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Niedrigzins: Es könnte der Beginn einer Epoche sein

MEINUNGFolgen für traditionelle Sparer  

Eine Niedrigzinsepoche könnte alles auf den Kopf stellen

Von Ursula Weidenfeld

02.04.2019, 09:37 Uhr
Niedrigzins: Es könnte der Beginn einer Epoche sein. Sparbuch: Traditionelle Sparer sind die Leidtragenden des niedrigen Leitzins. (Quelle: imago images/allOver-MEV)

Sparbuch: Traditionelle Sparer sind die Leidtragenden des niedrigen Leitzins. (Quelle: allOver-MEV/imago images)

Möglicherweise hält die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank viel länger an als gedacht. Für Sparer, Unternehmen und den Staat bringt das viel Ungewissheit.

Jahrelang konnten sich Sparer in der Hoffnung wiegen, dass die Zinsen irgendwann schon wieder steigen würden. Wenn die Eurokrise bewältigt sei, gehe es wohl wieder nach oben, dachten sie – und ließen ihr Geld, wo es war: auf Sparbüchern, Girokonten, und in Staatspapieren. In diesen Wochen und Monaten wird ihnen klar, dass sie sich wahrscheinlich geirrt haben. Die Zinsen könnten noch lange Zeit sehr niedrig bleiben. Das Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln unkt sogar, dass die Zinswende womöglich erst zur Mitte des Jahrhunderts kommt. Das heißt nicht nur für Sparer: Alles wird anders.

Unangenehme Folgen für traditionelle Sparer

Jahrelang gab es einen verlässlichen Rhythmus. Im Aufschwung stiegen Inflation und Leitzinsen, in der Rezession sanken sie. Das verhinderte, dass Volkswirtschaften in guten Zeiten heiß liefen, dass sich Spekulationsblasen entwickelten. Auf der anderen Seite aber sorgte es auch dafür, dass die Notenbanken in Zeiten niedriger Inflation und schwacher Wirtschaftsleistung das Leihen von Geld billiger machen und die Wirtschaft beleben konnten. Dieses Modell funktionierte nicht immer gut, aber es funktionierte einigermaßen.

Jetzt aber scheint sich die Lage grundlegend geändert zu haben. In den USA geht der Aufschwung ins zehnte Jahr – doch auf der Zinsseite ist bei einem Leitzins von 2,5 Prozent das Ende der Fahnenstange erreicht. Bei einer Inflationsrate von rund zwei Prozent ergibt das einen Realzins von 0,5 Prozent. In Europa, Japan und der Schweiz liegt der Leitzins bei 0 Prozent oder darunter.

Das hat für traditionelle Sparer unangenehme Folgen. Sie werden sich intensiv mit der Frage auseinandersetzen müssen, wovon sie im Alter leben wollen, wenn ihnen die gesetzliche Rente nicht reicht. Sparer finden sich vor allem in der Mittelschicht. Die ärmsten 20 Prozent der Bevölkerung haben kein Geld zum Sparen, und die reichsten 20 Prozent haben es nicht nötig. Der mittlere Angestellte oder mäßig verdienende Selbstständige, der Geld fürs Alter zurückgelegt hat, wird am Ende mit einer negativen Rendite dastehen.

Schwächerer Wettbewerb durch Digitalwirtschaft

Dafür ist nicht nur die Geldpolitik verantwortlich. In alternden Gesellschaften legen die Bürger gerne etwas mehr zurück. Je näher sie dem Ruhestand kommen, desto mehr sparen sie. So gibt es ein Überangebot an Erspartem. Die Unternehmen aber investieren möglicherweise weniger kapitalintensiv als früher. In der Digitalwirtschaft zählen Patente, Wissen und Rechte mehr als teure Maschinen und Fabrikhallen. Die Firmen brauchen nicht mehr so viel Kredit. Sie könnten den Niedrigzins außerdem für Übernahmen nutzen, die sich bei einer höheren Belastung nicht rechnen würden. Der Wettbewerb in der Wirtschaft würde schwächer.

Schuldenbremse verhindert Infrastrukturinvestitionen

Auch das Wort Staatsverschuldung bekommt auf einmal einen ganz anderen Klang. Nach der Finanzkrise haben sich Länder wie Deutschland selbst in Ketten gelegt, um eine übermäßige Verschuldung des Staates ein für alle Male zu vermeiden. Sie haben sich zur Schuldenbremse verpflichtet. Nun aber könnten sie Anleihen herausgeben, die die nächste Generation nicht belasten. Die Zinsen liegen unterhalb der Wachstumsrate des Bruttoinlandsproduktes. Würde der Staat also jetzt all die Infrastrukturinvestitionen nachholen, die er in den vergangenen Jahrzehnten versäumt hat, könnten die Alten ihren Kindern ein Land in bestem Zustand übergeben. Dumm nur, dass die Sache mit der Schuldenbremse jetzt im Grundgesetz steht. Noch dümmer ist, dass sich niemand sicher sein kann, ob die Regierung tatsächlich Schulden für Infrastrukturinvestitionen machen würde, oder doch nur zur Finanzierung der Rentenversicherung (und damit für die ältere Generation).


Dennoch: Sollte die Phase der Niedrigzinsen tatsächlich viel länger dauern als ohnehin schon befürchtet, stellt das ziemlich alles auf den Kopf, was man bisher für gewiss hielt. Nicht nur im Privaten. Sondern auch beim Staat, im Wettbewerb, bei den Unternehmen. Es bleibt kaum Zeit, sich darauf einzustellen. Wir sind schon mittendrin.

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