzügigen Begünstigungen nicht dauerhaft Bestand haben würden: "Daher handelten wohl viele nach dem Motto 'So günstig wie jetzt wird es nie wieder'."

Hohe Freibeträge und großzügige Verschonungsregeln

Bei der Erbschaft- und Schenkungsteuer gibt es generell hohe Freibeträge. Ehe- bzw. Lebenspartner können sich steuerfrei 500.000 Euro vererben oder schenken. Schenkungen und Erbschaften an Kinder sind bis 400.000 Euro steuerfrei. Bei Schenkungen können die Freibeträge zudem alle zehn Jahre erneut in Anspruch genommen werden. Elternteile mit eigenem Vermögen können den Freibetrag darüberhinaus auch einzeln nutzen, sodass ein Kind alle zehn Jahre bis zu 800.000 Euro steuerfrei geschenkt bekommen könnte.

Übertragungen von Unternehmensvermögen können zu 85 oder sogar 100 Prozent steuerfrei gestellt werden, wenn das Unternehmen fortgeführt und die Lohnsumme in etwa gleich bleibt. Letztere gilt als Indikdator für den Erhalt der Beschäftigung und damit die vom Gesetzgeber angestrebte Sicherung von Arbeitsplätzen. Je nach Modell müssen die Unternehmen fünf bis sieben Jahre fortgeführt werden. Es gelten weitere Voraussetzungen, die in den Paragraphen 13a und 13b des Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetzes (ErbStG) festgelegt sind.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Sparen Sie 35% auf Sofas, Betten, Gartenmöbel u.m.*
jetzt zur Power Shopping Week bei XXXLutz
Gerry Weberbonprix.deOTTOUlla PopkenHappy SizeLIDLBabistadouglas.deBAUR
Mehr zum Thema
Sie sind hier: Home > Finanzen > Steuern

shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • giga.de
  • desired.de
  • kino.de
  • Statista
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Magenta TV
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • Magenta SmartHome
  • Magenta Sport
  • Freemail
  • Telekom Mail
  • Sicherheitspaket
  • Vertragsverlängerung Festnetz
  • Vertragsverlängerung Mobilfunk
  • Hilfe