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Käufer verzweifelt gesucht!

spiegel-online, Spiegel Online

Aktualisiert am 24.01.2012Lesedauer: 4 Min.
Immobilien in Spanien: Experten schätzen, dass über drei Millionen Wohnungen leer stehen
Immobilien in Spanien: Experten schätzen, dass über drei Millionen Wohnungen leer stehen (Quelle: Reuters-bilder)
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Satte Rabatte und unterwürfige Makler: Madrid ist derzeit ein Paradies für Immobilienkäufer. Die Finanzkrise hat die Preise abstürzen lassen. Doch die Schnäppchenjagd hat ihre Tücken.

Der Mann wirkt sehr beschäftigt. Mit dem offenen Notebook in der Hand läuft er durch die Straßen von Madrid. Vor Häuserblocks mit heruntergelassenen Jalousien bleibt er besonders oft stehen. Bisweilen klingelt er und versucht über einen Bewohner herauszubekommen, was es mit diesen offensichtlich unbewohnten Räumen auf sich hat. Ob die tatsächlich leerstehen, will er wissen, es könnten ja auch selten genutzte Zweitwohnungen sein.


Weltrangliste: Die Skyline-Giganten

Platz zehn: Mumbai, Indien. Zahl der registrierten Hochhäuser: 1223. Das höchste Gebäude der Stadt, die früher Bombay hieß, ist mit 300 Metern der Mumbai Television Tower. (Quelle: Emporis)
Platz neun: Toronto, Kanada. Zahl der gezählten Hochhäuser: 1886. Größtes Gebäude: CN Tower, 553 Meter. (Quelle: Emporis)
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Preise um mehr als 40 Prozent abgestürzt

Der Mann zählt zu den 5000 Menschen, die das spanische Amt für Statistik angeheuert hat. Sie sollen bis Ende des Jahres versuchen, die Zahl der leerstehenden Wohnungen im Land möglichst genau festzustellen. Rund 3,2 Millionen sind es, so ein Schätzwert der Regierung. Bis Ende des Jahres wird man Genaueres wissen.

Dass es zu viele sind, steht jetzt schon fest, denn im vergangenen Jahr fanden gerade mal 200.000 Wohnungen einen Käufer. Kein Wunder, dass die Immobilienpreise in Madrid seit 2006 im Schnitt um 40 Prozent abgestürzt sind. Im ganzen Land gingen die Preise allein 2011 um acht Prozent zurück.

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Zusätzliche Rabatte

Nie war der Zeitpunkt günstiger, um ein Schnäppchen zu ergattern, denke ich und mache mich auf den Weg zur Traumimmobilie. Zunächst stöbere ich im Internet. Und richtig! Schon von den Web-Seiten locken mich die süßen Versprechen der Makler. "Neues Jahr, neue Preisnachlässe!" verkündet Altamira. Vallehermoso lockt gar mit einem ausdruckbaren Gutschein für zusätzliche Rabatte.

In 5000 Wohnungen leben gerade mal tausend Bewohner

Nichts wie los! Mein erster Stopp ist El Quiñón, ein Neubauviertel bei Seseña im Süden von Madrid. Nach einer halben Stunde Autobahnfahrt vorbei an Trabantenstädten, brachliegenden Äckern und Industriegebieten erreiche ich die Siedlung. 13.500 Wohnungen waren hier ursprünglich geplant, gebaut wurden über 5000, von denen 3000 in private Hände gingen. Die restlichen 2000 Wohnungen konnte der rührige Gründer von El Quiñón, Francisco Hernando, an Banken verkaufen. Dann zog ihn seine Unternehmerlust weiter nach Äquatorialguinea.

Viele Käufer wollten gar nicht selbst einziehen, sondern setzten auf schnelle Wertsteigerung und ebenso schnellen Weiterverkauf - das typische Zeichen einer Immobilienblase. Die Strategie schlug fehl, und die Hobby-Spekulanten würden ihre Wohnungen lieber heute als morgen loswerden mit so wenig Verlust wie möglich.

