Sie sind hier: Home > Finanzen >

Germania-Insolvenz: Warum die Bundesregierung die Airline nicht rettet

Andere Lage als bei Air Berlin?  

Warum die Bundesregierung bei Germania nicht hilft

05.02.2019, 16:46 Uhr | dpa, AFP

 (Quelle: Reuters)
Germania beantragt Insolvenz und stellt Flugbetrieb ein

Bereits in der Nacht zum Dienstag wurde nach Angaben von Germania der Flugbetrieb eingestellt.

Germania: Die Fluggesellschaft hat Insolvenz beantragt und hat den Flugbetrieb ab sofort eingestellt. (Quelle: Reuters)


Die Bundesregierung plant derzeit keine Rettung der insolventen Fluggesellschaft Germania. Warum die Politik hier anders handelt, als bei der Air-Berlin-Pleite. 

Die Berliner Fluggesellschaft Germania hat in der Nacht zu Dienstag einen Insolvenzantrag und die Einstellung ihres Flugbetriebs bekanntgegeben – rund eineinhalb Jahre nach der Pleite der damals zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft Air Berlin. Die Bundesregierung möchte in diesem Fall aber nicht eingreifen. 

Altmaier: "Anwendungsfall von Marktwirtschaft"

Es handele sich bei der Pleite um "einen Anwendungsfall von Marktwirtschaft", sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) am Dienstag in Berlin. Zu dieser gehörten unternehmerischer Erfolg und Misserfolg gleichermaßen. Wenn der Staat "willkürlich" Firmen rette, komme es zu "Fehlallokationen" und hohen betriebswirtschaftlichen und volkswirtschaftlichen Kosten, mahnt der Minister.

Nach der Insolvenz der Fluggesellschaft Air Berlin im Sommer 2017 hatte die Bundesregierung dem Unternehmen einen Überbrückungskredit gewährt, um den Flugbetrieb zunächst noch aufrechtzuerhalten. Damals saßen zahlreiche Air-Berlin-Kunden an Flughäfen außerhalb Deutschlands fest.

Altmaier: "Allermeisten" Germania-Kunden könnten Geld zurückkriegen

Bei Germania sei dieses Problem offenbar von "viel begrenzterer Dimension" sagte Altmaier am Dienstag. "Die allermeisten" Passagiere hätten wohl die Chance, sich das Geld für einen Rückflug vom Reiseveranstalter erstatten zu lassen. 

Pauschalreisende können von ihrem Anbieter den Transport mit einer alternativen Airline verlangen. Nach Angaben von Germania besteht für Passagiere, die ihr Flugticket direkt bei der Fluggesellschaft kauften, aufgrund der Gesetzeslage jedoch "bedauerlicherweise kein Anspruch auf Ersatzbeförderung".

Unternehmensinformationen zur Fluggesellschaft Germania: 1986 in Köln gegründet, steuerte die Fluggesellschaft vor allem Ziele im Mittelmeerraum und dem Nahen Osten an.  (Quelle: t-online.de)Unternehmensinformationen zur Fluggesellschaft Germania: 1986 in Köln gegründet, steuerte die Fluggesellschaft vor allem Ziele im Mittelmeerraum und dem Nahen Osten an. (Quelle: t-online.de)

Eine "interministerielle Runde" beobachte für die Bundesregierung die Situation bei Germania, sagt Altmaier. Vertreten seien neben seinem Ressort das federführende Bundesverkehrsministerium und das Bundesfinanzministerium. Die Lage werde "genau" im Blick behalten, konkrete Pläne habe die Regierung derzeit aber nicht.

Tiefensee: Germania-Insolvenz "herber Rückschlag"

Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hat die Insolvenz von Germania als "herben Rückschlag" bezeichnet. Die Insolvenz sei bedauerlich für die bundesweit mehr als 1.000 Beschäftigten, sagte Tiefensee am Dienstag in Erfurt. Sie dürfe sich nicht zusätzlich auch noch zu einem Problem für den Flughafen in Erfurt auswachsen. Immerhin sei Germania bislang die wichtigste Fluggesellschaft auf dem Airport der Landeshauptstadt gewesen.

