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Streit um Essener Tafel: Bei Armut müssen wir Unterschiede machen

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MEINUNGStreit um Essener Tafel  

Bei Armut müssen wir Unterschiede machen

Eine Kolumne von Ursula Weidenfeld

06.03.2018, 18:02 Uhr
Streit um Essener Tafel: Bei Armut müssen wir Unterschiede machen. Kunden stehen vor der Essener Tafel an: Diese nimmt derzeit keine nichtdeutschen Neukunden mehr auf. (Quelle: dpa/Roland Weihrauch)

Kunden stehen vor der Essener Tafel an: Diese nimmt derzeit keine nichtdeutschen Neukunden mehr auf. (Quelle: Roland Weihrauch/dpa)

Nach der Debatte um die Essener Tafel regiert der politische Appell, bei Bedürftigkeit keine Unterschiede zu machen. Das ist falsch. Nur wer Unterschiede macht, kann Armut tatsächlich bekämpfen.

In den vergangenen Tagen wurde in diesem Land heftig über Armut gestritten. Die Essener Tafel hatte beschlossen, vorerst nur noch Deutsche als Neukunden zu akzeptieren. Im Kern ging es dabei um die Frage, ob die Armut der einen (der weißen alten Frauen) dramatischer ist als die der anderen (der jungen männlichen Ausländer). Die beliebteste und unangreifbare Antwort war: Armut ist ein gesellschaftliches Problem, man darf die Armen nicht gegeneinander ausspielen.

Das Gegenteil ist richtig. Wenn man Armut wirksam bekämpfen will, muss man unterscheiden. Denn es gibt Armut, die man gelassen hinnehmen kann. Es gibt Armut, die man lindern soll. Und es gibt Armut, die im Interesse des gesellschaftlichen Friedens in diesem Land bekämpft werden muss.

Vorbehalte gegenüber Armut

Etwa jeder zehnte Einwohner in Deutschland bekommt Sozialleistungen. Entweder Hartz IV, Grundsicherung, Sozialhilfe, oder Leistungen für Asylbewerber. Noch einmal so viele Menschen gelten als armutsgefährdet, weil sie wenig verdienen. An dieser Quote hat sich in den vergangenen zehn Jahren kaum etwas geändert, obwohl die Arbeitslosenzahl in der Zwischenzeit dramatisch gesunken ist. Das zeigt, dass sich der Zusammenhang zwischen Erwerbslosigkeit und Armut deutlich gelockert hat.

Trotzdem hat der Umgang mit Armen immer noch einen moralischen Unterton: Ein "Er wird schon selber schuld sein", oder "Die soll sich mal anstrengen" schwingt mit. Auch deshalb gibt es enorme Widerstände gegen die Forderung, Armen mehr zu geben als sie unbedingt brauchen: Überversorgung könnte ja dazu führen, dass der Arme sich nicht mehr anstrengt.

Altersarmut ist ausweglos

Heute sind Menschen aus den unterschiedlichsten Gründen arm. Studenten und Auszubildende beispielsweise sind in der Regel arm. Die Hälfte aller 18- bis 24-Jährigen, die nicht mehr zu Hause leben, gelten als armutsgefährdet, hat der frühere Caritas-Direktor Georg Cremer ausgerechnet. Trotzdem muss man sich um sie in der Regel keine Sorgen machen, argumentiert Cremer. Die meisten von ihnen werden die armen Zeiten fröhlich hinter sich lassen. Ihre Armut muss man nicht bekämpfen.

Alte und chronisch kranke Menschen dagegen haben kaum Aussichten, diesem Los zu entkommen. Selbst wenn sie ihr Leben lang faul gewesen wären, würde es niemandem helfen, die Schuldfrage zu erörtern. Altersarmut ist ausweglos. Viele Hilfsorganisationen engagieren sich deshalb besonders für Senioren. Sie versuchen, die Härten der Altersarmut zu lindern, indem sie mit Lebensmitteln, Besuchsdiensten oder Kaffeenachmittagen aushelfen. Auch, weil der Staat materiell keine oder nur geringe Unterschiede machen kann, ist es richtig, wenn sich die Zivilgesellschaft für arme Menschen besonders einsetzt.

Mut zum Unterscheiden

Nahezu ausweglose Armut gibt es heute allerdings auch da, wo sie vermeidbar wäre. Hier wird Armut zum Skandal. Kinder, die in bildungsfernen, armen Familien groß werden, haben selbst ebenfalls ein deutlich höheres Armutsrisiko – und das seit Jahrzehnten. Hier könnte viel intensiver gegengesteuert werden, genauso bei Alleinerziehenden, jungen Männern und Frauen, bei Flüchtlingen und Asylbewerbern. Schulpflicht (auch über das 18. Lebensjahr hinaus) und Ausbildung, Ganztagsbetreuung für Klein- und Schulkinder, differenzierte Abschlüsse, die Begleitung durch die Kinder- und Jugendhilfe – und bei jungen Erwachsenen auch Sanktionen – sind entscheidende Instrumente, um Armut in diesen Gruppen zu  bekämpfen – wenn schon nicht in der ersten, dann wenigstens in der zweiten Generation.

Die Forderung dagegen, nur auf die Bedürftigkeit von Menschen zu schauen, bewirkt gar nichts. Nur wer den Mut aufbringt zu unterscheiden, kann begründen, warum er Armen unterschiedlich begegnen darf – und muss.

Ursula Weidenfeld ist Wirtschaftsjournalistin in Berlin. In ihrem Buch „Regierung ohne Volk. Warum unser politisches System nicht mehr funktioniert.“ schreibt sie über die Regierungszeit Angela Merkels.

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