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Ernüchternder Frauentag: Rechte zu haben, reicht nicht aus!

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MEINUNGErnüchternder Frauentag  

Rechte zu haben, reicht nicht aus!

Eine Kolumne von Ursula Weidenfeld

08.03.2018, 16:09 Uhr
Ernüchternder Frauentag: Rechte zu haben, reicht nicht aus!. Frauen haben heute theoretisch mehr Möglichkeiten, Karriere zu machen. In der Realität stellen jedoch häufig gesellschaftliche Erwartungen ein Hindernis dar. (Quelle: dpa)

Frauen haben heute theoretisch mehr Möglichkeiten, Karriere zu machen. In der Realität stellen jedoch häufig gesellschaftliche Erwartungen ein Hindernis dar. (Quelle: dpa)

Am Donnerstag denkt die Welt an die revolutionäre Kraft der Frauenbewegung. Besser, sie denkt nicht nur daran. Es gibt noch ganz viel zu tun.

Seien wir ehrlich. Der Weltfrauentag hat seine besten Zeiten hinter sich. Kommunistische Arbeiterinnen, Bäuerinnen und Soldatenfrauen starteten an diesem Tag im Jahr 1917 in Sankt Petersburg die russische Revolution. Sozialdemokratische Frauen setzten mit dem Frauentag 1918 das Frauenwahlrecht in Deutschland durch. In der DDR-Zeit gab es immerhin Blumen vom Chef und eine offizielle Feierstunde. Und heute? Bestimmt #MeToo die Debatte. Wo bleibt der Fortschritt, Genossinnen?

Die Übergriffe des Filmemachers Harvey Weinstein und seiner Kollegen zeigen, dass die Gleichstellung auf dem Papier zwar längst erreicht ist – aber eben nur da. Auch heute noch sind Arbeitswelt und Gesellschaft im Großen und Ganzen auf den Vollzeit arbeitenden Mann ausgerichtet. Auch heute noch haben Männer so viel Macht im Beruf, dass sie Frauen nötigen und missbrauchen können. Und: Trotz Quote und Karriereförderung, Recht auf Teilzeit und gerechte Bezahlung sind die Frauen heute im Großen und Ganzen nicht einmal glücklicher als vor vierzig Jahren.

Frauen sind unzufriedener

Die Schweizer Ökonomen Bruno S. Frey und Claudia Frey Marti haben für die Schweiz die Lebenszufriedenheit und das Glücksgefühl erforscht. Sie haben herausgefunden, dass die Lebenszufriedenheit der Frauen in den vergangenen vierzig Jahren zurückgegangen ist – obwohl sie viel mehr Chancen, Rechte und Unterstützung erhalten haben. Die Frauen in konservativen Kantonen der Schweiz seien unter dem Strich zufriedener.

Die Glücksforscher erklären das so: Die Debatte um Gleichstellung, gleiche Bezahlung, die Vereinbarkeit von Familie und Karriere weckt Erwartungen. Wer erlebt, dass die Bezahlung eben doch nicht gleich ist, sich Familie und Beruf nicht so leicht vereinbaren lassen wie versprochen, ist frustriert.

Tut den Männern die Gleichstellung weh?

Lange konnten sich Männer der Illusion hingeben, die Verbesserung der Frauenrechte würde ihr eigenes Leben nicht verändern. Wenn Frauen erwerbstätig werden, oder wählen dürfen, tut das den Männern nicht sehr weh. Heute dagegen ist unverkennbar: Regelungen, wie eine Frauenquote oder Transparenzvorschriften, tun den männlichen Kollegen weh. Sie merken schnell, dass vor jeder sicher geglaubten Beförderung auf einmal eine Frau stehen kann. Oder dass der früher selbstverständliche Gehaltszuschlag für den Hauptverdiener einer Familie jetzt auch von den Kolleginnen beansprucht wird.

Auf der anderen Seite tobt im Augenblick vor allem in den USA eine Debatte über das große „Wir können alles haben“-Versprechen. Managerinnen wie die Facebook-Chefin Sheryl Sandberg stellen jungen Frauen in Aussicht, Kinder, Karriere und eine glückliche Partnerschaft unter einen Hut bringen zu können.

Ältere Karrierefrauen jedoch zweifeln öffentlich. Die frühere Stabschefin der ehemaligen amerikanischen Außenministerin, die Politikwissenschaftlerin Anne-Marie Slaughter, hat im Magazin „The Atlantic“ gerechtfertigt, warum sie den Spitzenjob in Washington nach zwei Jahren wieder gegen die Professur in Princeton eintauschte. Während sie in Washington arbeitete, durchlebte ihr Sohn eine schwierige Pubertät. Ihr Mann habe sich um die Kinder gekümmert. Doch die Arbeit im US-Außenministerium sei zeitlich so fordernd, vor allem aber so fremdbestimmt gewesen, dass sie maximal samstags und sonntags bei ihrer Familie gewesen sei.

Keine Zauberformel für Spitzenverdienerinnen

Slaughter nennt drei Hauptgründe, warum es selbst für Spitzenverdienerinnen keine Zauberformel gibt:

1. Die Arbeitszeiten: viel zu arbeiten, ist für die meisten Frauen kein Problem. Aber Meetings an Wochenenden, oder spät abends? Nur in den skandinavischen Ländern und in einigen Unternehmen sind die abgeschafft, werden die Möglichkeiten von Telefon- und Videokonferenzen selbstverständlich genutzt.

2. Karriereformeln: Berufstätige Frauen bekommen ihre Kinder immer später, meist erst weit jenseits der 30. Spitzenkarrieren aber macht man zwischen 40 und 55. In diesem Zeitfenster haben die meisten Frauen kleine Kinder oder Teenager zu Hause.

3. Männer, die ihre Frauen bei ihrer Karriere unterstützen, haben eine andere Vorstellung von familiärer Arbeitsteilung, als sie im umgekehrten Fall üblich ist. Sie sind nicht zufrieden, wenn der Beruf der Frau alles bestimmt.

"Man kann nicht alles haben"

Eine Studie der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung zeigt, dass es jungen Frauen in allen Schichten genau so ergeht. Werden die Spannungen zu stark, bürgert sich am Ende doch wieder die traditionelle Rollenverteilung ein: Der Mann (der meist mehr verdient) arbeitet Vollzeit, die Frau versorgt Kinder und Haushalt und arbeitet Teilzeit. Auch Slaughters Fazit ist klar: Man kann nicht alles haben – es sei denn, die Gesellschaft und die Arbeitswelt ändern sich fundamental.

Die ersten hundert Jahre des Frauentags waren von revolutionären gesetzlichen Veränderungen bestimmt. Die nächsten Jahrzehnte werden zeigen, ob die westlichen Demokratien die Kraft zu ähnlich revolutionären gesellschaftlichen Veränderungen finden. Dann hat der Frauentag doch noch eine große Zukunft. Wenn nicht, gibt es ja immer noch den Muttertag.

Ursula Weidenfeld ist Wirtschaftsjournalistin in Berlin. In ihrem Buch „Regierung ohne Volk. Warum unser politisches System nicht mehr funktioniert.“ schreibt sie über die Regierungszeit Angela Merkels.

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