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Atomkraftgegner machen gegen Stromkonzerne mobil

Anti-Atomstrom-Debatte  

Atomkraftgegner machen gegen Stromkonzerne mobil

03.04.2011, 10:03 Uhr | dapd, dpa, dpa, dapd, t-online.de

Atomkraftgegner machen gegen Stromkonzerne mobil. Die Anti-Atomkraft-Bewegung gewinnt immer mehr an Einfluss (Foto: dpa) (Quelle: dpa)

Die Anti-Atomkraft-Bewegung gewinnt immer mehr an Einfluss (Foto: dpa) (Quelle: dpa)

Die deutsche Atomdebatte bewegt die Gemüter. Nun rufen Umweltschützer und Atomkraftgegner die Verbraucher dazu auf, den großen Energiekonzernen zu kündigen und zu einem Ökostromanbieter zu wechseln. "Die RWE-Manager haben offensichtlich nichts verstanden, zeigen Sie RWE deshalb die Rote Karte", sagte der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Hubert Weiger, am Freitag in Berlin. Der Stromversorger RWE hatte Klage gegen das Kernkraft-Moratorium der Bundesregierung und die vorläufige Abschaltung seines Kernkraftwerkes Biblis A in Hessen eingereicht.

"Ängste werden nicht ernst genommen"

Nach Ansicht von BUND ist dies Zeichen dafür, dass "RWE wild entschlossen ist, die Augen vor den Folgen des Fukushima-Gaus zu verschließen". Weiger meinte, vor Fukushima habe RWE-Chef Jürgen Großmann mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Verlängerung der AKW-Laufzeiten ausgekungelt. "Jetzt lässt er seine Anwälte gegen das AKW-Moratorium klagen und zeigt damit, dass er die Ängste der Bevölkerung vor der Atomenergie nicht ernst nimmt."

Kunden sollen sich von Atomstrom verabschieden

Der Sprecher der Anti-Atom-Organisation Ausgestrahlt, Jochen Stay, sagte, es sei an der Zeit, die Macht der Verbraucher einzusetzen. "Denn die Sprache, die RWE und E.ON, EnBW und Vattenfall verstehen, ist die Sprache des Geldes. Je mehr Kunden sich von den Atomstromern verabschieden, umso größer wird die Bereitschaft der Unternehmen, auf ihre gefährlichen Reaktoren zu verzichten."

RWE will Interessen der Aktionäre wahren

Der Energieversorger RWE hatte derweil erklärt, Sinn der Klage sei es, die Rechtsgrundlage der Stilllegungsanordnung zu klären. Man wolle mit der Klage nicht zuletzt die Interessen seiner Aktionäre wahren. Mit jedem Tag des Stillstands von Biblis A entgehen dem Kraftwerksbetreiber nach Einschätzung von Experten rund eine Million Euro an Gewinn. Eine wenige Stunden alte Erklärung, es treffe zurzeit keine Vorbereitungen zur Wiederinbetriebnahme des Reaktors, zog das Unternehmen am Freitagmittag überraschend zurück. Eine Begründung dafür gab RWE nicht.

E.ON verzichtet auf Klage

Mit seinem Konfrontationskurs gegen die Bundesregierung steht der Essener Konzern bislang in der Energiewirtschaft allein. E.ON hatte im Gegensatz zu RWE am Donnerstag entschieden, auf eine Klage gegen das Moratorium zu verzichten.

Ende der Atomkraft scheint möglich

Wie E.ON heute erklärte, halten die Entscheidungsträger inzwischen das baldige Ende der Atomkraftnutzung in Deutschland für möglich. "Ohne eine grundlegende gesellschaftliche Akzeptanz lässt sich kein Geschäft auf Dauer nachhaltig oder erfolgreich betreiben", schreibt Vorstandschef Johannes Teyssen in einem Gastkommentar für die "Frankfurter Rundschau". Nach dem Verzicht auf eine Klage gegen das Atom-Moratorium der Bundesregierung fordert Teyssen allerdings eine Beteiligung an den Verhandlungen über die Zukunft der Kernenergie.

Machbare Alternativen notwendig

Das Moratorium muss nach Teyssens Worten nun genutzt werden, "um einen Fahrplan für Deutschlands Energiezukunft zu entwickeln, der über Parteigrenzen hinweg getragen wird und breite gesellschaftliche Akzeptanz findet". Mit dem Verzicht auf eine Klage gegen das Moratorium trage E.ON dazu bei, die Voraussetzungen für einen "offenen und transparenten Dialog zur Transformation des deutschen Energiesystems" zu schaffen. Ein schnellerer Ausstieg aus der Atomenergie setze allerdings "machbare Alternativen" voraus.

Konzern spürt Ablehnung

Der Topmanager räumt ein, dass es E.ON nicht leicht gefallen sei, auf eine Klage zu verzichten. Aber unter Verweis auf die Atomkatastrophe in Japan schreibt Teyssen weiter: "Fukushima wiegt zu schwer, als dass irgendjemand einfach zur Tagesordnung übergehen könnte. E.ON will und wird das jedenfalls nicht." Sein Unternehmen habe zur Kenntnis zu nehmen, dass die Bevölkerung der Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke "derzeit überwiegend ablehnend gegenübersteht".

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