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Mietpreis-Kluft in Deutschland vertieft sich


Mietpreis-Kluft in Deutschland vertieft sich rasant

03.07.2013, 12:27 Uhr | t-online.de - Frank Lansky

Mietpreis-Kluft in Deutschland vertieft sich. In der Provinz fallen die Mietpreise - die Nachfrage sinkt (Quelle: dpa)

In der Provinz fallen die Mietpreise - die Nachfrage sinkt (Quelle: dpa)

Zerrissenes Deutschland: Während die Menschen in den Metropolen verstärkt über steigende Mieten und Wohnungsmangel klagen, sinken in vielen Gebieten die Mietpreise rapide – und viele Apartments stehen leer. Mit entsprechenden Folgen für die Kommunen. Laut einer Untersuchung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) hat sich diese Kluft in Deutschland zuletzt vertieft.

Mieten in den Metropolen steigen rasant

"Die Miethöhen spreizen sich in den Regionen Deutschlands weit auf. Sie reichen auf der Kreisebene im Durchschnitt von 3,77 Euro je Quadratmeter in Wunsiedel im Fichtelgebirge bis hin zu 12,53 Euro je Quadratmeter in der Stadt München," urteilt das BBSR. Und weiter: "Ende 2011 waren in zwei Drittel der Kreise positive Mietenentwicklungen zu verzeichnen."

"Einzelne Großstädte fallen mit doch erheblichen jährlichen Steigerungen von mindestens vier Prozent auf, so z. B. Hamburg, Berlin, Oldenburg, Trier, Würzburg, Ingolstadt oder Freiburg im Breisgau", urteilt das BBSR mit Blick auf den Fünfjahreszeitraum in seiner Studie.

Die Mietpreis-Kluft wächst rasant

Und es geht noch teurer: Laut der Zeitung "Die Welt" sind in den Jahren 2011 und 2012 die Mieten in Kassel (plus 10,1 Prozent), Forchheim (plus 9,3 Prozent), Ulm (plus 8,7 Prozent), Schwabach (plus 8,4 Prozent) und Darmstadt (plus 8,0 Prozent) gestiegen.

Die Grafiken des BBSR belegen, dass sich die Spreizung in den Jahren 2011 bis 2012 verstärkt hat – die Extremfälle in dunkelrot für jährlich stark steigende und dunkelblau für stark sinkende Mieten per annum sind weit stärker vertreten, als noch im Zeitraum 2007 bis 2012.


Leerstand in der Provinz

Die Verödung der Provinz schreitet derweil voran: "Viele Städte, Regionen und ländliche Räume müssen sich mit einer schrumpfenden Bevölkerung und mit wachsenden Leerständen auf den Mietwohnungsmärkten auseinandersetzen", konstatiert das Insitut.

"Die Welt" ergänzt, das Problem der sinkenden Mietpreise sei in der Uckermark mit einem Minus von 5,8 Prozent in den Jahren 2011 und 2012 besonders gravierend. Auch Pirmasens (minus 3,9 Prozent), Hof und Wunsiedel (jeweils minus 2,8 Prozent) und Nordfriesland (minus 2,7 Prozent) seien günstiger geworden.

Der Leerstand ist derweil kein Einzelphänomen mehr: Das Blatt zitiert eine Aussage des Bundesbauministeriums, wonach inzwischen gut ein Viertel der Landkreise von Schrumpfungsprozessen betroffen sind, die sich auch auf die Mieten auswirkten. Die Gründe: Abwanderung, Arbeitslosigkeit und Überalterung senken die Einwohnerzahl in vielen deutschen Städten.

Nicht mehr marktgängige Wohnungen würden zwar teilweise mit Hilfe von Förderprogrammen von Bund und Ländern abgerissen. Im Rahmen des Städtebauförderungsprogramms "Kleinere Städte und Gemeinden" erhielten rund 550 Kommunen in diesem Jahr 55 Millionen Euro – nach rund 44 Millionen Euro im Jahr 2012.

Verödung der Kommunen

Dennoch gebe es erhebliche Folgen aus dem Leerstand, urteilt das BBSR. "So können Käufer gänzlich ausbleiben oder die für die Altersvorsorge erwarteten Erlöse aus dem Verkauf nicht erzielt werden," heißt es in der Studie. Leer stehende Wohnungen und Gebäude wirkten sich zudem negativ auf das Wohnumfeld aus.

Spitzenreiter beim Leerstand waren laut BBSR im Jahr 2011 die Bundesländer Sachsen mit fast zehn Prozent und Sachsen-Anhalt mit über neun Prozent.

Im Schnitt kein Grund zur Besorgnis

Das BBSR zieht auch ein bundesweites Fazit zum Thema Mieten – und diese Durchschnittsbetrachtung dürfte weder die Eigentümer auf dem flachen Land noch die Mieter in teuren Metropolen überzeugen: "Die bundesweiten Mietensteigerungen liegen (…) immer noch unter der Inflationsentwicklung." Und weiter: "Der Rat der Immobilienweisen sieht in seinem Frühjahrsgutachten Immobilienwirtschaft 2013 bundesweit keine besorgniserregenden Mietensteigerungen. Für das laufende Jahr erwarten die Immobilienexperten eine moderate Mietensteigerung von drei Prozent."

Und so gingen die Experten vor: Sie sammelten Belege für stagnierende oder nur leicht steigende Angebotsmieten. Dafür verwendeten sie Angebote in Annoncen aus Tageszeitungen und Internetplattformen für die Neu- und Wiedervermietungen. Gesammelt wurden Daten für Wohngrößen zwischen 40 und 130 Quadratmetern. Bestandsmieten konnte das im Baundesamt für Bauwesen und Raumordnung angesiedelte BBSR nicht auswerten; doch seien neue Angebote in der Neuvermietung sowieso aussagekräftiger, da sie dynamischer auf Veränderungen der Wohnungsmarktsituation reagierten.

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