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Kolumne: Sind Smartphones das neue Rauchen? Apple in der Pflicht

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MEINUNGSuchtgefahr iPhone  

Sind Smartphones das neue Rauchen?

Eine Kolumne von Ursula Weidenfeld

09.01.2018, 10:09 Uhr
Kolumne: Sind Smartphones das neue Rauchen? Apple in der Pflicht. Jugendliche mit Smartphones: Suchtgefahr ist umstritten. (Quelle: dpa/Silas Stein)

Jugendliche mit Smartphones: Suchtgefahr ist umstritten. (Quelle: Silas Stein/dpa)

Apple soll klären, ob iPhones Kinder und Jugendliche süchtig machen. Das verlangen nicht die Kunden – sondern die Eigentümer. So absurd das klingt: Das Unternehmen ist gut beraten, die Sache ernst zu nehmen.

Wie gefährlich sind Smartphones für Kinder und Jugendliche? Zwei Großaktionäre fordern das Unternehmen Apple auf, sich aktiv mit möglicherweise schädlichen Folgen des iPhones auseinanderzusetzen. Der Konzern solle sich dem Thema stellen, verlangen die Aktionäre, ein Lehrer-Pensionsfonds und ein Investor. Das klingt erst einmal absurd.

Dennoch sollte Apple das Thema ernst nehmen. Denn weltweit rühren sich ähnliche Initiativen, gibt es erste Gesetzesvorhaben zum Smartphone-Gebrauch der nächsten Generation. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron beispielsweise will Smartphones mindestens aus Kindergärten und aus Grundschulen verbannen. So richtig es ist, Kinder und Jugendliche vor dem übermäßigen Konsum von Medien zu schützen, so falsch wäre es, sie davon abzuschneiden.

Gefahr von Smartphones umstritten

Sind Smartphones wirklich der neue Alkohol? Sind sie so gefährlich wie Zucker, der in den vergangenen Jahren zum neuen Rauchen erklärt wurde?
Bei Alkohol und Tabak ist die Antwort schnell gefunden: Ja. Je später Kinder und Jugendliche trinken und rauchen, desto besser ist es fürs Gehirn. Weil der unmittelbare Schaden eines zu frühen Konsums jedem einsichtig ist, regelt ein Jugendschutzgesetz in nahezu allen Ländern den Zugang zu diesen beiden Drogen.

Anders sieht es aber mit Kommunikation und Medien aus. Sie haben einen Doppelcharakter. Zwar können auch sie Menschen davon abhalten, selbst zu denken, oder ordentlich zu arbeiten. Ein ständig verfügbares Smartphone kann abhängig machen. Aber diese Medien und Geräte informieren eben auch.

Damit aus unmündigen Kindern mündige Bürger und Verbraucher werden, müssen die Jungen frühzeitig den vernünftigen Gebrauch der Medien lernen. Man kann nicht einerseits interaktive Whiteboards in die Klassenzimmer stellen, Coden als Unterrichtsfach und Hochgeschwindigkeits-WLAN in den Schulen verlangen, und gleichzeitig Smartphones zu Teufelswerk erklären.

Unternehmen stehen in der Verantwortung

Medienkompetenz ist eine Bildungsaufgabe, die nicht nur in der Schule und in der Familie vermittelt wird. Auch die Unternehmen müssen sich daran beteiligen – zumindest, indem sie es Eltern einfach machen, den Handykonsum ihrer Kinder in sinnvolle Bahnen zu lenken, ihn zu kontrollieren und notfalls zu begrenzen. Das könnten sie beispielsweise durch konservative Voreinstellungen gewährleisten, die Eltern und Kinder zwingen, sich über die Nutzungszeiten zu verständigen.

Auch, wenn die Firmen das heute noch nicht sehen (Apple hat auf den Brief der Großaktionäre bisher noch nicht einmal geantwortet), sind sie auf ein konstruktives Verhältnis zur Gesellschaft angewiesen: Erstens sollten sie in der jungen Generation die kompetenten Mitarbeiter und solventen Kunden der Zukunft sehen. Das können die jungen Erwachsenen nur dann werden, wenn sie unabhängig und frei über ihr Leben entscheiden können, also nicht abhängig sind. Zweitens gibt es immer mehr Investoren, die sehr genau hinschauen: zum Beispiel, ob ein Produkt einer bestimmten Gruppe der Bevölkerung schadet. Tabak- und Alkoholunternehmen spüren die Zurückhaltung der Aktionäre bereits heute deutlich.

Und drittens verschiebt sich der politische Rahmen. Nach Jahrzehnten der Zurückhaltung haben die Staaten heute immer weniger Bedenken, früh, aktiv und steuernd in das Wirtschaftsleben einzugreifen. Die Einschätzung aber, was gerade für besonders gefährlich und dringend regulierungsbedürftig gehalten wird, unterliegt Moden. Mal ist es Alkohol, mal Cannabis, mal sind es zuckerhaltige Softdrinks.

Eine einheitliche und konsistente Linie bei politischen Entscheidungen wird sich kaum herausbilden. Um dauerhaft erfolgreich zu sein, müssen die Unternehmen lernen, sich den gesellschaftlichen und ethischen Haltungen zu stellen, bevor politische Regulierungen diskutiert werden. Denn: Es gibt keine Garantien mehr – auch nicht für Handyhersteller.

Ursula Weidenfeld ist Wirtschaftsjournalistin in Berlin. Ihr neuestes Buch heißt: "Regierung ohne Volk. Warum unser politisches System nicht mehr funktioniert." 

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