Und so gleicht El Quiñón heute einer Geisterstadt. In dem riesigen Komplex leben gerade einmal tausend Einwohner. Ganze Straßenzüge stehen leer. Hinweisschilder führen mich zu dem Verkaufsbüro von Altamira, und ich bin überrascht, es tatsächlich geöffnet vorzufinden. Was ich suche, will der Makler namens Roberto wissen, und ich frage nach einer Dreizimmerwohnung. Ein Kollege von Roberto zeigt sie mir. Die Wohnung ist schön, bei der Ausstattung wurde nicht gespart: echtes Parkett statt Laminat. Einbauschränke, die selbst auf der Innenseite mit Holz verkleidet sind. Bad- und Kücheneinrichtung vom Feinsten. Der Balkon geht auf einen großen Innenhof. Einen Basketballplatz und einen Pool erspähe ich zwischen Grünanlagen. Schon ab 89.000 Euro könnten die 84 Quadratmeter plus sieben Quadratmeter Balkon meine werden. 2008 hätte ich noch 165.000 für sie hinblättern müssen. Die Finanzierung wäre auch kein Problem, die übernimmt zu 100 Prozent die Bank Santander, der gehört die Wohnung nämlich. Ob beim Preis noch was möglich ist, möchte ich wissen. "Das entscheiden wir nicht", sagt Robertos Kollege. "Das entscheidet die Bank."

Im Aufzug treffen wir auf María José. Sie hat im Dezember gekauft und ist begeistert. "Sogar die Heizung funktioniert", schwärmt sie. Ich hatte mich auch schon gefragt, ob die Gemeinschaftseinrichtungen gut gewartet werden und wer das bezahlt. Schließlich ist die Anlage riesig und die Bewohnerzahl, auf die die Kosten normalerweise umgeschlagen werden, verschwindend gering. Aber auch da scheint sich Santander nicht lumpen zu lassen. "Ein paar Blöcke weiter verkaufen andere, da gibt es noch nicht einmal Licht im Treppenhaus", weiß María José.

Autobahn und Fluglärm

Ich schaue mir noch eine andere Wohnung von Altamira an, eine Zweizimmerwohnung mit Dachterrasse. Dieselbe wirklich gute Ausstattung, da gibt es nichts zu meckern; und 66 Quadratmeter plus 28 Quadratmeter Terrasse für gerade mal 101.000 Euro. Der Blick geht nach Osten. "Da könne Sie den Sonnenaufgang sehen", schwärmt der Makler. Meine Augen sehen eher brachliegendes Ackerland, Fabrikhallen und die viel befahrene Autobahn von Madrid nach Córdoba. Ich lehne dankend ab. "Wir rufen Sie an, falls die Preise weiter gesenkt werden", verspricht Robertos Kollege, als ich mich von ihm verabschiede.

Der nächste Stopp ist Valdebebas im Nordosten von Madrid. Ohne Stau wäre es keine Viertelstunde vom Zentrum. Leider liegt Valdebebas aber auch ganz besonders nah am Flughafen Barajas. Der Fluglärm ist nicht der einzige Grund, warum mir sehr schnell klar wird, dass ich auch hier nicht fündig werde. Denn in Valdebebas verkaufen zehn Immobilienfirmen Wohnungen anhand von Bauplänen. Man erwirbt also gewissermaßen das Versprechen auf eine fertige Wohnung. Jedes Wochenende kommen viele der 4500 Käufer, die bereits angebissen haben, und besichtigen die Baugrube, aus der sich einmal ihr Wohnblock in den Himmel erheben soll. Derzeit liegt der Quadratmeterpreis bei 2000 Euro. Je weiter sich die Immobilienblase aufblähte, desto beliebter wurde dieser Kauf ins Blaue hinein. Doch es gab auch Fälle, bei denen die Baufirmen pleitegingen und die Käufer am Ende ohne Wohnung und ohne Geld dastanden. Das ist mir angesichts der aktuellen Krise dann doch zu riskant.

7000 Euro pro Quadratmeter - "Luxus geht immer"

"Klotzen statt kleckern" lautet meine Devise für den dritten Anlauf zum Erwerb einer Traumimmobilie. Mitten in Madrid, an der Plaza España, werde ich fündig. Eines der ersten Hochhäuser der Stadt, Torre de Madrid, wurde in Luxusapartments umgewandelt. Habe ich vorhin etwas von guter Ausstattung geschrieben? Vergessen Sie es! Hier glänzen Marmor und Parkett, dass es eine Lust ist. Und erst der Ausblick auf die Madrider Prachtstraße Gran Via - ich bin sprachlos.

Das bin ich leider auch, als ich den Preis vernehme: Unter 7000 Euro pro Quadratmeter sei gar nichts zu machen. Die kleinste Wohnung im Angebot kostet 550.000 Euro. Und die gesunkenen Preise? Und die Krise? "Die gibt es bei solchen Wohnungen nicht", erklärt man mir. "Luxus geht immer."

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