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Verspätungen bei Urlaubsflügen: Verlangen Sie eine Entschädigung!

MEINUNGVerspätungen und Ausfälle  

Fluggäste dürfen sich das nicht mehr gefallen lassen!

Von Ursula Weidenfeld

10.07.2018, 13:36 Uhr
Verspätungen bei Urlaubsflügen: Verlangen Sie eine Entschädigung!. Wartende Passagiere im Flughafen in Frankfurt: 13.000 Flugstreichungen im ersten Halbjahr in Europa. (Quelle: Getty Images/Thomas Lohnes)

Wartende Passagiere im Flughafen in Frankfurt: 13.000 Flugstreichungen im ersten Halbjahr in Europa. (Quelle: Thomas Lohnes/Getty Images)

Im ersten Sommer nach dem Konkurs von Airberlin häufen sich die Verspätungen und Ausfälle an Deutschlands Flughäfen. Die Passagiere könnten den Fluggesellschaften Beine machen – sie müssten nur lauter werden.

Manchmal ist es gut, wenn ein Prominenter das Schicksal erholungsbedürftiger Sommerurlauber teilt. Als der Unternehmer und ewige Talkshow-Gast Wolfgang Grupp kürzlich von Stuttgart nach Berlin fliegen wollte, hatte die Fluggesellschaft Eurowings seinen Flug einfach gestrichen. Der Trigema-Chef musste umbuchen, kam zu spät und ärgerte sich in der Bild-Zeitung lautstark. „Für mich war dies, letzte Woche, der letzte Flug mit Lufthansa“, drohte er den Chefs der Eurowings-Muttergesellschaft.



Tausende anderer Fluggäste leiden in diesen Tagen in aller Stille. Ihre Flüge in die Ferien kommen viel zu spät an, oder sie werden kommentarlos annulliert. Ihr Gepäck wird gar nicht erst eingeladen, oder es stapelt sich nach der Ankunft auf den Flughäfen. 13.000 gestrichene Flüge zählte das Passagierrechtsportal EUClaim bis zu diesem Sommer, dazu 3.200 Flüge, die mehr als drei Stunden verspätet landeten. In den vergangenen Wochen haben sich diese Zahlen noch einmal deutlich erhöht.

Lufthansa: Monopolstellung auf dem deutschen Flugmarkt

Das deutsche Flugnetz arbeitet an seiner Kapazitätsgrenze. Doch die Ursachen dafür sind zum größten Teil hausgemacht. Auf innerdeutschen Strecken fehlt seit dem Ende von AirBerlin im vergangenen Jahr der Wettbewerb. Die ohnehin dominierende Lufthansa wurde Haupterbin der Pleite-Gesellschaft, und damit erst einmal Quasi-Monopolist. Fast neunzig Prozent des innerdeutschen Luftverkehrs werden heute von Lufthansa und ihrer Billigtochter Eurowings bestritten.

Ausgerechnet die damalige Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries, eigentlich oberste Wettbewerbspolitikerin des Landes, fädelte diesen Deal zu Lasten der Kunden ein. Die Folge: Zuerst stiegen die Preise, dann häuften sich die Flugausfälle. Unternehmer Grupp wirft der Lufthansa vor, wenig ausgelastete Flüge einfach zu streichen. Es gibt ja keinen Wettbewerb mehr, man muss also nicht fürchten, dass die Kunden abwandern. Nicht jeder hat – wie Grupp – einen Firmen-Helikopter, auf den er zur Not ausweichen kann.

Die Lufthansa kommentiert diesen Verdacht nicht. Sie entschuldigt sich aber eilfertig bei allen Reisenden für das „inakzeptable Niveau“ der Unpünktlichkeit und dankt „für Ihre Geduld und für Ihr Verständnis“.

Das Ende von Airberlin wirkt lange nach

Davon werden vor allem Urlauber in diesem Sommer noch mehr brauchen als üblich. Denn nicht nur die Lufthansa hat Probleme, und die Schwierigkeiten sind nicht auf das Inland begrenzt. Es gebe keine „Blaupause“ für die Integration einer gestrandeten Fluglinie in das eigene Unternehmen, stöhnen die Eurowings-Chefs stellvertretend für die Manager anderer Fluggesellschaften, die die Ferienflüge von Airberlin nahtlos weiterbetreiben wollten.

Es ist nicht gelungen, die Airberlin-Piloten und das Kabinenpersonal reibungslos an Bord zu nehmen, die nötigen Start- und Landerechte pünktlich zu erwerben, und die Betriebserlaubnis für die Maschinen rechtzeitig zu erhalten. Jetzt gibt es im Ferienbetrieb zu viele Passagiere für zu wenig Flugzeuge, und es gibt zu viele Flugzeuge für beschränkte Start-, Lande- und Abfertigungskapazitäten. 

Getrieben von veränderten Marktbedingungen

Längst sind die Fluggesellschaften selbst Getriebene: Sie müssen die Verträge mit den Pauschalreisegesellschaften lange im Voraus verhandeln – bevor sie wissen, wie oft und wann sie abheben dürfen. Das Risiko für diese Vorausverträge bleibt bei ihnen. Deshalb werden in diesen Verträgen Erwartungen gehandelt, keine Realität.

Buchen weniger Gäste als gedacht, geben die Tourismusunternehmen die Plätze zurück. Werden die Verträge dagegen tatsächlich erfüllt, müssen die Fluggesellschaften sehen, woher sie kurzfristig die erforderliche Kapazität bekommen. In beiden Fällen müssen die Flugpläne angepasst, Flüge zusammengelegt und Flugzeiten verändert werden. Kommen dann noch Streiks, Gewitter, Sturm und Personalprobleme bei der Flugaufsicht dazu, ist das Chaos programmiert.

Im Inland hilft nur Umsteigen

Abgeladen wird der Ärger bei den Fluggästen. Nicht alle werden so laut wie der Trigema-Chef. Doch solange die Passagiere geduldig leiden und sich mit lauen Entschuldigungsbriefen zufriedengeben, brauchen weder die Fluggesellschaften noch die Tourismusunternehmen ihr Geschäftsmodell anzupassen. Im Inland hilft nur Umsteigen, um Lufthansa und Eurowings Beine zu machen – auf Easyjet, die Bahn oder das eigene Auto.

In den Ferien sollte man sich zwar grundsätzlich nicht ärgern: Doch eine Entschädigung zu verlangen, bessert nicht nur die Reisekasse auf. Es erhöht den Druck auf die Reisebranche, endlich zuverlässig zu werden. (Und wem es zu lästig ist, sich selbst mit den unwilligen Fluggesellschaften und Veranstaltern in Verbindung zu setzen, kann seine Ansprüche über Portale wie Fairplane oder Flight­right geltend machen, die Stiftung Warentest in einem Fluggastrechte-Special auflistet.)

Ursula Weidenfeld ist Wirtschaftsjournalistin in Berlin. Ihr neues Buch heißt: "Regierung ohne Volk. Warum unser politisches System nicht mehr funktioniert."

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