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ZEW-Konjunkturerwartungen: Warum die Zeichen auf Abschwung stehen

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MEINUNGKonjunkturerwartungen brechen ein  

Warum Wirtschaftsexperten Gebete gen Himmel schicken

Eine Kolumne von Ursula Weidenfeld

17.04.2018, 14:19 Uhr
ZEW-Konjunkturerwartungen: Warum die Zeichen auf Abschwung stehen. Kräne auf einer Baustelle unter dunklen Wolken: Die Konjunkturerwartungen in Deutschland und Europa haben sich eingetrübt. (Quelle: dpa/Lisa Ducret)

Kräne auf einer Baustelle unter dunklen Wolken: Die Konjunkturerwartungen in Deutschland und Europa haben sich eingetrübt. (Quelle: Lisa Ducret/dpa)

Experten schätzen die Zukunft der europäischen Wirtschaft überraschend pessimistisch ein. Beim Beten denken sie an Donald Trump. Warum? Das erklärt unsere Kolumnistin Ursula Weidenfeld.

Irgendetwas muss passiert sein. Seit ein paar Tagen zeigen die Konjunkturindikatoren für Europa in eine ungewohnte Richtung: deutlich nach unten. Ausgerechnet in dem vom Daueraufschwung verwöhnten Deutschland scheint das Wachstum schlappzumachen. Heute Vormittag hat das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW)  seine Aprilumfrage zur künftigen Entwicklung der deutschen Wirtschaft veröffentlicht. Sie ist beunruhigend ausgefallen.

Für Deutschland ist das nicht schön. Für frühere Krisenländer der Eurozone aber sind das erst recht schlechte Nachrichten. Eigentlich hatten sich alle für dieses Jahr auf fröhliches Wirtschaften ohne Sorgen eingestellt. In allen großen Wirtschaftsräumen – USA, China und Europa – hatte sich zur Jahreswende ein stabiler Aufschwung eingestellt. Die Rückkehr zur Normalität sei greifbar, die Folgen der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise seien endlich bewältigt. So oder ähnlich klangen die Wirtschaftsprognosen.

Die ZEW-Konjunkturerwartungen des vergangenen Jahres. (Quelle: Statista)Die ZEW-Konjunkturerwartungen des vergangenen Jahres. (Quelle: Statista)

Heute klingen sie anders. Die Wirtschaftswissenschaftler vom ZEW fragen einmal im Monat bei den Börsenprofis nach, was sie von der Wirtschaftsentwicklung in Deutschland im nächsten halben Jahr erwarten. Vor vier Wochen zeigten die sich erstmals alarmiert. Kurz später meldete auch das Münchner Ifo-Institut einen Einbruch der Erwartungen bei Tausenden von Managern in der Industrie, die es monatlich befragt. Der Handelskonflikt mit den USA hatte allen einen Schrecken eingejagt.

Die Erwartungen für die Zukunft trüben sich ein

Ist es nur eine Delle, oder wird es eine Rezession? Das weiß niemand genau. Auch die Ursachen für die kühle Dusche sind noch nicht klar. Auch in China und den USA sind die Aussichten etwas verhaltener – doch nirgends war der Rückgang so scharf wie in Europa. Immer deutlicher wird, dass sich gute Nachrichten für die Wirtschaft meist auf die Vergangenheit beziehen. Das Wachstum des vergangenen Jahres etwa. Oder die Arbeitsmarktzahlen, die erst mit Verzögerung auf einen Abschwung reagieren. Die Indikatoren, die die Zukunft betreffen, trüben sich im Gegensatz dazu nahezu alle ein.

Vielleicht haben nur die Grippewelle und die Kälte im Februar und März den Optimismus gebremst. Doch jetzt haben sich die Kranken aus ihren Betten erhoben, und der Frühling ist da. Möglicherweise waren die Experten nach der sehr positiven Wirtschaftsentwicklung des vergangenen Jahres einfach zu optimistisch. Oder die Maßnahmen der Europäischen Zentralbank, die die wirtschaftliche Entwicklung des vergangenen Jahres angefeuert haben, lassen nun nach.

Staatsschuldenkrise wäre bei längerem Abschwung zurück

Sollte die Konjunktur tatsächlich einbrechen oder sich deutlich schlechter entwickeln als erwartet, hätte das ernste Folgen. Die Krisenländer der Eurozone hätten auf einmal wieder dasselbe Staatsschuldenproblem am Hals, aus dem sie eigentlich herauswachsen wollten. Die Steuereinnahmen würden zurückgehen, ohne dass die Nationalstaaten sich durch neue Kredite Handlungsspielraum verschaffen könnten. Menschen, die sich endlich Hoffnung gemacht hatten, wieder eine Arbeit zu finden, würden arbeitslos bleiben. Die Bereitschaft zu Wirtschaftsreformen, gegen die in Frankreich gerade gestreikt werde, würde weiter sinken.

Die Berliner große Koalition hat es da noch vergleichsweise gut. Sie müsste sich nur fragen, welche ihrer Versprechungen sie vom Speisezettel der Wahlbürger streichen will. Auch das wäre ein paar Monate vor der bayerischen Landtagswahl eine Tortur. Aber es wäre ein Luxusproblem verglichen mit den Herausforderungen für Italien, Frankreich und Griechenland.

Von der Zentralbank wäre wohl keine Hilfe zu erwarten

Zumal diesmal keine Rettung von der Europäischen Zentralbank kommen dürfte. Die Notenbank hat kaum noch Spielraum, die Wirtschaft zu stimulieren. Außerdem ist die Inflation wieder da, sodass es keine Begründung für weitere Maßnahmen geben würde. Die Förderung des Wirtschaftswachstums steht ausdrücklich nicht im Pflichtenheft der Zentralbanker.

Noch meinen die meisten Experten, dass der Aufschwung intakt ist, wenn auch auf niedrigerem Niveau als erhofft. Viele von ihnen schicken zur Zeit jeden Abend ein Stoßgebet in den Himmel. Sie beten, dass der amerikanische Präsident Donald Trump weder den Syrienkonflikt, noch den Handelsstreit mit China und dem Rest der Welt eskalieren lässt. Denn dann könnte aus der kippligen Lage schnell etwas anderes werden: eine waschechte Rezession. 

Ursula Weidenfeld ist Wirtschaftsjournalistin in Berlin. In ihrem Buch „Regierung ohne Volk. Warum unser politisches System nicht mehr funktioniert.“ schreibt sie über die politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland.

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