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Die Deutsche Bahn hat keinen Maßstab für gute Arbeit

MEINUNGFrustrierte Kunden  

Die Deutsche Bahn hat keinen Maßstab für gute Arbeit

Eine Kolumne von Ursula Weidenfeld

30.04.2019, 12:58 Uhr
Die Deutsche Bahn hat keinen Maßstab für gute Arbeit. Stellwerk der Deutschen Bahn: Zahlreiche Fernzüge konnten zuletzt den Frankfurter Flughafen und den Mainzer Hauptbahnhof nicht anfahren. Grund dafür war ein unbesetztes Stellwerk. (Quelle: imago images/Arnulf Hetttrich)

Stellwerk der Deutschen Bahn: Zahlreiche Fernzüge konnten zuletzt den Frankfurter Flughafen und den Mainzer Hauptbahnhof nicht anfahren. Grund dafür war ein unbesetztes Stellwerk. (Quelle: Arnulf Hetttrich/imago images)

Weil ein Mitarbeiter krank wurde, hielten die Züge der Bahn stundenlang nicht am Frankfurter Flughafen. Das zeigt: Die Bahn hat keinen Maßstab für gute Arbeit.

Es war die Krankmeldung eines Stellwerksmitarbeiters, die am vergangenen Samstag den Bahnverkehr am Flughafen Frankfurt zum Erliegen brachte. Hunderte Reisende verpassten Anschlusszüge oder sogar den gebuchten Flug, 19 Züge fielen insgesamt aus, rechnet die Bild-Zeitung vor. Nur weil ein Kollege krank wurde und kein Ersatzmann gefunden werden konnte.

Ein Einzelfall? Vielleicht. Doch die vielen Einzelfälle der jüngsten Vergangenheit zeigen, was der Bahn fehlt: ein Maßstab für Erfolg. Deshalb kommt die Firma nicht voran, deshalb sind die Kunden unglücklich. Besserung ist nicht in Sicht.

Was der Deutschen Bahn fehlt

Kann man sich vorstellen, dass bei Mercedes die Produktion ausfällt, weil ein Mitarbeiter "Rücken" hat? Dass Nutella das Band stoppt, wenn der Kollege in der Verpackung hustet? Oder dass die Deutsche Bank die Filiale tageweise schließt, sobald die Kundenbetreuerin zur Dialyse muss? Das wird nicht vorkommen: nicht, weil die Mitarbeiter dieser Unternehmen gesünder oder motivierter als die der Bahn wären. Sondern weil es in diesen Firmen wichtig ist, Geld zu verdienen. Es gibt klare Kriterien für den Unternehmenserfolg. Eine störungsfreie Produktion gehört dazu.

Bahn wird nicht kontrolliert

Geld ist zwar ein kaltes und nicht immer gerechtes Maß für den Erfolg eines Unternehmens. Doch es ist wenigstens eines. Zwar werden auch bei der Bahn "Wirtschaftlichkeit",  "Pünktlichkeit" und "Effizienz" ganz groß geschrieben. Doch kontrolliert werden sie nicht ordentlich.

In einem Sonderbericht zur Bahn bemängelte der Bundesrechnungshof zu Anfang dieses Jahres, dass der Eigentümer – also der Steuerzahler – kaum Überblick über die Geschäfte der Bahn hat. In jeder normalen Aktiengesellschaft kontrolliert der Aufsichtsrat den Vorstand und das Zahlenwerk der Firma akribisch. Pro forma ist das zwar bei der Bahn auch so. Doch die vielen Tochtergesellschaften mit eigenem Management und eigener Aufsicht sorgen dafür, dass das Unternehmen so kompliziert geworden ist, dass es nicht einmal von den eigenen Leuten verstanden wird.

Geldstrafen sind der Bahn egal

Schlimmer noch: Die öffentliche Debatte um den Zustand der Schieneninfrastruktur und fehlende Waggons hat dafür gesorgt, dass auch die wenigen Sanktionsmöglichkeiten gegen Zugausfall und Verspätungen nicht mehr wirken. Weil von der Bahn nun gar nicht mehr erwartet wird, dass sie große Summen erwirtschaftet, sind ihr auch saftige Geldstrafen bei schuldhaften Versäumnissen heute gleichgültiger als früher. Im schlimmsten Fall muss der Steuerzahler für den Schaden einspringen. Einen Schaden, unter dem er selbst am meisten gelitten hat.

Wo das Geld als Kriterium ausfällt, müssen andere Parameter her. Die Pünktlichkeit zum Beispiel. Doch auch dieser Maßstab wackelt, seitdem das Management eine merkwürdige Debatte über das Messen von Pünktlichkeit losgetreten hat, anstatt dafür zu sorgen, dass die Züge zur vorgesehenen Zeit fahren. Deutliche Fortschritte sind auch auf diesem Feld nicht erkennbar.

Auch andere Parameter messen nicht die Qualität

Oder die Kundenzufriedenheit? "Differenziert" sei die Lage, gesteht die Deutsche Bahn in ihrem jüngsten erreichbaren Report, der die Werte für 2017 nennt. Schon damals sanken alle Werte, die mit dem Personenverkehr zu tun haben. Aufgehübscht wurden sie einfach durch die schönen Zahlen aus dem neuen Car- und Bike-Sharing-Geschäft.

Noch sonderbarer wirkt das – immerhin vorhandene – Kriterium der Auslastung. Bis zum Jahr 2030 soll sich die Zahl der Bahnnutzer verdoppeln, hat die Bundesregierung vorgegeben. Nur, wie das Ziel erreicht werden soll, hat noch niemand verraten. Jedenfalls wird es viel enger als früher. Schon heute steigt die Auslastung der Züge. Durchschnittlich ist mehr als jeder zweite Platz in den Zügen besetzt. Denn die Bahn will zwar viel mehr Leute einsteigen lassen, auf der Beschaffungsliste stehen allerdings nicht genügend Waggons dafür. Der Trend weist ohnehin in die andere Richtung: 2017 gab es weniger Lokomotiven als 2016, auch die Zahl der Waggons ging zurück.

Wie die Bahn auf Personalengpässe reagiert

Bei der Bahn versagen alle Maßstäbe, mit denen ein normales Unternehmen gesteuert wird. Das Fehlen eines einzigen Mitarbeiters in einem einzigen Stellwerk zeigt in einer winzigen Momentaufnahme das große Dilemma des Unternehmens: Es fehlen Verantwortung und Kontrolle.

Nach dem Vorfall vom vergangenen Samstag verwies ein Sprecher der Bahn auf das sehr große Einstellungs- und Qualifizierungsprogramm der Bahn, mit dem schon bald Abhilfe geschaffen werde. Im Sommer 2013 war der Mainzer Hauptbahnhof tagelang nicht erreichbar, weil die Mitarbeiter des Stellwerks Ferien hatten oder krank waren. Damals meldete sich ebenfalls nach einigen Tagen ein Bahnsprecher: Die Bahn habe ein sehr großes Einstellungs- und Qualifizierungsprogramm gestartet. Damit werde der Personalengpass alsbald behoben. 

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