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Eine Zuckersteuer würde vor allem die Armen treffen

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MEINUNGReizthema Zucker  

Eine Zuckersteuer würde vor allem die Armen treffen

Eine Kolumne von Ursula Weidenfeld

08.05.2018, 17:27 Uhr
Eine Zuckersteuer würde vor allem die Armen treffen. Moralisches Ungleichgewicht: Während über Alkohol- und Zuckerkonsum gnadenlos gerichtet wird, werden Unfälle bei teuren Hobbys weiterhin als Aufgaben der Allgemeinheit betrachtet. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Moralisches Ungleichgewicht: Während über Alkohol- und Zuckerkonsum gnadenlos gerichtet wird, werden Unfälle bei teuren Hobbys weiterhin als Aufgaben der Allgemeinheit betrachtet. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

In Politik und Ärzteschaft wird über die Einführung einer Zuckersteuer diskutiert. Wahrscheinlich würde sie wirken, zugleich aber vor allem die Armen der Gesellschaft weiter belasten, meint Ursula Weidenfeld.

"Zucker ist das neue Rauchen" – mit Slogans wie diesem verlangt ein Bündnis von Ärzten, Krankenkassen und Gesundheitsexperten von der Bundesregierung, rasch eine Zuckersteuer einzuführen. Diabetes-Aktivisten fordern zusätzlich eine Fettsteuer, die sehr reichhaltige Lebensmittel teurer machen soll. Und Kinderärzte schließlich schlagen Alarm, weil auch Kinder immer dicker werden, es aber kein Werbeverbot für Süßigkeiten gibt.

Zwar wehrt sich Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) noch gegen diese Forderungen. Doch in allen Parteien wachsen die Sympathien für ein strafferes Regime gegen Tabak, Zucker, Fett und Alkohol. Dem Schlaraffenland soll es an den Kragen gehen – ähnlich wie schon in Großbritannien, Dänemark oder Mexiko. Ernährungsbedingte Krankheiten wie Sucht, Fettleibigkeit oder Diabetes ließen sich anders nicht bekämpfen, argumentieren die Experten.

Zwang zum Verzicht

Dennoch wäre es ein Fehler, jetzt höhere Alkohol- oder Zuckersteuern zu beschließen. Denn sie würden die Benachteiligten der Gesellschaft besonders hart treffen. Und sie wären ein schlagender politischer Beweis dafür, wie es die politisch aufgeklärte Klasse mit den sozial Schwachen hält: Es geht nicht mehr darum, Benachteiligte zu bilden und sie zu einem gesünderen Leben zu befähigen. Sie sollen in den Verzicht gezwungen werden.

Alkoholsucht, Tabakabhängigkeit und Übergewicht sind nämlich gesellschaftlich sehr ungleich verteilt: Bildungsferne und Arme sind viel stärker betroffen als Gebildete und Wohlhabende. Internationale Studien, die Anfang April in der medizinischen Fachzeitschrift "The Lancet" zitiert wurden, zeigen, dass höhere Preise tatsächlich den gewünschten Effekt haben. Arme Menschen kaufen weniger Alkohol und Zigaretten, wenn die Ware teurer wird.

Wenn man wisse, was gegen die Zivilisationskrankheiten hilft, müsse man auch handeln, sagen Ärzte und Krankenkassen. Die Allgemeinheit dürfe nicht dauerhaft für den ungesunden Lebensstil anderer in Anspruch genommen werden. Allein 40 Milliarden Euro kostet der Alkoholmissbrauch im Jahr, rechnet die deutsche Hauptstelle für Suchtgefahren vor. Ernährungsbedingte Krankheiten schlagen nach Schätzungen der Krankenkassen mit 80 Milliarden Euro zu Buche. Bezahlen müssen das alle Versicherten.

Debatte mit erhobenem Zeigefinger

Kein Zweifel: Es wäre gut, wenn die Kosten für falsche Ernährung nicht mehr bezahlt werden müssten. Wenn Menschen das Rauchen aufgeben, weniger trinken, nicht viel Zucker oder Fett essen, leben sie länger und besser.

Doch hat sich eine seltsame moralische Gewichtung unterschiedlicher Gebrechen eingebürgert. Während über Alkoholkonsum, Tabakrauch und Fettleibigkeit erbittert und gnadenlos gerichtet wird, werden Reit-, Motorrad- und Skiunfälle, Abstürze mit Gleitschirmen oder Havarien mit schnellen E-Bikes selbstverständlich weiterhin als Aufgaben der Allgemeinheit betrachtet.

Die mutwillig eingegangenen Gesundheitsrisiken derjenigen, die sich Hobbys an der frischen Luft leisten, werden genauso wenig infrage gestellt wie ihre Entspannungsrituale. Denn dieselben Aktivisten, die ein rigoroses Vorgehen gegen Fett, Alkohol und Zucker empfehlen, versammeln sich auf der anderen Seite der Barrikade, wenn es um Marihuana geht. Diese Schizophrenie wird nur durch die unterschiedlichen gesellschaftlichen Sphären erklärbar, in denen bestimmte Rauschmittel vorzugsweise konsumiert werden.

Zucker-, Alkohol- und Fettsteuern mögen in unteren Einkommensschichten zwar wirken. Aber sie sind nicht so harmlos und sinnvoll, wie sie erscheinen. An den Suchtursachen, an Bildungsarmut und Perspektivlosigkeit, ändern sie nämlich gar nichts. Hier aber muss man anfangen, wenn man wirklich etwas ändern will. Denn: Gebildete und wohlhabende Bürger sind dünner, weil sie es so wollen. Nicht, weil sie jemand zwingt.

Ursula Weidenfeld arbeitet als Wirtschaftsjournalistin in Berlin. Ihr jüngstes Buch heißt „Regierung ohne Volk“.

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