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Babyboomer-Chefs: Die Methusalixe verhindern den Generationswechsel

MEINUNGMethusalixe in Chefetagen  

Der Nachwuchs verzweifelt am Sitzfleisch der Alten

Eine Kolumne von Ursula Weidenfeld

18.09.2018, 09:56 Uhr
Babyboomer-Chefs: Die Methusalixe verhindern den Generationswechsel. Die – männliche – Führungsriege von ThyssenKrupp bei der Hauptversammlung Anfang 2018 in Bochum: Heinrich Hiesinger (3. v. li) wird Vorstand verlassen. (Quelle: dpa)

ThyssenKDie – männliche – Führungsriege von ThyssenKrupp bei der Hauptversammlung Anfang 2018 in Bochum: Heinrich Hiesinger (3. v. li) wird Vorstand verlassen.rupp HV 018 (Quelle: dpa)

Die Babyboomer im Management der Unternehmen räumen ihre Sessel nicht. Auch deshalb fällt Deutschland in der Digitalisierung zurück.

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, wie der neue Chef von ThyssenKrupp aussehen könnte? Der bisherige Vorstandsvorsitzende Heinrich Hiesinger (58) hat seinen Posten im Sommer hingeworfen, ein Nachfolger wird verzweifelt gesucht. Angeblich schon abgesagt haben: Matthias Zachert (50), Chef des Chemie-Konzerns Lanxess. Tom Enders (59), erster Mann bei Airbus. Olaf Berlien (55), Vorstandsvorsitzender des Lichtunternehmens Osram.

Wenn Ihr Kandidat also bereits Erfahrung als erster Mann in einem Großunternehmen sammeln konnte, männlich und über 50 ist, hätte er wahrscheinlich ganz gute Aussichten, die Stelle zu bekommen. Trifft eine dieser Eigenschaften nicht zu, sollte der Kandidat (oder die Kandidatin) sich lieber keine Hoffnungen machen. Denn die Führung der meisten deutschen Unternehmen ist und bleibt fest in den Händen der (männlichen) Babyboomer.

Das ist eine gute Nachricht für die deutschen Sozialversicherungen, aber eine schlechte für die Unternehmen und ihre jüngeren Mitarbeiter. Jeder, der länger arbeitet als er muss, spart der Rentenkasse zwar bares Geld. Er mildert den demografischen Wandel, und tut sich und der Volkswirtschaft Gutes. Betriebswirtschaftlich aber droht die Rechnung anders auszugehen: Wer länger bleibt, bremst den Wandel. Er hindert die Firmen womöglich sogar daran, sich schnell und agil auf den Bruch mit Bewährtem einzulassen, und zukunftsfähig zu bleiben.


Dennoch denken die Babyboomer-Chefs nicht daran, das Ruder aus der Hand zu geben, im Gegenteil. Neue Führungspositionen werden immer noch am liebsten mit Kandidaten besetzt, die den Vorgängern ähnlich sind: also mit älteren Herren, die viel von Technik, von Finanzen, Personalführung oder Marketing verstehen –  von der Digitalisierung aber genauso wenig wie ihre noch einmal deutlich älteren Aufsichtsräte.

Ältere Führungskräfte können den rasanten Wandel kaum gestalten

Das Problem pflanzt sich ins mittlere Management fort. Fast 52 Jahre ist der Mittelmanager im Durchschnitt alt, hat das Statistische Bundesamt ermittelt. Nur einige von ihnen freuen sich auf die Umbrüche, die Globalisierung und Digitalisierung schon bald erzwingen. Viele der rund vier Millionen angestellten Manager der mittleren und oberen Führungsebene begegnen dem digitalen Wandel mit Skepsis und Ablehnung. Den heute notwendigen rasanten Wandel aber können ältere Führungskräfte  schon deshalb kaum gestalten, warnt der Arbeitsmarktexperte Alexander Speermann. Deshalb plädiert der Forscher dafür, zumindest das gesetzliche Rentenalter oder innerbetriebliche Altersgrenzen ernst zu nehmen. Das wird schwierig. Denn mehr als drei Viertel der Führungskräfte würden am liebsten weit über das gesetzliche Rentenalter hinaus weiter arbeiten, berichtet das Wirtschaftsmagazin Brandeins.

Sie haben in der Regel bereits das Ende ihres beruflichen Aufstiegs erreicht, erwarten keine deutlichen Gehaltszuwächse mehr, und wollen nun vor allem dreierlei: Statuserhalt, Ruhe und Sicherheit. Pläne wie die des Daimler-Chefs Dieter Zetsche, die Hierarchien im Unternehmen von sechs auf zwei Stufen zu reduzieren, werden intern verbissen bekämpft und verschleppt. Die "Nichts-wird-so-heiß-gegessen"-Mentalität der Methusalixe fördert Verblendung und falsche Selbstzufriedenheit.

Der Nachwuchs verzweifelt am Sitzfleisch der Babyboomer

Die ambitionierten Nachwuchskräfte haben dagegen ziemlich klare Vorstellungen, wie das Unternehmen der Zukunft aussehen könnte. Sie erwarten flache Hierarchien, arbeiten am liebsten in Teams und sehen ihre Chefs weniger als Kontrolleure, sondern eher als Pfadfinder. Auf der Jobbewertungsplattform Kununu klagen sie, dass der Kampf um die besten Köpfe zwar vor den Werkstoren geführt wird – doch drinnen sehe es immer noch aus wie früher.

Es ist wie verhext. Die Konzerne sind auf junge Facharbeiter und Hochschulabsolventen angewiesen. Doch sie sehen ungerührt zu, wie der Nachwuchs an der Beharrlichkeit und am Sitzfleisch der Babyboomer verzweifelt. Auf die Dauer kann das nicht gut gehen. 

Ursula Weidenfeld ist Wirtschaftsjournalistin in Berlin. Ihr neues Buch heißt:  "Regierung ohne Volk. Warum unser politisches System nicht mehr funktioniert.

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