Sie sind hier: Home > Finanzen > Kolumne - Ursula Weidenfeld >

Digitalisierung: Die Wut der Taxifahrer

MEINUNGTaxifahrer-Proteste  

Die großen Digitalkonzerne bedrohen traditionelle Unternehmen

Eine Kolumne von Ursula Weidenfeld

16.04.2019, 11:43 Uhr
Digitalisierung: Die Wut der Taxifahrer. Protest der Taxiunternehmen in Berlin: Die Demonstranten befürchten, dass für Mobilitätsdienstleister wie Uber weniger gesetzliche Auflagen als für die Taxibranche gelten. (Quelle: imago images/Christian Mang)

Protest der Taxiunternehmen in Berlin: Die Demonstranten befürchten, dass für Mobilitätsdienstleister wie Uber weniger gesetzliche Auflagen als für die Taxibranche gelten. (Quelle: Christian Mang/imago images)

Die Proteste der vergangenen Wochen zeigen, dass es noch keinen fairen Wettbewerb zwischen Traditionsunternehmen und den neuen digitalen Firmen gibt.

Mal sind es Hunderte Taxifahrer, die in Düsseldorf, München oder Berlin die wichtigsten Straßen der Stadt blockieren. Mal sind es Mitarbeiter von Amazon, die vor Ostern die Arbeit niederlegen. Und mal sind es die Finanzminister, die über die fehlende Steuermoral jammern. Sie alle stehen unter Druck: Die großen Digitalkonzerne bedrohen ihr Geschäft.

Ihre Proteste wecken in ihrer wütenden Hilflosigkeit vor allem eines: Sympathie. Auf den zweiten Blick aber stellen sich grundsätzliche Fragen. Kann man, soll man den digitalen Fortschritt aufhalten? Wie lange würde das gut gehen? Wer ist als Kunde dauerhaft bereit – und kann es sich leisten – das billigere Angebot?

Statt Taxi fährt man Uber

Wie den Taxifahrern ergeht es den Inhabern kleiner Läden, den Betreibern von Frühstückspensionen, den Angestellten von Sparkassen und den Journalisten: Es gibt nun etwas Billigeres, manchmal Kostenloses, das ihre Leistung massiv entwertet. Statt Taxi fährt man Uber, statt der Beratung im Reisebüro vertraut man auf Internetangebote. Wo früher der Sparkassenangestellte zu einem Sparbrief oder einer Aktie riet, hilft jetzt eine App.

Man schläft nicht mehr im teuren Fremdenzimmer, sondern bucht bei Airbnb. Wo ehemals eine gekaufte Zeitung auf dem Frühstückstisch lag, informiert heute eine Webseite. Es wird nicht mehr lange dauern, dann werden auch viele Facharbeiter, Ärzte und Architekten spüren, dass es auf sie nicht mehr ankommt.

Das Problem mit den Neuen

Auch wenn die Wirtschaftsforschungsinstitute optimistisch sind, dass die meisten Erwerbstätigen eine neue Stelle finden werden: Das hilft denen nicht, die heute zusehen müssen, wie ihre Geschäftsgrundlage zerbröselt. Tarifverträge und Berufsordnungen haben noch keine guten Antworten auf Roboter und Internetangebote gefunden. Steuerformulare und Hygienevorschriften beeindrucken viele der neuen Unternehmen nur mäßig. Denn auch der Staat hat ein Problem mit den Neuen: Es fehlt an Respekt.

Ist es richtig, gegen die Digitalfirmen zu protestieren? Es ist sogar notwendig – solange es um ungleiche Startbedingungen geht. Wenn ein Taxifahrer höhere Auflagen, mehr Pflichten und damit höhere Kosten aufgebrummt bekommt als ein anderer Chauffeur, stimmen die Voraussetzungen für fairen Wettbewerb nicht. Dasselbe gilt für Hotels und Pensionen, die Fluchttreppen und Hygienevorschriften nachweisen, Kurtaxe und Tourismusabgabe abführen müssen – Verpflichtungen, die sich die meisten Airbnb-Vermieter sparen.

Werden traditionelle Dienstleister verschwinden?

Aber: Wer für fairen Wettbewerb sorgen will, muss prüfen, welche Regulierungen heute noch sinnvoll sind und deshalb für alle gelten sollten, und welche Vorschriften veraltet sind. Zu den notwendigen Bedingungen gehören die Steuerpflicht, der Verbraucherschutz, die Sicherheitsvorschriften. Sie müssen durchgesetzt werden – und zwar bei allen. Die Ortskundeprüfung für Taxifahrer, Vorschriften für die Größe von Fenstern in Hotelzimmern, oder teure Lizenzen sind dagegen Beispiele für veraltete Vorschriften. Würden sie für alle abgeschafft, könnte ein echter Wettbewerb um die beste Leistung beginnen.

Dagegen sollten sich der Verkehrs- und der Wirtschaftsminister nicht von den Protesten beeindrucken lassen, die sich nur gegen den neuen Wettbewerb richten. Klar, es tut weh, wenn die Basis für das eigene Geschäft ins Wanken gerät. Doch für Verbraucher ist es gut, wenn die Preise transparent werden und sinken, wenn die Auswahl größer wird. Hätte die Bundesregierung bei Industrieunternehmen in der ersten Phase der Digitalisierung den Wettbewerb eingeschränkt, würden wir heute noch mit teuren Siemens-Mobiltelefonen hantieren und Fernseher von Grundig haben.

Weil die Produkte dieser Unternehmen nicht mehr wettbewerbsfähig waren, verschwanden sie, zu Recht. Genau so wird es den traditionellen Dienstleistern gehen, wenn es ihnen nicht gelingt, sich entweder durch besonderen Service und neue Angebote oder durch Kostensenkungen zu behaupten.

Der Gesetzgeber muss handeln

Für den Gesetzgeber ergeben sich daraus neue Aufgaben. Auf der einen Seite muss er die neuen Spieler auf dem Markt dazu bringen, Recht, Ordnung und Steuerpflicht zu respektieren. Auf der anderen Seite muss er mutig und schnell genug sein, den Markt so zu öffnen, dass die Verbraucher von den neuen Produkten und Dienstleistungen profitieren können.

Auf Beifall muss er dafür verzichten. Denn die Sympathie der Bürger ist bei den Protestierenden – auch wenn sie als Verbraucher die neuen Angebote immer öfter und immer lieber nutzen.

Ihre Meinung zählt!

Wir freuen uns auf angeregte und faire Diskussionen zu diesem Artikel.
Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

Gefällt 0 Gefällt nicht0
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Die neuen Teufel Sound-Superhelden zu Top-Preisen
Heimkino, Portable, Kopfhörer und mehr
Anzeige
Luftiges für den Sommer: Kurzarmhemden mit Mustern
jetzt entdecken bei Walbusch
Gerry Weberbonprix.deOTTOUlla PopkenHappy SizeLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • giga.de
  • desired.de
  • kino.de
  • Statista
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Magenta TV
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • Magenta SmartHome
  • Magenta Sport
  • Freemail
  • Telekom Mail
  • Sicherheitspaket
  • Vertragsverlängerung Festnetz
  • Vertragsverlängerung Mobilfunk
  • Hilfe