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Mietrecht: Mietnomaden bleiben ein Phantom


Mietnomaden bleiben ein Phantom

06.12.2010, 10:53 Uhr | AFP, AFP, t-online.de

Mietrecht: Mietnomaden bleiben ein Phantom. Messi-Wohnung: Der Streit über das Mietnomadentum geht weiter (Foto: imago)

Messi-Wohnung: Der Streit über das Mietnomadentum geht weiter (Foto: imago) (Quelle: imago images)

Sie wohnen in Mietwohnungen, ohne jemals zu bezahlen. Wenn sie verschwinden, hinterlassen sie Müll und Zerstörung, einen jammernden Vermieter oder auch einen ratlosen Gerichtsvollzieher: Viele Fernsehsender machen seit langem Quote mit Bildern sogenannter Mietnomaden. Doch die Wirklichkeit bilden diese Formate offenbar ebenso wenig ab wie die gegensätzlichen Interpretationen einer Mietnomaden-Studie der Universität Bielefeld. Die Untersuchung bestätigt nicht die Hochrechnungen des Hausbesitzerverbands Haus & Grund, der von mehr als 15.000 Mietnomaden-Fällen im Jahr spricht. Doch genauso wenig könne der Deutsche Mieterbund (DMB) angesichts der Studienergebnisse Entwarnung bei dem Thema geben.

Dabei ist das Papier, das vor wenigen Tagen dem Bundesbauministerium übergeben wurde, auch ohne Interpretationen höchst aufschlussreich. Die beiden Wissenschaftler der Forschungsstelle für Immobilienrecht, Markus Artz und Florian Jacoby, sollten für das Ministerium in der Mietnomaden-Untersuchung darstellen, wie sich solche Fälle gestalten. Sie sollten jedoch nicht feststellen, und darauf legen die beiden ausdrücklich Wert, wie viele Fälle es bundesweit tatsächlich gibt.

Mietnomadentum im Koalitionsvertrag

Grund für die Studie ist eine von der FDP initiierte Vereinbarung im schwarz-gelben Koalitionsvertrag, wonach das Mietrecht zur Bekämpfung des Mietnomadentums geändert werden soll. Die Untersuchung sollte Fakten liefern, die das Problem für die Gesetzesänderung genauer eingrenzen.

Bei ihren Datenerhebungen wurden die Experten vom Hausbesitzerverband maßgeblich unterstützt. Er rief seine in 900 Ortsvereinen organisierten Mitglieder auf, sich zahlreich zu melden: Je mehr Fälle in der Uni ankommen, desto höher die Chance, künftig besser gegen Mietnomaden vorgehen zu können, warb der Verband für die Studie. Doch von den Besitzern der bundesweit 24 Millionen Mietwohnungen meldeten sich nicht Zehntausende, sondern nur 1400. Und nur 400 dieser Fälle betrafen eindeutige Mietnomaden, die von Anfang an Betrug geplant hatten. In allen anderen waren Mieter etwa wegen Krankheit, Scheidung oder Arbeitslosigkeit in Mietrückstand geraten.

Nur 400 Fälle verteilt auf Jahrzehnte

Die 400 verbliebenen Fälle reichten zudem teils mehr als 40 Jahre zurück und ergaben den Wissenschaftlern zufolge einen Mittelwert von etwa je 50 für die vergangenen Jahre. Dass aus diesen Daten wegen der geringen Resonanz der Vermieter kein Schluss über die tatsächlichen Zahlen an Mietnomaden gezogen werden kann, wie die Wissenschaftler betonen, stört die beiden Verbände jedoch nicht. Haus & Grund beharrt weiterhin auf seinen Hochrechnungen von 15.000 Fällen im Jahr und erklärte zugleich mit Blick auf die 400 erfassten Fälle: "Dieses Ergebnis übertrifft unsere schlimmsten Befürchtungen".

Mieterbund-Sprecher Ulrich Ropertz kann darüber "nur den Kopf schütteln". Von einer solchen Schlussfolgerung fühle er sich "verhöhnt", sagte er. Sein eigener Verband sei bislang von etwa 1000 Fällen im Jahr ausgegangen und habe damit "offenbar maßlos übertrieben". Die Zahlen der Studie von etwa 50 Fällen im Jahr belegten nun, dass es "kein nennenswertes Mietnomaden-Problem" gebe und Mietrechtsänderungen überflüssig sind. Das wiederum treibt den Sprecher von Haus & Grund auf die Palme: "Der Mieterbund betreibt Täuschung mit den Zahlen", sagte Alexander Wiech.

Vermieter sind häufig selbst schuld

Deutlich verärgert sind nun die beiden Wissenschaftler. Ihre Zahlen würden von den Verbänden missbraucht, um damit "Politik zu machen", heißt es an deren Institut. Dabei seien die Kernbotschaften der Studie, die das Ministerium erst am 22. Dezember veröffentlich will, auch so schon deutlich genug. Die erste laute: Das von Vermietern gefühlte Ausmaß des Mietnomadentums ist größer als das wirkliche Problem.

Und die zweite Botschaft: Viele Vermieter sind selbst schuld. Rund zwei Drittel der Betroffen gaben laut Studie an, vorab keinerlei Erkundigungen über ihre Mieter wie etwa zum Einkommen oder zu Vorvermietern eingeholt zu haben. Für Haus & Grund wäre es deshalb sehr viel sinnvoller, für Wohnungseigentümer einen kleinen Leitfaden mit entsprechenden Fragen zu erstellen, statt Gesetzesänderungen für den Fall danach zu fordern, heißt es in Bielefeld.

Ratgeber: Mietnomaden: So schützen Sie sich

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