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Der Crash kann warten – ein optimistischer Jahresausblick

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Der Crash kann warten – ein optimistischer Jahresausblick

Eine Kolumne von Ursula Weidenfeld

01.01.2019, 09:39 Uhr
Der Crash kann warten – ein optimistischer Jahresausblick. Bulle und Bär vor der Frankfurter Wertpapierbörse: Experten bewerten die Aussichten für 2019 vorsichtig. (Quelle: imago/xC.xHardtx xFuturexImage)

Bulle und Bär vor der Frankfurter Wertpapierbörse: Experten bewerten die Aussichten für 2019 vorsichtig. (Quelle: xC.xHardtx xFuturexImage/imago)

Wirtschaftsexperten halten die Aussichten für 2019 bestenfalls für mittelprächtig – es kann aber auch gut gehen. Ein optimistischer Jahresausblick.

In der vergangenen Woche habe ich über den pessimistischen Blick auf das Jahr 2019 geschrieben. Ich habe die Risiken für die Entwicklung der Weltwirtschaft zusammengetragen. Auch zu Beginn dieses Kommentars wollen wir festhalten, dass die Aussichten für das kommende Jahr nicht die besten sind. Dennoch: Es gibt auch Gutes, und es ist längst nicht ausgemacht, dass am Ende die Minuszeichen dominieren.

Abflachen des Wachstums statt harter Landung

Fangen wir mit den Aktien an. Die vergangenen Tage waren ein Nervenkrimi. Doch die Höhen und Tiefen an den Börsen der Welt zeigen, dass sich längst nicht alle Investoren, Banken und Anleger auf einen Bärenmarkt mit dauerhaft fallenden Kursen einstellen. Das Weihnachtsgeschäft im amerikanischen Einzelhandel war sehr gut, die Ölpreise sind zuletzt wieder gestiegen, was ebenfalls auf bessere Wirtschaftserwartungen hinweist. Für "überverkauft" halten beispielsweise die Volkswirte der Deutschen Bank den amerikanischen Aktienmarkt schon jetzt. Wenn der Kontinent nicht in die Rezession rutscht, sich die Steuererleichterungen und der Staatskonsum weiter positiv auf die Konjunktur auswirken, könnte es statt der befürchteten harten Landung tatsächlich zu einem weichen Abflachen des Wachstums kommen. Das spräche dann auch für stabile Aktienkurse.

Dazu kommt: Sowohl in den USA als auch in den anderen großen Volkswirtschaften der Welt ist der Arbeitsmarkt sehr robust. Solange die Beschäftigten Geld verdienen, Steuern zahlen, einkaufen gehen und nicht auf Leistungen des Staates angewiesen sind, braucht man von einer Wirtschaftskrise noch nicht zu reden.

Stabile Binnenkonjunktur in den großen Märkten

Bisher jedenfalls stützt die Binnenkonjunktur sowohl in den USA, in China und in Europa die wirtschaftliche Entwicklung, während die außenwirtschaftlichen Perspektiven eher trüber werden. Die Menschen kaufen nach wie vor ein, sie versorgen sich mit langlebigen Haushaltsgütern wie Waschmaschinen und Gefrierschränken. Auch auf dem amerikanischen Wohnungsmarkt kühlt sich die Stimmung nicht so schnell ab wie erwartet – die Hauspreise steigen zwar langsamer, aber sie steigen noch.

US-amerikanische Zinswende könnte sich verlangsamen

In den Schwellenländern müssen die Probleme ebenfalls nicht notwendigerweise eskalieren. 2018 hatten alle diese Länder schwer unter der Zinswende in den USA und dem starken Dollarkurs zu leiden. Weil sie ihre eigenen Auslandsschulden meist in Dollar gemacht haben, mussten sie mehr Geld aufbringen, um ihre Verbindlichkeiten bedienen zu können. Außerdem zogen Investoren Kapital aus diesen Regionen ab, um es wieder in den USA anzulegen. Möglicherweise aber wird die US-Notenbank in 2019 wegen der unsicheren Wirtschaftslage nicht wie bisher erwartet vier, sondern nur drei Zinsschritte beschließen. Das würde den Schwellenländern eine Atempause verschaffen. Sie könnten sich auf die veränderten weltwirtschaftlichen Bedingungen einstellen.

Europas Fokus liegt auf Brexit und Italien

Für Europa dominieren die Brexit-Risiken und die Staatsverschuldung Italiens das Szenario. Ein harter Brexit ist bisher nur eine Möglichkeit – die andere ist, dass es doch noch eine Einigung in letzter Minute gibt. Ob das ein Aufschub ist, der England für weitere Monate oder Jahre in der Europäischen Union hält, oder das Unterzeichnen des vorliegenden Vertragsentwurfs, ist für die kurzfristigen konjunkturellen Aussichten gleichgültig: Wichtig ist, dass die Handelsverflechtungen und Zulieferketten nicht unterbrochen werden. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Briten zur Vernunft kommen.

Dasselbe gilt für Italien. Zwar übt sich die rechtspopulistische Regierung des Landes in markigen Sprüchen. Doch am Ende sind die notorisch unseriösen Italiener auf das Wohlwollen der Eurozone angewiesen, und das wissen sie auch. Der nun vorgelegte Haushalt des Landes, der ein geringeres Defizit ausweist als ursprünglich geplant, ist ein kleines Zeichen dafür.



Die Pessimisten schaffen Chancen für die Optimisten

Für Europa könnte unter dem Strich immerhin noch Wachstum von etwas mehr als einem Prozent drin sein, rechnet das Münchner Ifo-Institut vor. Die Zinsen werden im kommenden Jahr kaum steigen. In Deutschland ziehen die Löhne und Renten zur Zeit stärker an als die Inflation, es bleibt also bei den meisten Beschäftigten und Senioren ein Plus in der Kasse. Die Rückkehr der Eurokrise könnte vertagt werden – für die kurzfristigen Wirtschaftsaussichten Europas wären das gute Nachrichten.

Und, zum guten Schluss: Wenn alle fürchten, dass es schlimm kommen wird, wird es oft besser als erwartet. Der Grund dafür ist einfach. Die Pessimisten stellen sich auf eine Krise ein, schicken die Kurse in den Keller, horten Geld und Gold. Damit schaffen sie die Voraussetzungen für die Optimisten, die an den Börsen zu günstigen Preisen einsteigen können.

Ursula Weidenfeld ist Wirtschaftsjournalistin in Berlin. Ihr neuestes Buch heißt: "Regierung ohne Volk. Warum unser politisches System nicht mehr funktioniert."

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