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Wer richtig groß werden will, kann im Saarland nicht bleiben

Eine Kolumne von Ursula Weidenfeld

26.02.2019, 12:06 Uhr
Saarland: Folge dem Geld . Annegret Kramp-Karrenbauer: Die Bundesvorsitzende der CDU stammt aus dem Saarland. (Quelle: dpa/Sebastian Gollnow)

Annegret Kramp-Karrenbauer: Die Bundesvorsitzende der CDU stammt aus dem Saarland. (Quelle: Sebastian Gollnow/dpa)

Erstaunlich viele Politiker des Saarlandes machen in Berlin Karriere. Warum? Weil Migranten dahin gehen, wo man gut verdienen und beruflich aufsteigen kann.

Der britische "Economist" hat sich in der vergangenen Woche mit dem erstaunlichen Erfolg der Saarländer in der Politik beschäftigt. Seine Erklärung für die steile Karriere von Annegret Kramp-Karrenbauer, Peter Altmaier, Heiko Maas oder Oskar Lafontaine ist einfach: Das Saarland sei ein Grenzgebiet, in dem schon immer Pragmatismus, Internationalität, Anpassungsfähigkeit und gutes Essen regiert hätten. Diese Eigenschaften zahlten sich in der Politik toll aus, und deshalb seien die Saarländer erfolgreicher als viele andere. Sonst hätten sie ihre wechselhafte Geschichte – mal als Teil von Frankreich, mal als Teil von Deutschland, mal klein und allein – kaum heil überstanden.

Der "Economist" hat allerdings den wichtigsten Grund für den Aufstieg der tapferen Politiker aus dem tiefen Westen verschwiegen: Wer richtig groß werden will, kann im Saarland nicht bleiben.

Immer mehr Menschen verlassen das Saarland

Schon die Bevölkerungsstatistik zeigt, dass nicht nur Spitzenpolitiker dem Saarland gern den Rücken kehren, um ihr Glück woanders zu suchen. Im vergangenen Jahr hatte das Saarland mit nahezu allen Bundesländern einen negativen Wanderungssaldo – nur aus Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern zogen mehr Menschen nach Saarbrücken, St. Ingbert oder Saarlouis, als umgekehrt. Der Saarländer vergleicht sich gern mit den weltläufigen Franzosen, oder mit den umtriebigen Luxemburgern. Die Wahrheit ist, dass er eher den Bürgern Sachsen-Anhalts und Thüringens gleicht. Auch diese beiden Länder verlieren junge, gut ausgebildete Einwohner, weil die woanders eine bessere Arbeit finden.

Das Saarland ist zu klein und immer noch zu wirtschaftsschwach für das Talent, das es ausbildet. Das Bundesland leistet sich eine sehr respektable Hochschule, die Studenten weit über den Bedarf des Landes hinaus mit Diplomen und Master-Urkunden ausstattet. Aus der saarländischen Perspektive ist es also nur eine mäßig gute Nachricht, dass die klugen und durchsetzungsfähigen Charaktere woanders eine schöne Karriere machen. Man könnte das auch Brain-Drain nennen, der in den östlichen Bundesländern bitter beklagt wird.

Bieten Nordrhein-Westfalen und Bayern mehr Chancen als Berlin?

Für Politiker aus Regionen mit einer großen Zahl an attraktiven Positionen ist es viel unattraktiver, sich ins Weite zu stürzen. Zum Beispiel Nordrhein-Westfalen und Bayern: Das sind große Bundesländer, mit eigenem Gewicht und vielen angenehmen Posten innerhalb der Landesgrenzen. Nach Berlin zu wechseln, ist hier Chance und Bedrohung zugleich. Edmund Stoiber und Horst Seehofer können ein Lied davon singen.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) schreckte im vergangenen Jahr vor dem Rennen um den CDU-Parteivorsitz zurück, seitdem lächelt man im Berliner Adenauer-Haus fein, wenn sein Name fällt. Ähnlich hatte Laschets Vorgängerin Hannelore Kraft (SPD) reagiert – indem sie eine mögliche Kanzlerkandidatur von vornherein ausschloss. Sie stellte sich selbst an den Spielfeldrand und ging unter, in Nordrhein-Westfalen und im Bund.

Karrieresprünge gelingen außerhalb des Saarlandes

Das kann einem Saarländer nicht passieren. Das Mini-Bundesland hat weniger als eine Million Einwohner, und ist damit etwas kleiner als Köln, und ein bisschen größer als Frankfurt am Main. Kein Wunder, dass das niemanden dauerhaft auslastet, der fühlt, dass er mehr kann: Die früheren Ministerpräsidenten Oskar Lafontaine und Annegret Kramp-Karrenbauer gingen in die Bundespolitik.

Peter Müller, ebenfalls zeitweise Politikchef des Saarlandes, wechselte als Richter an das Bundesverfassungsgericht. Heiko Maas, ewiger Wahlverlierer in Saarbrücken, profitierte vom Talentschuppen SPD und konnte zuerst Justiz-, dann Außenminister in Berlin werden. 

Der Saarländer, mehrsprachig, frankophil, europäisch, und klug? Sicher. Doch um zu verstehen, wie Migration funktioniert, muss man der Spur des Geldes, der Karriere und der besseren persönlichen Aussichten folgen. Dieses Gesetz gilt universal, und ist unabhängig vom Lieblingsmenü der potenziellen Auswanderer: Es gilt bei der Migration von Afrika nach Europa, von Mexiko in die USA – und vom Saarland nach Berlin.

Ursula Weidenfeld ist Wirtschaftsjournalistin in Berlin. Ihr Buch heißt: "Regierung ohne Volk. Warum unser politisches System nicht mehr funktioniert" und ist bei Rowohlt Berlin erschienen.

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