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Immobilienmarkt alte Bahnhöfe: Wohnen mit Gleisanschluss

Immobilienmarkt alte Bahnhöfe  

Wohnen mit Gleisanschluss

09.10.2013, 13:17 Uhr | Spiegel Online

Immobilienmarkt alte Bahnhöfe: Wohnen mit Gleisanschluss. Der restaurierte Bahnhof in Groß-Umstadt im Landkreis Darmstadt-Dieburg (Quelle: Robert Laack)

Der restaurierte Bahnhof in Groß-Umstadt im Landkreis Darmstadt-Dieburg (Quelle: Robert Laack)

320 Quadratmeter Wohneigentum für 1900 Euro - doch, das gibt es. Die Rede ist vom alten Bahnhof von Passow in der Uckermark. Meist ist der Einstieg in die Wohnwelt an der Schiene jedoch deutlich teurer. Zu Besuch auf einer Auktion, wo sich die Bieter um Gemäuer mit Gleisanschluss streiten.

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Das Bahnhofsgebäude in der Kardinal-von-Galen-Straße hat schon bessere Tage gesehen. Die Fassade ist mit Graffitis verziert, die Wohnungen und die ehemaligen Bahnhofsräume sind sanierungsbedürftig. Schon in den siebziger Jahren hatte der einst hübsche Altbau eine Modernisierung im Stile der Zeit erlitten. Die Stuckverzierungen wurden abgeschlagen und durch einen schmucklosen Rauputz ersetzt - die Wiederbelebung ist jetzt eine Herausforderung für jeden Architekten.

Am ersten Tag der Herbst-Auktion des Berliner Auktionshauses Karhausen ist der ehemalige Bahnhof Mainz-Marienborn trotzdem der heimliche Star. Zwölf Bieter haben bereits im Vorfeld ihre Offerten abgegeben. Das Mindestgebot von 5000 Euro ist schnell überschritten. 12.000, 16.000, 35.000 Euro. Im Vergleich zu den anderen Losen (so nennen die Versteigerer die einzelnen Angebote) steigt der Preis mit geradezu atemberaubendem Tempo. Im Saal beteiligen sich zwei Interessierte an dem Bieterwettstreit. Einer davon, ein freundlicher Mann Anfang vierzig, ist eigens wegen der Auktion aus der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt angereist. Bei 50.000 steigt er aus. Am Ende fällt der Hammer bei 75.000 Euro. "Das ist ein Liebhaberpreis", sagt er. "Zusammen mit den Kosten für die Sanierung rechnet sich das nie."

"Liebhaber" - das Wort trifft es ohnehin ganz gut. Wer sonst würde sich einen Bahnhof zulegen, noch dazu wenn täglich Züge im Viertelstundentakt daran vorbeirauschen? Es sind nicht wenige. Chefauktionator Matthias Knake erteilt allein für 30 davon an diesem Freitag den Zuschlag. Dazu kommen ein Lokschuppen mit Wasserturm und ein ehemaliges Stellwerk. Die Mindestgebote beginnen unspektakulär bei 3000, 5000 oder 8000 Euro. Der letzte Aufruf beträgt nicht selten ein Vielfaches davon.

Echte Schnäppchen

Es sind Leute wie Heidrun Brandt aus dem brandenburgischen Kyritz. Die Steuerberaterin suchte ein passendes Domizil für ihre Praxis, möglichst ortsnah, da kam der Bahnhof gerade recht, zumal er im Prinzip nur Schönheitsreparaturen verlangt. Es ist sogar denkbar, dass die Bahnstrecke dahinter in einigen Jahren stillgelegt wird, was den Wert der Immobilien deutlich steigern würde. Doch das will Brandt gar nicht. "Mein Sohn kommt regelmäßig aus Berlin zu Besuch", erklärt sie. "Da ist es einfacher, wenn er direkt vor der Tür aussteigen kann." Den Aufschlag für die Aussicht auf Ruhe muss sie trotzdem bezahlen. Erst nach längerem Hin und Her ringt sie den letzten Konkurrenten nieder. 57.000 Euro lautet ihr letztes Gebot.

Natürlich gibt es auch die echten Schnäppchen. Der Bahnhof in Passow etwa. Das Gemäuer ist zwar ziemlich heruntergekommen und liegt auch weit ab vom Schuss in der Uckermark; dafür kostet es aber auch nur 1900 Euro für 320 Quadratmeter Wohnfläche. Billiger kann man nicht wohnen.

Aber darauf kommt es den Bahnhofsliebhabern in der Regel gar nicht an. "Wir hatten uns einfach in das Haus verliebt und träumten lange Zeit davon, einmal dort zu wohnen", erzählt Birgit Hörner, die mit ihrer Familie seit sieben Jahren im ehemaligen Bahnhof von Groß-Umstadt zwischen Darmstadt und Aschaffenburg wohnt. Einen Altbau mit einer solchen Ausstrahlung finde man in der Gegend selten.

Gemeinsam mit ihrem Ehemann Robert Laack hat sie den Bahnhof nach einem Bieterkampf direkt von der Bahn gekauft. Zunächst hatte ein Konkurrent mehr geboten, dann aber zurückgezogen. An ihrem Geburtstag erfuhr Hörner von ihrem Glück. Der Weg bis zum Einzug erwies sich jedoch als überraschend steinig. Bremser war ausgerechnet der Gemeinderat, der eigentlich an einer denkmalgerechten Restaurierung hätte interessiert sein müssen. Stattdessen arbeiteten sich die Altvorderen an der Höhe der Begrenzungsmauer zum Bahnsteig ab, der als Schutz gegen allzu neugierige Blicke dient.

Gemeinderat als Bremser

Viele hatten das Ehepaar im Vorfeld auch davor gewarnt, dass die Zusammenarbeit mit dem Aufsichtsamt der Deutschen Bahn extrem kompliziert werden könnte. Denn seine alten Gebäude verkauft das Unternehmen regelmäßig nur mit Auflagen. Oft muss der neue Besitzer zum Beispiel dulden, dass Zuggäste durch den Bahnhof aufs Gleis laufen. Oder er muss Bahn-Mitarbeitern den Zugang zu Räumen gestatten, in denen noch Stellwerkstechnik oder Schalttafeln für Signalanlagen installiert sind. Wer frei schalten und walten will, sollte sich nach einem anderen Eigenheim umsehen. In Groß-Umstadt jedoch klappte die Kooperation mit der Bahn ohne Probleme.

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