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Kolumne: Warum Autokonzerne nicht aus ihren Fehlern lernen

MEINUNGMogelei bei Audi und Co.  

So verspielen die Autokonzerne ihre Zukunft

Eine Kolumne von Ursula Weidenfeld

19.06.2018, 13:20 Uhr
Kolumne: Warum Autokonzerne nicht aus ihren Fehlern lernen. Eine Säule mit den Audi-Ringen: Auch der Autokonzern aus Ingolstadt ist in den Strudel des Abgasskandals geraten. (Quelle: dpa/Armin Weigel)

Eine Säule mit den Audi-Ringen: Auch der Autokonzern aus Ingolstadt ist in den Strudel des Abgasskandals geraten. (Quelle: Armin Weigel/dpa)

Milliardenstrafe, U-Haft, Gerichtsverfahren: Die deutsche Autoindustrie stolpert von Skandal zu Skandal. Im Anschluss wird stets Besserung gelobt. Bislang sind das nur Versprechen.

Audi-Chef Rupert Stadler soll völlig verblüfft gewesen sein, als er am Montag in der Nähe von Ingolstadt in Untersuchungshaft genommen wurde. Eigentlich wollte der Spitzenmanager nach Wolfsburg fliegen, zur Aufsichtsratssitzung des Volkswagen-Konzerns, zu dem Audi gehört. Doch die Staatsanwaltschaft München hatte anderes mit ihm vor. Sie setzte den Mann fest. Beim Verfahren um die Abgasmanipulation von Autos habe die Gefahr der Verdunklung und Zeugenbeeinflussung bestanden. Jetzt sitzt Stadler nicht nur in Haft. Sein Job ist wohl auch bald weg.

Damit hat die Abgasaffäre der deutschen Autoindustrie ein neues Stadium erreicht. Mit der Verhaftung wird deutlich, dass das Topmanagement des Volkswagenkonzerns nach Auffassung der Staatsanwaltschaft immer noch nicht kooperiert. Kaum anders sieht es bei Daimler aus: Chef Dieter Zetsche musste sich von CSU-Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer zwingen lassen, rund 770.000 Autos zurückzurufen, um die Abgasanlagen in einen ordnungsgemäßen Zustand zu versetzen. Gegen diesen Ukas will die Firma notfalls vor Gericht klagen.

Die Unternehmen müssten es besser wissen. Sie müssten wissen, dass Kooperation mit den Behörden, Offenheit gegenüber der Öffentlichkeit und die Übernahme von Verantwortung im eigenen Unternehmen entscheidend sind, wenn es um die Bewältigung von Affären geht. Volkswagen weiß das seit dem Jahr 2005. Damals wurde bekannt, dass das Unternehmen seine Betriebsräte über Jahre hinweg bestochen hatte. Daimler sind Ermittlungen und die Zusammenarbeit mit Strafverfolgungsbehörden spätestens seit 2010 bekannt. In dem Jahr flog auf, dass Auslandsgeschäfte im Konzern zwischen 1998 und 2008 in großem Stil mit Schmiergeldzahlungen angeschoben wurden.

Beide Konzerne schworen nach den Affären, künftig anders wirtschaften zu wollen. Hunderte von Kontrolleuren, Unternehmensberatern und Ombudsleuten wurden angeheuert, um jede Ecke auszuleuchten. Manager und Mitarbeiter wurden in Benimm-Seminaren geschult, nur noch anständige Geschäfte zu machen. Beschäftigte wurden ermutigt, Missstände anzuzeigen. Neue Unternehmensabteilungen wurden gegründet, damit die Unternehmen in allen Ländern der Welt als gesetzestreue Bürger auftreten konnten. Ein Milliardenaufwand in den Unternehmen, zusätzlich zu den Strafzahlungen und Verurteilungen vor Gericht.

Lektion gelernt, hieß es danach. Betrug sollte nicht mehr möglich sein. Das war das Versprechen.

Und jetzt der Abgasskandal. Klar, es ist eine andere Baustelle. Der Volkswagen-Skandal "alt" spielte sich vor allem in der Personalabteilung ab, die Daimler-Affäre "alt" im Auslandsgeschäft und beim Vertrieb. Die heutigen Probleme dagegen betreffen die Ingenieure und die Entwicklungsabteilungen. Doch sie zeigen, wie wenig in der Zwischenzeit erreicht wurde. Mitarbeiter schweigen lieber immer noch, anstatt Betrügereien anzuzeigen.

Kein Unrechtsbewusstsein bei den Konzernen

Obwohl Gesetze übertreten werden, herrscht keinerlei Unrechtsbewusstsein. Man habe das nicht wissen können, man habe angenommen, alles sei in Ordnung, und man habe sich schließlich nicht selbst bereichert.

Unternehmen, die so denken und handeln, legen sich selbst an die Kette. Für sie steht viel mehr auf dem Spiel, als nur die Karriere von ein paar Topmanagern. Ihre Eigentümer – die Aktionäre – werden geschädigt, weil die Aktienkurse verfallen. Die Arbeitsplätze sind gefährdet. Die Mitarbeiter werden verunsichert. Die Kunden reagieren mit Misstrauen. Neue Produkte entstehen nur mit Verzögerung. Die Aufsichtsbehörden entziehen ihnen die Zulassung für bestimmte Märkte.

Unternehmen mit ungeklärten Skandalen werden von großen öffentlichen Aufträgen ausgeschlossen.

Die Zukunft solcher Unternehmen steht auf dem Spiel. Unternehmen wie Volkswagen wissen das. Deshalb dürfen sie nicht nur versprechen, bei der Aufklärung zu helfen, Verantwortung zu übernehmen, und demnächst alles besser zu machen. Sie müssen es auch tun.

Ursula Weidenfeld ist Wirtschaftsjournalistin. In ihrem Buch "Regierung ohne Volk. Warum unser politisches System nicht mehr funktioniert." schreibt sie über die Probleme der deutschen Politik.

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