Sie sind hier: Home > Politik > Kolumnen > Ursula Weidenfeld >

Kolumne: "Die Deutsche Bank ist die SPD der Finanzwelt"

...

MEINUNGProblem-Bank  

Die Deutsche Bank ist die SPD der Finanzwelt

Eine Kolumne von Ursula Weidenfeld

10.04.2018, 13:14 Uhr
Kolumne: "Die Deutsche Bank ist die SPD der Finanzwelt". Dunkle Wolken über der Deutschen Bank-Zentrale. Der neue Chef Christian Sewing hat nicht viele Möglichkeiten, das angeschlagene Geldinstitut zu retten. Sparen sei eine Maßnahme, findet unsere Kolumnistin. Aber keine Strategie. (Quelle: dpa/Arne Dedert)

Dunkle Wolken über der Deutschen Bank-Zentrale. Der neue Chef Christian Sewing hat nicht viele Möglichkeiten, das angeschlagene Geldinstitut zu retten. Sparen sei eine Maßnahme, findet unsere Kolumnistin. Aber keine Strategie. (Quelle: Arne Dedert/dpa)

Christian Sewing hat alles, was ein Kreissparkassen-Chef braucht. Sein Problem: Er ist Boss der Deutschen Bank. Mit "Jägermentalität" will er das Geldinstitut wieder auf Erfolgskurs bringen. Kann das funktionieren?

Christian Sewing hat nichts Arrogantes oder Abgehobenes an sich. Der bisherige Privat- und Firmenkundenvorstand der Deutschen Bank kennt sein Geschäft, er ist bei Mitarbeitern und Geschäftspartnern beliebt, und er gilt als grundsolide. Für einen Banker sind das gute Voraussetzungen – wenn er Chef bei einer mittelgroßen Sparkasse werden wollte. Aber reichen sie auch, um für die größte deutsche Bank einen mutigen Weg aus dem Schlamassel zu finden? Dafür muss Sewing nicht nur die Deutsche Bank neu erfinden. Er selbst müsste es auch tun.

Die Deutsche Bank ist in den vergangenen zehn Jahren so etwas wie die SPD der Finanzwirtschaft geworden. Sie hat ein massives Akzeptanzproblem bei Geschäftspartnern, Eigentümern und Kunden. Sie macht Millionenverluste. Sie schwankt zwischen Heimatmarkt und Investmentbanking. Mitarbeiter des Hauses waren in nahezu alle großen Bankenskandale seit der Finanzkrise verwickelt. Kurz: Die Deutsche Bank hat keine Ahnung mehr, wer sie eigentlich ist, wofür sie steht, und was sie sein kann.

Kritik an: "Solide darf nicht unser Anspruch sein"

Christian Sewing muss das ändern. Der 47-Jährige kennt die Bank wie kaum ein anderer, er arbeitet seit Jahrzehnten für sie. Doch er hat sie bisher im Wesentlichen von der Seite des Risikomanagements betrachtet. Das heißt zu bremsen, wenn gewagte Investments oder kühne Pläne Wirklichkeit werden sollen. Sewing weiß, dass ihm viele – inklusive einiger Aufsichtsräte – nicht zutrauen, eine neue Strategie für die Bank zu entwickeln.

Vielleicht hat er in seinem Antrittsbrief an die Mitarbeiter deshalb ausgerechnet den Begriff kritisiert, den die meisten ihm selbst zuschreiben würden: "Solide darf nicht unser Anspruch sein". Stattdessen müsse eine "Jägermentalität" nach Erträgen und Geschäftsgelegenheiten ausbrechen, verlangte er.

Da mögen viele Kleinaktionäre (die Autorin dieser Kolumne ist eine von ihnen) seufzen: Solide wäre doch schon mal ganz gut. Tatsächlich aber braucht die Bank: eine Richtung.