Der Flughafen Erfurt-Weimar sei ein nicht unerheblicher Wirtschaftsfaktor für Thüringen, sagte der Minister. Dies zeigten Unternehmen aus der Luftfahrtbranche, die sich im Umfeld angesiedelt hätten. "Gerade angesichts der Tatsache, dass sich die Entwicklung des Flughafens zuletzt wieder stabilisiert hatte, kommt die Germania-Insolvenz jetzt zur Unzeit", erklärt er.

Viele Kunden dürften leer ausgehen:

Germania: Leidtragende der Insolvenz sind in jedem Fall die Kunden, die auf ihren Forderungen sitzen bleiben. (Quelle: Reuters)

Bald steigende Preise im deutschen Flugverkehr?

Nach der Insolvenz rechnet der Nürnberger Luftfahrtunternehmer Hans Rudolf Wöhrl mit steigenden Preisen im deutschen Flugverkehr. Vor allem auf Strecken mit Urlaubszielen sei mit höheren Kosten für Tickets zu rechnen, weil hier die Germania als Wettbewerber ausfalle, sagt Wöhrl. "Hier werden die Kapazitäten bei gleichem Passagieraufkommen zurückgefahren – das führt erfahrungsgemäß zu höheren Preisen."

Das Beispiel der 2017 pleitegegangenen Fluggesellschaft Air Berlin habe gezeigt, dass es extreme Preissteigerungen auf den innerdeutschen Strecken gab. Er bedauere die Einstellung des Flugbetriebes bei Germania sehr, denn das Berliner Unternehmen sei mit rund 30 Flugzeugen die letzte große, unabhängige deutsche Airline gewesen, betont Wöhrl.

Verdi sichert Hilfe zu – an bestimmte Arbeitnehmer

Verdi hat Mitarbeitern der insolventen Fluggesellschaft, die Mitglieder der Gewerkschaft sind, rechtliche Unterstützung zugesichert. "Die Crews haben trotz der Turbulenzen den vollen Einsatz gezeigt und dürfen jetzt nicht allein gelassen werden", sagt Christine Behle vom Verdi-Bundesvorstand am Dienstag. Weil es bei Germania keine Tarifverträge und keine Betriebsräte gebe, sei die Gewerkschaft eigentlich nicht in das Insolvenzverfahren involviert.



Für das Scheitern von Germania und Air Berlin machte Verdi einen ruinösen Wettbewerb unter den Airlines verantwortlich. Billige Tickets seien zulasten der Beschäftigten gegangen. Die Mitarbeiter würden in vielen Fällen schlecht bezahlt und hätten keine Mitbestimmungsrechte, so die Gewerkschaft. Die aktuelle Zahl der Beschäftigten nannte das Unternehmen nicht. In einem Jahresabschluss-Bericht zum Geschäftsjahr 2016 waren 954 Mitarbeiter aufgeführt. Verdi spricht von rund 1.150 betroffenen Arbeitsplätzen.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur AFP, dpa

Ihre Meinung zählt!

Wir freuen uns auf angeregte und faire Diskussionen zu diesem Artikel.
Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

Gefällt 0 Gefällt nicht0
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Die DSL-Alternative mit LTE50. Pausieren jederzeit möglich
zum Homespot 200 bei congstar
Klingelbonprix.deOTTOCECILStreet OneLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Erotik
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • Erotic Lounge
  • giga.de
  • desired.de
  • kino.de
  • Statista
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Magenta TV
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • Magenta SmartHome
  • Magenta Sport
  • Freemail
  • Telekom Mail
  • Sicherheitspaket
  • Vertragsverlängerung Festnetz
  • Vertragsverlängerung Mobilfunk
  • Hilfe
© Ströer Digital Publishing GmbH 2019