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"Materielle Entbehrung": Millionen Beschäftigte haben trotz Job nicht genug Geld

Materielle Entbehrung  

Trotz Arbeit fehlt oft das Geld für unerwartete Ausgaben

27.12.2016, 11:21 Uhr | AFP

"Materielle Entbehrung": Millionen Beschäftigte haben trotz Job nicht genug Geld. Obwohl der Papa arbeiten geht, kommt die Familie nur schlecht über die Runden. (Quelle: dpa)

Obwohl der Papa arbeiten geht, kommt die Familie nur schlecht über die Runden. (Quelle: dpa)

Mal eben eine neue Waschmaschine kaufen, ist für viele Bürger nicht drin. Mehr als zehn Millionen Beschäftigte in Deutschland sind von "materieller Entbehrung" betroffen. Trotz Arbeitsstelle reicht das Geld kaum aus. 

Rund 10,6 Millionen Erwerbstätigen in Deutschland fehlt das Geld für unerwartete Ausgaben in Höhe von 1000 Euro. Dies geht aus einer Statistik zur so genannten "materiellen Entbehrung" des Statistischen Bundesamts hervor, die die Linksfraktion im Bundestag ausgewertet hat und über welche die Dortmunder "Ruhr Nachrichten" berichteten.

Kein Geld für Urlaub

Die 10,6 Millionen Betroffenen entsprächen knapp 30 Prozent aller Erwerbstätigen, heißt es in dem Bericht. 5,7 Millionen von ihnen könnten es sich nicht leisten, mindestens ein Mal im Jahr eine Woche Urlaub außerhalb der eigenen vier Wände zu machen. Dies ist ein Anteil von 15,5 Prozent aller Beschäftigten.

"Materielle Entbehrung" liegt nach Maßgabe des Wiesbadener Bundesamts dann vor, wenn für einen Haushalt nach Selbsteinschätzung vier von insgesamt neun Kriterien erfüllt sind: Sie reichen von Schwierigkeiten bei der Mietzahlung bis zum Fehlen eines Telefons im Haushalt. Die Daten stammen dem Bericht zufolge aus dem Jahr 2015 und beziehen sich auf Menschen ab 16 Jahren.

Kein Arbeitsplatzwunder

Rund 1,8 Millionen der Beschäftigten - darunter auch Menschen mit Migrationshintergrund - gaben an, die Miete oder Rechnungen für Versorgungsleistungen nicht immer rechtzeitig zahlen zu können. 1,3 Millionen Menschen konnten trotz Arbeit ihre Wohnung nicht angemessen heizen, 1,7 Millionen hatten der Erhebung zufolge nicht genug Einkommen, um zumindest jeden zweiten Tag eine vollwertige Mahlzeit zu sich zu nehmen.

Die Linksfraktion übte scharfe Kritik an diesem Zustand. "An Millionen Deutschen geht das vermeintliche Arbeitsplatzwunder in Deutschland komplett vorbei", sagte die Linken-Arbeitsmarkt-Expertin Sabine Zimmermann den "Ruhr Nachrichten".

"Sie sind arm trotz Arbeit und haben massive Probleme, den täglichen Bedarf zu bestreiten." In der verbreiteten materiellen Entbehrung spiegelten sich der große Niedriglohnsektor und die zunehmende Teilzeitarbeit wider, sagte sie. 

Das Problem ist nicht auf Deutschland beschränkt. Laut einer Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung vom vergangenen Herbst können auch immer mehr Bürger in der EU nicht von ihrem Job leben. 

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