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Energiearmut belastet immer mehr Haushalte

Kostenexplosion bei Strom, Öl, Gas  

Energiearmut in Deutschland nimmt drastisch zu

24.02.2014, 18:18 Uhr | Spiegel Online

Energiearmut belastet immer mehr Haushalte. Wenn die Kosten für Wohnenergie mehr als zehn Prozent des Nettoeinkommens auffressen, spricht man von Energiearmut (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Wenn die Kosten für Wohnenergie mehr als zehn Prozent des Nettoeinkommens auffressen, spricht man von Energiearmut (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Steigende Energiekosten werden zu einem Problem für immer mehr Bürger in Deutschland. Allein von 2008 bis 2011 ist der Anteil sogenannter energiearmer Haushalte in der Bundesrepublik von 13,8 auf 17 Prozent gestiegen. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion hervor, die "Spiegel Online" vorliegt. Damit gilt inzwischen mehr als jeder sechste Haushalt als energiearm.

Zwar existiert noch keine allgemeingültige Definition für den Begriff der Energiearmut. Jedoch ist die Festlegung verbreitet, wonach ein Haushalt als energiearm gilt, wenn mehr als zehn Prozent des Nettoeinkommens für Wohnenergie aufgewendet werden müssen.

Noch im Jahr 2008 traf das laut Statistischem Bundesamt auf rund 5,5 Millionen Haushalte zu. Im Jahr 2011 war diese Zahl laut einer Hochrechnung der Statistiker bereits auf 6,9 Millionen gestiegen, teilte die Bundesregierung in ihrer Antwort mit. Diese Haushalte würden bei einem durchschnittlichen Monatseinkommen von 901 Euro im Schnitt 93 Euro für Energie ausgeben.

Energiepreise steigen schneller als Löhne

Die alarmierende Steigerung ist Resultat eines seit Jahren andauernden Trends: Die Kosten für Strom, Gas und Öl steigen deutlich stärker als die Löhne. So mussten Haushalte etwa für Heizung und Warmwasser im vergangenen Jahr 43 Prozent mehr ausgeben als noch im Jahr 2002 - im selben Zeitraum hatten die Löhne im Schnitt nur um 17 Prozent zugelegt.

"Die fossilen Energien werden zur Armutsfalle, und die Bundesregierung sieht tatenlos zu, wie jedes Jahr 400.000 Haushalte mehr in diese Falle geraten", sagt die Grünen-Umweltexpertin Bärbel Höhn. Das von Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) angekündigte "Bündnis für bezahlbares Wohnen" sei ohne Maßnahmen zur Energieeinsparung zum Scheitern verurteilt, kritisiert die Grünen-Bundestagsabgeordnete.

Bislang summiert die Bundesregierung unter diesem Schlagwort die geplante Erhöhung des Wohngelds, eine Förderung des sozialen Wohnungsbaus und die bereits im Koalitionsvertrag vereinbarte Mietpreisbremse. Maßnahmen für höhere Energieeffizienz in Wohnungen fehlen bislang.

Sanierung von Wohnungen kommt nicht voran

Dabei hinkt Deutschland gerade in diesem Punkt den selbstgesteckten Zielen weit hinterher: Zwei Prozent des Gebäudebestands sollen nach dem Willen der Bundesregierung jedes Jahr mit Wärmedämmung, mehrfachverglasten Fenstern und modernen Heizanlagen ausgestattet - also energetisch saniert - werden. Tatsächlich ist es derzeit mit rund einem Prozent lediglich die Hälfte.

Die Grünen fordern daher, die Bundesregierung müsse die energetische Sanierung von Gebäuden stärker finanziell fördern. Konkret sollten die Kosten von der Steuer absetzbar sein, Förderprogramme der staatseigenen KfW-Bank besser ausgestattet und ein Klimazuschuss zum Wohngeld gewährt werden, sagt Höhn.

Wachstumsschub durch Energieeffizienz

Der Forderung nach der steuerlichen Absetzbarkeit von Sanierungskosten können prinzipiell auch viele Politiker von Union und SPD zustimmen. In den jüngsten Koalitionsvereinbarungen waren entsprechende Pläne wegen hoher Kosten für den Bundeshaushalt aber schnell vom Tisch.

Tatsächlich wäre eine reine Förderung über die steuerliche Absetzbarkeit sozialpolitisch heikel. Denn sie käme vor allem Gutverdienern mit Eigenheim zugute, während Mieter nichts davon hätten, zu denen die allermeisten energiearmen Haushalte zählen. Gerade sie sind aber in der Regel stark von den Sanierungskosten betroffen, weil Vermieter diese über Mieterhöhungen großteils auf sie abwälzen können.

Von einer Förderung etwa durch die staatliche KfW-Bank profitieren hingegen auch die Mieter, weil sie die Sanierungskosten direkt senkt; die Vermieter dementsprechend weniger auf die Miete aufschlagen können. Auch Claudia Kemfert, Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), fordert, die finanziellen Anreize zur Gebäudesanierung durch Förderprogramme der KfW zu erhöhen.

Dabei hätte eine höhere Sanierungsquote laut einer DIW-Studie zudem willkommene Nebenwirkungen: Sie würde nicht nur dem Klima nutzen und Energiekosten reduzieren, sondern brächte auch spürbar mehr Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze, stellten die Forscher fest.

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