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Ein Teufelskreis – Hitzewelle treibt den Strompreis

Teufelskreis durch Hitzewelle  

Warum der Strompreis trotz Rekord bei der Solarenergie steigt

07.08.2018, 18:57 Uhr | sm, t-online.de

Ein Teufelskreis – Hitzewelle treibt den Strompreis. Solaranlage: Die Gluthitze in Deutschland treibt die Energieproduktion von Solaranlagen auf Rekordstände. Dennoch steigt der Strompreis. (Quelle: Getty Images/Andree_Nery)

Solaranlage: Die Gluthitze in Deutschland treibt die Energieproduktion von Solaranlagen auf Rekordstände. Dennoch steigt der Strompreis. (Quelle: Andree_Nery/Getty Images)

Es herrscht Gluthitze in Deutschland. Seit Wochen strahlt die Sonne bei Temperaturen über 30 Grad um die Wette. Die Betreiber von Solaranlagen können sich über ein Rekordjahr freuen. Warum das zu höheren Strompreisen führen kann.

Dank des heißen Sommerwetters produzieren Solaranlagen auf Rekordniveau. Allein im Juli hat der Solarstrom in Deutschland 15 Prozent der Stromerzeugung ausgemacht und 6,7 Milliarden Kilowattstunden produziert, so das Fraunhofer-Institut. Das entspricht dem Jahresbedarf von knapp zwei Millionen Haushalten. Nur: Strom lässt sich nicht unbegrenzt auf Halde produzieren. So könnte das heiße Sommerwetter einen Teufelskreis in Gang setzen, der höhere Strompreise für private Verbraucher mit sich bringt.

Rekordproduktion und dennoch geringeres Angebot

Wie das? Die Stromerzeugung aus konventionellen Kraftwerken wird zurückgefahren und Atomkraftanlagen abgeschaltet. Die Dürre in Deutschland lässt das Futter für Biogasanlagen knapp werden und die Windstille lässt Windräder verstummen. Da der Anteil der erneuerbaren Energien bei der Stromproduktion bei mittlerweile bei rund 36 Prozent liegt, fehlt ein Großteil des Angebotes. Allein die Sonnenergie kann dies nicht auffangen. Die kurzfristigen Großhandelspreise an der Strombörse EEX klettern auf Höchststände. So lagen die Spotpreise für Strom Anfang August 2018 zeitweise bei über 60 Euro pro Megawattstunde.

Damit liegt der durchschnittliche Spotmarktpreis an der Strombörse im Jahr 2018 rund 30 Prozent über dem Niveau von 2016. Bereits im Jahr 2017 zogen die Strompreise gegenüber dem Vorjahr und durchschnittlich 18 Prozent an. Ähnlich die Situation am Terminmarkt. Nach Zahlen des Internationalen Wirtschaftsforums Regenerative Energien (IWR) kletterte der Preis im Jahr 2017 für die Stromlieferung 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 22 Prozent.

Aufgrund der gestiegenen Einkaufspreise könnten Energieversorger unter Druck geraten, die Preissteigerung an ihre Kunden weiterzugeben. Allerdings haben sich viele Versorger am Terminmarkt, bei dem Strom über Jahre hinaus gehandelt wird, den Strom von heute zu günstigen früheren Konditionen gesichert.

Spotmarkt: Am Spotmarkt werden kurzfristige Stromkontrakte gehandelt. Die Lieferung des Stroms erfolgt entsprechend der ermittelten Tagespreise noch am gleichen oder am folgenden Tag. Anders am Terminmarkt: Hier werden längerfristige Stromeinkäufe über sogenannte Strom-Futures getätigt, deren Lieferung in der Zukunft liegt – teilweise Jahre später. Damit können Versorger eine günstige Preissituation auch für die Zukunft nutzen.

Hitze treibt die Nachfrage

Laut dem Vergleichsportal Verivox kaufen Energieunternehmen 20 bis 30 Prozent der Energie am Spotmarkt und den Rest in der Regel über langfristige Futures. Das hieße, der aktuell hohe Strompreis dürfte somit nicht erheblich ins Gewicht fallen. Doch mit der steigenden und anhaltenden Hitze steigt auch die Nachfrage nach Strom. In Privathaushalten laufen Ventilatoren, Kühlschränke oder Klimaanlagen auf Hochtouren. Das gleiche bei industriellen Stromkunden, die zudem ihre Industrieanlagen und Produktionsstätten kühlen müssen.

Der gestiegene Strombedarf muss zusätzlich – unter anderem durch den Einkauf am Spotmarkt – gedeckt werden. Auch eine Rekordproduktion bei Solarstrom kann den erhöhten Bedarf nicht decken. Und schon steigt der Preis.

Strompreis für Verbraucher: Die Großhandelspreise für Strom machen weniger als ein Fünftel des Endpreises für private Stromkunden aus. Der Rest entfällt auf Netzgebühren, Steuern und Abgaben wie die Umlage für Erneuerbare Energien (EEG). Mit der EEG-Umlage, die jeder Stromkunde zahlt, wird die Differenz zwischen der Einspeisevergütung und dem Erlös aus dem Verkauf an der Strombörse abgefedert. Sie macht inzwischen rund ein Viertel des Strompreises aus.

Die Psyche spielt auch mit

Ein weiterer Aspekt ist psychologischer Natur, betont Verivox: So führen ein aktuell oder auch perspektivisch steigender Ölpreis im Zusammenhang mit steigenden Preisen für CO2-Emissionen und politischen Bekenntnissen zum Atom- und Kohleausstieg zu Verunsicherungen auf dem Energiemarkt.

Hier kommt auch der Verbraucher ins Spiel. Ein Großteil der Stromkunden ist noch immer beim lokalen Versorger und viele zudem noch im teuren Grundtarif. Ein Punkt, mit dem die Kunden selbst Einfluss auf ihren individuellen Strompreis ausüben können. So bezahlt ein Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4.000 kWh im Standardtarif des örtlichen Grundversorgers aktuell durchschnittlich 1.234 Euro. Laut dem Vergleichsportal ist die die gleiche Strommenge im günstigsten verfügbaren Tarif mit empfehlenswerten Bedingungen und Neukundenbonus für 777 Euro zu haben. Macht eine Ersparnis von über 450 Euro. Übrigens: Um nicht von Strompreiserhöhungen überrascht zu werden, sollten wechselwillige Verbraucher bei der Wahl Stromtarifs auch auf möglichst langfristige Preisgarantieren während der Vertragslaufzeit achten. 

Verwendete Quellen:
  • European Energy Exchange AG
  • Fraunhofer ISE
  • Bundesnetzagentur
  • Verivox
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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