Christian Sewing ist neuer Chef der Deutschen Bank. Nachdem die letzten Jahre Investmentbanker an der Spitze des Geldhauses standen, ist nun ein klassischer Banker Vorstandsvorsitzender.  (Quelle: dpa/Fredrik von Erichsen)Christian Sewing ist neuer Chef der Deutschen Bank. Nachdem die letzten Jahre Investmentbanker an der Spitze des Geldhauses standen, ist nun ein klassischer Banker Vorstandsvorsitzender. (Quelle: Fredrik von Erichsen/dpa)

Auf dem Heimatmarkt  frisches Wild aufzuspüren und zu erlegen, ist schwer. Der deutsche Bankenmarkt ist überbesetzt. Zudem bringt nur eine kleine Gruppe von Privatkunden ordentliches Geld: die richtig Vermögenden. Hier muss die Bank ihren Marktanteil tatsächlich ausbauen. Dies aber als strategisches Erweckungserlebnis zu verkaufen, wäre ein bisschen vermessen. Und ob sich die Millionäre und Milliardäre in Zukunft lieber von wilden Jägern als von seriösen Bankern beraten lassen wollen, ist auch nicht ausgemacht.

Bei der Deutschen Bank ist keine Richtung zu erkennen

Bleibt das Investmentbanking. Hier hat die Deutsche Bank den Anschluss an die ersten Adressen in New York und London verloren. Auf die Erträge der Investmentbanker zu verzichten, kann sich das Frankfurter Geldhaus genauso wenig leisten, wie einen deutlichen Ausbau der Sparte, wie ihn der scheidende Investmentbank-Vorstand Marcus Schenck verlangt haben soll. Mehr Investmentbanking hieße mehr Risiko, mehr Boni, weniger Akzeptanz im Heimatmarkt.

Wie gefangen die Deutsche Bank in ihrem Dilemma ist, haben die Personalrochaden der vergangenen Tage gezeigt. Für den Posten des Vorstandschefs suchte Aufsichtsratsboss Paul Achleitner zwar den seriösen Risikomanager aus Westfalen aus. Im Aufsichtsrat dagegen ging es genau andersherum. Dort sollen die beiden letzten Vertreter der deutschen Industrie im Mai durch Investmentbanker ersetzt werden. Eine Richtung? Ist nicht zu erkennen.

Wenn aber der Aufsichtsratschef keine Vorstellung vom künftigen Kurs des Geldhauses hat, wie soll dann ein Vorstand, der seit Jahrzehnten im Haus arbeitet, eine klare, neue und vor allem überzeugende Idee dafür entwickeln?

Sparen ist keine Strategie

Bleiben fürs Erste zwei Wege: Der erste ist, sich auf den Kapitalbedarf mittelgroßer deutscher Familienunternehmen und Aktiengesellschaften zu konzentrieren. Hier entsteht gerade ein neuer Markt: Unternehmenskredite werden künftig teurer und rarer, sodass Firmen mit Kapitalbedarf neue Wege suchen müssen. Hier könnte die Deutsche Bank ihre nach wie vor guten Beziehungen zur deutschen Industrie nutzen.

Wie lange dieses Geschäft allerdings noch von Großbanken gemacht wird, ist nicht sicher. Denn in diesem Bereich wird im Augenblick sehr intensiv mit alternativen Finanzierungsformen experimentiert, die gar keine Bank mehr brauchen.

Der zweite Weg: sparen. Hier liegt kurzfristig das größte Potenzial, um den Großaktionären wieder Freude zu machen.  

Deshalb ist Sparen wichtig. Aber es ist keine Strategie.

Ursula Weidenfeld ist Wirtschaftsjournalistin in Berlin. Ihr Buch: "Regierung ohne Volk. Warum unser politisches System nicht mehr funktioniert." beschreibt, wie sich Deutschland in den vergangenen zwölf Jahren verändert hat.

Liebe Leserinnen und Leser, leider können wir bei bestimmten Themen und bei erhöhtem Aufkommen die Kommentarfunktion nicht zur Verfügung stellen. Warum das so ist, erfahren Sie in einer Stellungnahme der Chefredaktion.
Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Neue Kommentare laden
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Der vertraute Duft der NIVEA Creme als Eau de Toilette
jetzt bestellen auf NIVEA.de
Klingelbonprix.deOTTOCECILStreet OneLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Erotik
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • Erotic Lounge
  • giga.de
  • erdbeerlounge.de
  • kino.de
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Entertain
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • Magenta SmartHome
  • Telekom Sport
  • Freemail
  • Telekom Mail
  • Sicherheitspaket
  • Vertragsverlängerung Festnetz
  • Vertragsverlängerung Mobilfunk
  • Hilfe
© Ströer Digital Publishing GmbH 2018