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ifo-Geschäftsklima: Hoffnung erst fürs neue Jahr?

MEINUNGKonjunktur  

Das Wirtschaftswachstum lahmt – wann geht es wieder bergauf?

Von Ursula Weidenfeld

23.04.2019, 10:51 Uhr
ifo-Geschäftsklima: Hoffnung erst fürs neue Jahr?. Containerhafen: Im März hatte sich das Geschäftsklima, der Wegweiser für die Wirtschaftsentwicklung, zum ersten Mal seit Langem wieder verbessert. (Quelle: Getty Images/thitivong)

Containerhafen: Im März hatte sich das Geschäftsklima, der Wegweiser für die Wirtschaftsentwicklung, zum ersten Mal seit Langem wieder verbessert. (Quelle: thitivong/Getty Images)

In diesem Jahr wird die Wirtschaft kaum wachsen – doch für 2020 gibt es wenigstens ein paar gute Signale.

Der Termin für den ifo-Geschäftsklima-Index ist unter Konjunkturforschern so etwas wie der Freitagabend für feierwütige Jugendliche. Man kann ihn kaum erwarten. Fällt er enttäuschend aus, ist das ziemlich schlimm und verdirbt die Laune für das ganze Wochenende.

Diesmal gilt das besonders. Wenn morgen das Ifo-Geschäftsklima für April veröffentlicht wird, werden die Konjunkturexperten noch aufmerksamer als sonst hinschauen. Denn im März hatte sich das Geschäftsklima, der wichtigste Wegweiser für die wirtschaftliche Entwicklung der nächsten Monate, nach sechs Rückgängen in Folge zum ersten Mal wieder leicht verbessert. Eine Eintagsfliege? Oder ein Signal für eine Wende der zuletzt deprimierenden Aussichten?

Lauernde Rezessionsgefahren

Klar ist: Wenn das Wachstum im kommenden Jahr viel besser ausfallen soll als in 2019 – so erwarten es die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute – sollten sich die Anzeichen dafür langsam bemerkbar machen. Bisher nämlich ist die Wirtschaft immer noch im Abwärtstrend. Erst in der vergangenen Woche musste Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) die Prognose der Bundesregierung für das Wirtschaftswachstum wieder einmal zurücknehmen. Nur noch 0,5 Prozent soll die Wirtschaft in diesem Jahr insgesamt zulegen. Das ist eine Schätzung, die man ebenso gut auf null setzen könnte. Denn die Industrieproduktion ist längst in der Rezession, auch der Export lahmt deutlich.

Allerdings: Die Dienstleistungsbranche und der Binnenkonsum laufen immer noch sehr gut. Die üppigen Lohn- und Rentenerhöhungen der letzten Monate machen sich auf den Einkaufszetteln und bei den Urlaubsplänen der Bürger bemerkbar. Der Arbeitsmarkt ist stabil, sodass auch die Sozialversicherungen komfortabel dastehen. Und auch wenn es offiziell kein Konjunkturprogramm gibt, ist der Staat einer der wichtigsten Mitspieler geworden: Allein die Mehrausgaben von Bund, Ländern und Gemeinden in diesem Jahr sind für ein halbes Prozent Wachstum gut.

Dazu kommen neuerdings freundlichere Nachrichten aus Asien: Die Wirtschaft in China scheint sich zu stabilisieren. Der chinesische Staat hat den Banken in den vergangenen Monaten frisches Geld zur Verfügung gestellt, auch der Geldhahn für die Unternehmen wurde wieder aufgedreht. Von mehr Wachstum in China würde die deutsche Exportwirtschaft besonders profitieren.

Unwägbarkeiten der Weltwirtschaft

Allerdings gibt es immer noch schwerwiegende Risiken: Es sieht im Moment zwar nicht so aus, als würde sich der Handelskrieg zwischen den USA und China verschärfen. Und auch zwischen den USA und Europa standen die Zeichen zuletzt eher auf Versöhnung als auf weiteren Streit. Doch das Wirtschaftswachstum in den USA lässt seit Wochen ebenfalls deutlich nach. Im Moment dümpeln die Zahlen bei zwei Prozent herum. Doch US-Präsident Donald Trump hat seinen Bürgern mindestens drei Prozent Wachstum versprochen. Niemand will ausschließen, dass er versuchen könnte, dieses Manko durch schärfere Handelsstreitigkeiten auszugleichen. Auch bei den Briten ist immer noch nicht klar, für welchen Weg sie sich beim Brexit entscheiden.

Die Eigentümer der großen deutschen Unternehmen scheinen davon überzeugt zu sein, dass es im kommenden Jahr wieder vorangehen muss. Hatte der Deutsche Aktienindex DAX im ganzen Jahr 2018 deutlich nachgegeben, obwohl die Wirtschaftsdaten noch ordentlich waren, hat er im ersten Quartal dieses Jahres diese Verluste wieder wettgemacht.


Kalendereffekte bei den Feiertagen

Außerdem: Im kommenden Jahr fallen in Deutschland Feiertage häufig auf Wochenenden. 0,4 Prozent Wachstum kommen allein durch Kalendereffekte und die dadurch bedingte Mehrarbeit zusammen. Die Arbeitnehmer können sich deshalb schon jetzt an dem Gedanken wärmen, dass sie jedenfalls unschuldig sind, wenn die Wirtschaftsentwicklung im nächsten Jahr trotz aller freundlichen Prognosen holprig bleiben sollte.

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