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Börsengang von Spotify: Die wilden Jahre sind vorbei

MEINUNGFacebook, Tesla, Amazon  

Die wilden Jahre sind vorbei

Eine Kolumne von Ursula Weidenfeld

03.04.2018, 12:47 Uhr
Börsengang von Spotify: Die wilden Jahre sind vorbei. Die Händler an der Wall Street haben keine guten Tage hinter sich. Besonders die Aktien von Tech-Firmen wie Facebook, Amazon und Tesla sind deutlich abgestürzt. (Quelle: dpa/XinHua)

Die Händler an der Wall Street haben keine guten Tage hinter sich. Besonders die Aktien von Tech-Firmen wie Facebook, Amazon und Tesla sind deutlich abgestürzt. (Quelle: XinHua/dpa)

Facebook in der Vertrauenskrise, Trump attackiert Amazon, Tesla schwächelt: Die Börsenkurse der amerikanischen Tech-Giganten fallen. Platzt jetzt die Blase?

Es ist kein schöner Anblick. Wenn man die Börsenkurse der größten Hoffnungen der Internetwirtschaft betrachtet, sieht man seit Tagen ein Taumeln, Sinken und Stürzen. 5,2 Prozent ging es für den Internethandelsgiganten Amazon in der Nacht zu diesem Dienstag nach unten. Fünf Prozent verlor der E-Auto-Star Tesla an den US-Börsen – die Firma ist heute ein Drittel weniger wert als noch vor einem Jahr. Facebook rettete sich mit einem Minus von 2,8 Prozent in die Nacht.

Zu Beginn dieser Woche ist klar: Die Sorge vor einem Ende des Börsen-Booms ist greifbar, und der Tech-Sektor ist das Epizentrum der neuen Sorgen. Die wilden Jahre für die Internetwirtschaft sind vorbei.

Der Lackmus-Test für die Aussichten dieser Unternehmen wird der Börsengang des Musikstreamingdienstes Spotify am heutigen Tag sein. Die Firma hat noch keinen einzigen Cent verdient und befindet sich damit in guter Gesellschaft: Auch Tesla arbeitet tief in der Verlustzone, Amazon hat im vergangenen Jahr zum ersten Mal Geld verdient.

Die Furcht an der Börse wächst

Den Aktien dieser Unternehmen hat das in der Vergangenheit nicht geschadet. Jetzt aber wächst die Furcht. Weil an der Börse die Zukunft von Unternehmen gehandelt wird, dürfte die Spotify-Emission ein Hinweis darauf sein, wie viel Potenzial die Anleger heute noch in Firmen sehen, deren eigentliches Geschäft die Daten ihrer Kunden sind. Denn selbst Spotify sieht seine Zukunft nicht hauptsächlich in den Monatsbeiträgen für seine Dienste, sondern in den Datenspuren, die seine Nutzer hinterlassen. 

Ein Blick auf Facebook und Amazon zeigt, warum sich die Aussichten in den vergangenen Wochen so eingetrübt haben. Es ist eine Kombination aus hausgemachten Problemen, Sorge vor langwierigen und teuren Rechtsstreitigkeiten und einem neuerdings weltweit kritischen Umfeld.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg musste in einem Interview zugegen, dass sein Unternehmen die Datenprobleme frühestens in einigen Jahren lösen kann.  (Quelle: AP/dpa/Jeff Roberson)Facebook-Chef Mark Zuckerberg musste in einem Interview zugegen, dass sein Unternehmen die Datenprobleme frühestens in einigen Jahren lösen kann. (Quelle: Jeff Roberson/AP/dpa)

Facebook musste zugeben, dass Hunderttausende Nutzerdaten im US-Wahlkampf missbraucht worden waren. Die Firma wird ihren Nutzern künftig mehr Rechte an den eigenen Daten einräumen müssen, die Weitergabe des Datenschatzes wird in vielen Teilen der Welt schärfer reguliert werden.

In Europa wird voraussichtlich schon das endgültige Inkrafttreten der Datenschutzgrundverordnung Ende Mai eine deutliche Beschränkung des Geschäfts bringen. Es werde Jahre dauern, bis Facebook all seine Probleme gelöst habe, sagte Gründer Mark Zuckerberg am Wochenende. Ob der Konzern diese Zeit bekommt, ist keineswegs sicher.

Donald Trump schießt gegen Amazon

Amazon wird seit Wochen von US-Präsident Donald Trump beschuldigt, die amerikanische Post zum billigen Botenjungen seiner Pakete zu machen, in den USA aber nicht einmal ordnungsgemäß Steuern zu zahlen. Trump hat angekündigt, der Firma die Daumenschrauben anzulegen und die Post-Konzessionsverträge neu zu verhandeln. Das könnte – unabhängig von der Skepsis gegenüber dem US-Präsidenten – der Auftakt sein, auch in anderen Teilen der Welt zu prüfen, ob der Konzern seine Marktmacht ausgenutzt hat, um ruinöse Frachtraten durchzusetzen.

Tesla schließlich musste zugeben, dass die Firma mit dem Thema "Autonomes Fahren" längst noch nicht so weit ist wie behauptet. Kalifornische Untersuchungsbehörden werfen dem Autokonzern vor, bei der Aufklärung eines schweren Unfalls nicht ausreichend zu kooperieren. Ein autonom fahrendes Auto des Unternehmens hatte vor Kurzem in Kalifornien eine Frau überfahren und getötet. Horrende Verluste und teure Rückrufaktionen tun ein Übriges, um die Talfahrt der Tesla-Aktie zu beschleunigen.

Tech-Firmen werden wie normale Unternehmen behandelt

Es kann keinen Zweifel geben: Die Wunderkinder aus dem Silicon Valley benehmen sich immer noch wie Jugendliche in den Flegeljahren. Doch gemessen werden sie zunehmend mit dem Maßstab, der für die guten alten Firmen des Industriezeitalters auch gilt. Das wird das Geschäft der großen Tech-Unternehmen künftig schwieriger, teurer und langsamer machen. Für den übermütigen Börsengang des Musikportals Spotify heute sind das nicht die besten Voraussetzungen.

Ursula Weidenfeld ist Wirtschaftsjournalistin in Berlin. In ihrem Buch "Regierung ohne Volk. Warum unser politisches System nicht mehr funktioniert." schreibt sie über die Regierungszeit Angela Merkels.

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