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Ursula Weidenfeld: Einstellung der Deutschen zur EU

MEINUNGVon Krise zu Krise  

Wie halten Sie es mit Europa?

Eine Kolumne von Ursula Weidenfeld

11.12.2018, 11:35 Uhr
Ursula Weidenfeld: Einstellung der Deutschen zur EU. Flagge der Europäischen Union: Kurz vor der Europawahl zeigt eine aktuelle Umfrage das Meinungsbild der Deutschen zur EU. (Quelle: Getty Images/AlxeyPnferov)

Flagge der Europäischen Union: Kurz vor der Europawahl zeigt eine aktuelle Umfrage das Meinungsbild der Deutschen zur EU. (Quelle: AlxeyPnferov/Getty Images)

An den Einstellungen zur EU lässt sich auch in Deutschland eine wachsende Spaltung der Gesellschaft erkennen. Das ist keine gute Nachricht. 

Nun also auch Deutschland: Selbst die bisher tapfersten Freunde Europas wenden sich verärgert ab. Nur noch gut ein Viertel der Deutschen findet Europa prima. Das meldet eine neue Umfrage im Auftrag der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung. Fast ebenso viele Befragte halten Europa dagegen für eine schlechte Wette. Die anderen ordnen sich irgendwo zwischen ein. Ein paar Monate vor der Europawahl sind das schlechte Nachrichten. Denn sie zeigen eine gesellschaftliche und soziale Spaltung, die auch in Deutschland immer tiefer wahrgenommen wird.

Immer mehr Deutsche verlieren Vertrauen in EU

Zugespitzt kann man die Umfrage so interpretieren: Die Jungen und gut Ausgebildeten tragen den europäischen Gedanken. Die Älteren sind nicht mehr überzeugt, Bürger mit einfacher Ausbildung sind inzwischen offen gegen Europa gestimmt.

Noch grummeln die Deutschen nur unzufrieden vor sich hin, während Franzosen und Engländer wütend auf die Straße gehen. Doch das muss nicht so bleiben. Vor allem die Unentschlossenen könnten zu willigen Gefolgsleuten radikaler politischer Kräfte werden. Bei ihnen steigt und fällt die Zustimmung zu Europa mit aktuellen politischen Nachrichten. Sie sind leicht zu beeinflussen und umzustimmen.

Von einer Krise in die nächste

Im Frühjahr war die Zustimmung noch auf ein Rekordhoch gestiegen. Die Euro- und die Flüchtlingskrise schienen überwunden, das Wirtschaftswachstum nahm selbst in den fußkranken Mitgliedsländern der Union Fahrt auf. Ein gutes Drittel der Deutschen gab sich überzeugt, dass sich Europa in eine gute und richtige Richtung entwickelt. Das war vor dem innerdeutschen Krach um Migration und Obergrenze, vor der Weigerung Italiens, sich an die europäischen Regeln zu halten, vor dem Brexit-Chaos. Dann aber kam der Sommer des Missvergnügens, die alten Gräben brachen wieder auf.

Die Neuigkeiten aus Europa werden in den kommenden Monaten kaum erfreulicher ausfallen. Das Wirtschaftswachstum flaut wieder ab. Ein Handelskrieg mit den USA ist noch lange nicht abgewendet. Nach Italien entfernt sich offenbar auch Frankreich wieder von strenger Haushaltsdisziplin, wenn man den Versprechungen des französischen Präsidenten an die Protestbewegung der Gelben Westen glauben darf. Sollte es beim Brexit keine Einigung geben, wird ganz Europa schwer darunter leiden. Eine positive Haltung wird sich in diesem Umfeld kaum entwickeln.

Gemeinsamer Wirtschaftsraum in der Kritik

Wie in Frankreich und England glauben auch in Deutschland die Bürger außerhalb der Großstädte eher, dass Europa ihnen nichts bringt. Es ist nicht nur ein Gefühl. Denn während Unternehmen und Wohlhabende von den niedrigen Zinsen im Euroraum profitieren, verlieren Sparer Jahr für Jahr Wohlstand. Während Firmenchefs im gemeinsamen Wirtschaftsraum disponieren, wo sie die Brötchen backen lassen, arbeiten die Backangestellten auf dem Land oft nur noch zum Mindestlohn. Während Studenten der Generation Erasmus selbstverständlich gut versorgt im Ausland studieren, bleibt den weniger Gebildeten diese Erfahrung versperrt.

Das amerikanische Pew Institut hat herausgefunden, dass zwei Drittel der europäischen Bürger die europäische Freizügigkeit am liebsten zugunsten nationaler Grenzen abschaffen würde. Pew-Wirtschaftsfachmann Bruce Stokes erklärt: "Die Menschen möchten, dass das Brot in der Bäckerei um die Ecke gebacken wird. Sie wollen, dass ihr Salat auf dem Bauernhof nebenan angebaut wird, und sie suchen den Banker vor Ort. Die Wirtschaft aber entwickelt sich genau anders herum."


Auch wenn Deutschland im Großen und Ganzen ein wohlhabendes und friedliches Land ist: Die Umfragen zu Europa zeigen, wie groß auch hier das Potenzial für Diffamierungskampagnen gegen den gemeinsamen Wirtschaftsraum ist. Es wäre naiv zu hoffen, dass die Gegner Europas das nicht längst bemerkt haben.

Ursula Weidenfeld ist Wirtschaftsjournalistin in Berlin. Ihr neues Buch heißt: "Regierung ohne Volk. Warum unser politisches System nicht mehr funktioniert." 

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