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Kolumne: Inflation und Niedrigzinsen – Die EZB verrät die Sparer

MEINUNGInflation und Niedrigzinsen  

Die EZB verrät die Sparer

Von Ursula Weidenfeld

09.10.2018, 14:35 Uhr
Kolumne: Inflation und Niedrigzinsen – Die EZB verrät die Sparer. Ein Geldstück: In der Euro-Zone wird alles teurer – doch die Renditen für Sparer bleiben äußerst niedrig. Das liegt an der Europäischen Zentralbank.  (Quelle: dpa/Julian Stratenschulte)

Ein Geldstück: In der Euro-Zone wird alles teurer – doch die Renditen für Sparer bleiben äußerst niedrig. Das liegt an der Europäischen Zentralbank. (Quelle: Julian Stratenschulte/dpa)

Die Inflation ist da – und die Zentralbank ist längst zum Spieler auf dem politischen Parkett geworden. Ihre eigentliche Aufgabe aber vernachlässigt sie.

Es war der trockene Sommer. Er ist schuld, dass Obst und Gemüse in diesem Jahr so teuer sind wie lange nicht. Es ist der Krach zwischen den USA und dem Iran. Der ist verantwortlich dafür, dass für Benzin und Diesel viel mehr bezahlt werden müssen, als noch im vergangenen Jahr. Und dann der demografische Wandel. Kein Wunder, dass die Preise für Handwerkerleistungen zuletzt so teuer geworden sind!

Für Gespartes gibt es keine Renditen

Tatsache ist: Es ist Inflation. In Europa wird sie im Jahresschnitt um die zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr liegen, in Deutschland sogar darüber. Endlich ist sie wieder da, seufzen die Notenbankchefs der entwickelten Länder erleichtert. Jetzt können die klassischen Mittel der Geldpolitik – Zinserhöhungen – wieder greifen.

Doch für Europa gilt das leider nicht. Hier werden die Zinsen noch eine ganze Weile bei Null, oder aber sehr niedrig bleiben. Das heißt für Sparer: Für ihr Gespartes dürfen sie immer noch keine Rendite erwarten, doch die steigenden Preise für Obst, Gemüse, Benzin und die Reparatur ihres Bades müssen sie natürlich bezahlen. Sie werden ärmer.


Nach der Finanzkrise hatten die Notenbanken der Welt mit aller Kraft gegen ein deflationäres Szenario gekämpft. In einer Welt, in der die Preise permanent sinken, stirbt die Wirtschaft nach und nach ab.

Menschen und Unternehmen verschieben Anschaffungen und Investitionen, weil sie damit rechnen, morgen noch weniger dafür bezahlen zu müssen. Dadurch werden die vorhandenen Kapazitäten in der Industrie, aber auch bei der Finanzierung dauerhaft nicht mehr ausgelastet: Es wird weniger Geld verdient, und deshalb noch weniger investiert.

Die Notenbank müsste jetzt handeln

Dagegen kämpfte die Europäische Zentralbank EZB mit Negativzinsen und mit einem breit angelegten Anleihekaufprogramm. Die Minuszinsen sollten Banken, Unternehmen und Privatleute zum Geldausgeben animieren, der massenhafte Kauf von Schuldtiteln den Kreditmarkt in Gang halten.


Und nun? Jetzt ist die Inflation wieder da, jetzt könnte und müsste die Notenbank das alles stoppen. Europa und die Weltwirtschaft sind am Ende eines Konjunkturzyklus, in dem Löhne und Preise ganz normal steigen. Die Notenbanken bremsen den Preisanstieg normalerweise deshalb mit Zinserhöhungen.

Wenn Geld teurer wird, sinkt die Nachfrage nach Krediten, die Investitionstätigkeit lässt nach, das Wirtschaftswachstum geht zurück, der Preisauftrieb wird schwächer. In den USA wird genau dieser Pfad zur Zeit beschritten, in Europa jedoch nicht.

Regierungen profitieren politisch

Das hat ökonomische Folgen, die weit über die Entwertung der Sparbücher hinausgehen. Steigen in den USA die Zinsen, wird der Dollar langfristig teurer. Bleibt die Eurozone bei ihrer Nullzinspolitik, wird der Euro billiger. Das wirkt wie ein Exportförderungsprogramm für Europa.

Der Grund dafür liegt auf der Hand. Je länger die Zinsen bei Null bleiben, desto länger profitieren die Bundesregierung, besonders aber die Krisenländer des europäischen Südens von geringen Kosten für ihre Schulden. Sie können ihren Wählern in leuchtenden Farben eine Konsolidierung der Staatsfinanzen schildern, die es gar nicht gibt.


Die Notenbank soll das möglichst lange gewährleisten. So wird sie zum dauerhaften Mitspieler auf dem politischen Parkett Europas, ihre Unabhängigkeit von der Politik geht verloren. Ihr alleiniger Auftrag – der Erhalt der Geldwertstabilität – gerät darüber in den Hintergrund.

Die Geldentwertung, eigentlich ein ganz normales Phänomen in der Spätphase eines Aufschwungs, wird zum Problem. Das größere Problem Europas ist jedoch ein anderes. Es ist die neue Rolle der Notenbank. 

Verwendete Quellen:

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