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Gutachten: Mietnomaden schädigen vor allem "Amateur-Vermieter"


Mietnomaden schädigen vor allem "Amateur-Vermieter"

08.02.2011, 13:29 Uhr | dpa, dpa, t-online.de

Gutachten: Mietnomaden schädigen vor allem "Amateur-Vermieter". Vermüllte Wohnung: Unerfahrene Vermieter machen es Mietnomaden oft leicht (Foto: imago)

Vermüllte Wohnung: Unerfahrene Vermieter machen es Mietnomaden oft leicht (Foto: imago) (Quelle: imago images)

Wenn Vermieter in Deutschland Opfer von Mietnomaden werden, sind sie - leider - oft selbst schuld daran. Das ergibt sich aus einem Gutachten für die Bundesregierung, das die beiden Forscher Markus Artz und Florian Jacoby von der Forschungsstelle für Immobilienrecht der Universität Bielefeld erstellt haben. Bei zwei Dritteln der analysierten Fälle handele es sich um "Amateur-Vermieter".

Mietnomaden zahlen meist von Anfang an keine Miete, lassen die Wohnung verkommen und wenden diese Masche dann erneut in anderen Orten an, wenn sie endlich ausziehen. Damit entstehen den privaten Vermietern oft hohe finanzielle Belastungen. Die "Amateur-Vermieter" versäumen es allerdings häufig schon im Vorfeld, ihre künftigen Mieter ordentlich zu überprüfen.

Viele Vermieter verzichten auf wichtige Auskünfte

Sie forderten meist keine Schufa-Auskunft, Informationen zum vorherigen Mietverhältnis oder einen Nachweis über feste Einkünfte, schreiben die Forscher. Nach der Unterzeichnung des Mietvertrags beginnt dann der Horror. Gutachter Artz betont, die Studie sei keine quantitative Erhebung, sondern eine qualitative Analyse. Daher fehlen weiterhin absolute Zahlen für Deutschland, aber sie dürften maximal im vierstelligen Bereich liegen.

Mietnomaden sind kein Massenphänomen

Bei den Forschern meldeten sich im Zuge eines bundesweiten Aufrufs 1500 Opfer. Davon wurden lediglich 426 Fälle als "echter" Mietnomaden-Betrug eingestuft. Dies ist nach der Definition von Artz und Jacoby der Fall, wenn höchstens drei Monatsmieten gezahlt wurden. Der Staatssekretär im Bundesbauministerium, Rainer Bomba, betonte, die Studie sei wichtig für eine Versachlichung der Debatte.

Vermieter zögern zu lange

So kursierten Zahlen von 15.000 Fällen, Schwarz-Gelb verankerte den Kampf gegen die Mietnomaden gar im Koalitionsvertrag. "Zwar ist die Zahl der Fälle überschaubar, aber wenn ein Jahr lang die Mietzahlungen ausfallen, ist das eine finanzielle Katastrophe", sagte der baupolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Sebastian Körber. Denn auch wenn Vermieter im Schnitt rund 1,1 Monate nach Entstehen eines Kündigungsgrunds die Reißleine ziehen, dauert es bis zur Räumung und Neuvermietung oft mehr als ein Jahr. Der Gesamtschaden beträgt meist zwischen 10.000 bis 20.000 Euro.

Dreieinhalb Monate nach Kündigung wird in der Regel die Räumungsklage erhoben. Die Verzögerungen entstehen oft, weil der Mieter versichert, er ziehe aus und es dann doch nicht tut. Die Räumungsprozesse dauerten im Durchschnitt dann weitere 5,4 Monate. Nach dem Urteil vergehen dann oft noch einmal knapp drei Monate bis zur Räumung. Und dies nicht, weil die Gerichtsvollzieher überlastet sind, sondern weil der Vermieter zögert, den Vorschuss von weit über 1000 Euro für die Möbelpacker und die Einlagerung der Möbel zu bezahlen.

Neues Gesetz schafft wohl kaum Abhilfe

Das Problem mit der abwartenden Haltung der Vermieter lässt Artz und Jacoby daran zweifeln, ob mit einer Verschärfung des Mietrechts die Räumungen zu beschleunigen sind. Trotz der wenigen Fälle will die Bundesregierung eine "Lex Mietnomade" schaffen. Die Forscher betonen, schon mit mehr Kontrolle durch die Vermieter vor Unterzeichnung des Mietvertrags sei ein Großteil der Probleme zu beheben.

Nach ersten diskutierten Eckpunkten für eine Mietrechtsreform soll der Vermieter bereits die Reißleine ziehen können, wenn die Kaution nicht oder verspätet gezahlt wird - und nicht erst nach mehreren fehlenden Monatsmieten. Und die sogenannte Berliner Räumung wird bundesweit angestrebt. Dabei muss der Vermieter nicht einen Gerichtsvollzieher für tausende Euro damit beauftragen, das in der Wohnung verbliebene Mobiliar abzutransportieren und einzulagern. Sondern er kann die Möbel selbst in seine Obhut nehmen und verkaufen.

Der Mieterbund kritisiert die diskutierten Punkte scharf: Wegen einiger Betrüger, die in krimineller Absicht eine Wohnung anmieten, dürfe man nicht für alle 23 Millionen Mieter die Regeln verschärfen.

Mehr zum Thema Mietrecht in unserem Mietrechtslexikon

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