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Diesel-Einigung: Deutschland ist zur politischen Ökozone geworden | Kolumne

MEINUNGDiesel-Einigung  

Deutschland ist zur politischen Ökozone geworden

Von Ursula Weidenfeld

02.10.2018, 15:52 Uhr
Diesel-Einigung: Deutschland ist zur politischen Ökozone geworden | Kolumne. Ein qualmender Auspuff: Deutschland ist mental zur politischen Ökozone geworden, schreibt unsere Kolumnistin Ursula Weidenfeld. (Quelle: dpa/Ina Fassbender)

Ein qualmender Auspuff: Deutschland ist mental zur politischen Ökozone geworden, schreibt unsere Kolumnistin Ursula Weidenfeld. (Quelle: Ina Fassbender/dpa)

Die große Koalition hat sich im Dieselskandal endlich geeinigt. Doch das Autofahren wird trotzdem in den kommenden Jahren teuer und unerfreulich bleiben.

Besitzer von Dieselautos in Großstädten können in den nächsten Wochen und Monaten ihre Autos gegen einen satten Zuschuss umtauschen. Außerdem sollen Nachrüstungen mit Katalysatoren helfen – wenn ein solch aufwendiger Umbau der Autos überhaupt noch nötig wird. Denn viele Fahrer werden das Umtauschangebot annehmen, die Stickoxid-Belastung in den Innenstädten sollte schon im kommenden Jahr spürbar sinken. Dann sind Fahrverbote möglicherweise bald überflüssig.

Doch der Spuk wird damit noch lange nicht vorbei sein. Die völlig misslungenen Verzögerungs- und Betrugsmanöver der vergangenen drei Jahre haben aus dem einstigen Autoland Deutschland mental eine politische Ökozone gemacht. Die wird nicht verschwinden, auch wenn die Stickoxid-Werte unter die Grenzwerte fallen.

Mobilität wird teurer

Für Autohersteller, Fahrer, Pendler und Landbewohner heißt das: Mobilität wird teurer. Und es wird noch mehr Ärger geben. Das nächste große Thema wird das Klimagas Kohlendioxid. Dieselautos stoßen vergleichsweise wenig Kohlendioxid aus, Benzinautos dafür umso mehr. In den kommenden Jahren werden also im morgendlichen und abendlichen Berufsverkehr weniger Stickoxide, dafür aber mehr Kohlendioxid als bisher freigesetzt. Die Dieselmotoren werden ja in der Regel durch Benziner und nicht durch Elektroautos ersetzt.

Einer Bundesregierung, die im Jahr 2030 ihre Klimaziele erreichen will, kann das nicht egal sein. Einer Koalition, die sich für diese Legislaturperiode die Verkehrswende als Ziel vorgenommen hat, erst recht nicht – sie hat gerade erst neue CO2-Ziele für Fahrzeugflotten beschlossen: minus 30 Prozent bis 2030. Die Flottenverbräuche werden also deutlich sinken müssen. Sicher ist jetzt schon, dass ein paar E-Autos im Angebot der Hersteller die Sache nicht richten werden. 

Der Diesel belastet die deutschen Straßen: Im Autoland Deutschland hat er eine große und historisch gewachsene Bedeutung. (Quelle: t-online.de)

Feinstaub bleibt ein Problem

Parallel dazu wird die Feinstaubproblematik neu diskutiert. Unabhängig von der Frage, wie gefährlich Feinstaub tatsächlich ist, werden Umweltverbände auch hier auf das weitere Absenken und Einhalten von Grenzwerten klagen. Der größte Teil des Feinstaubs in deutschen Städten wird aber nicht von Dieselmotoren freigesetzt, sondern von den Bremsen und dem Reifenabrieb aller Fahrzeuge, von Baustellenstaub und von Heizungen.

Langsamer fahren, weniger bremsen? Klar, das kann man sich vornehmen. Aber es wird nicht reichen. Am Ende wird die Reifenindustrie abriebarme Modelle entwickeln müssen, gegen das eigene Geschäftsinteresse: Je weniger Abrieb, desto seltener müssen neue Reifen gekauft werden. Die Industrie wird versuchen, die neuen Pneus mit einem deutlichen Aufpreis unters Volk zu bringen.

Pioniere der Verkehrswende

Für Autofahrer werden die kommenden Jahre unerfreulich und teuer, auch wenn in der Dieselfrage jetzt ein Weg gefunden wurde. In den Großstädten werden die Verbraucher schon bald Alternativen finden und nutzen. Carsharing, Fahrräder und öffentlicher Nahverkehr werden eine wichtigere Rolle spielen, hier wird auch die Elektromobilität Karriere machen. Die Bewohner der Städte werden, ob sie wollen oder nicht, Pioniere der Verkehrswende.

Die dünn besiedelten Regionen aber werden Autoland bleiben, dort wird auch der Verbrennungsmotor noch lange wichtig sein. Die meisten Eigentümer dieser Autos werden in den kommenden Wochen und Monaten kein Umtausch- oder Nachrüstungsangebot bekommen. Sie werden die alten Autos weiter fahren. Es ist nur fair, ihnen den Weg in die Innenstädte dennoch zu gestatten.

Ursula Weidenfeld ist Wirtschaftsjournalistin in Berlin. Ihr neues Buch heißt: "Regierung ohne Volk. Warum unser politisches System nicht mehr funktioniert."

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