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Mieten sind gestiegen - Mythos oder Wahrheit?


Die Mieten sind gestiegen - Mythos oder Wahrheit?

30.01.2013, 08:46 Uhr | t-online.de, dpa-AFX

Mieten sind gestiegen - Mythos oder Wahrheit?. Die Mieten sind in den letzten Jahren sehr stark gestiegen (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Die Mieten sind in den letzten Jahren sehr stark gestiegen (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Millionen Menschen in Deutschland müssen den Großteil ihres Einkommens für das Wohnen aufbringen. Besonders in den Wirtschaftszentren der Republik ziehen die Mieten regelmäßig an. Doch jetzt wehrt sich die Branche gegen derartige Behauptungen. Nach einer Studie des Immobilienverbands IVD sind die Wohnungsmieten in den vergangenen 20 Jahren deutlich langsamer gestiegen als das allgemeine Preisniveau.

Mieten als Wahlkampfthema

Der Mieterbund schlägt Alarm, die SPD hat das "bezahlbare Wohnen" als Wahlkampfthema entdeckt: In den vergangenen Jahren haben die Mieten in Deutschland kräftig angezogen. Vor allem in den Metropolen und Universitätsstädten. Das dürfe so nicht weitergehen, fordern die Sozialdemokraten und versprechen: "Wir werden den Anstieg der Mietpreise begrenzen. Wir werden verhindern, dass Menschen aufgrund steigender Mieten aus ihren Wohnungen und ihrem sozialen Umfeld verdrängt werden."

Der Deutsche Mieterbund fordert derweil die Politik zum Handeln auf. Dringend nötig sei etwa eine Deckelung der Mieten bei Neuverträgen, die dann nicht mehr als zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen dürften, sagte Direktor Lukas Siebenkotten in der ARD-Sendung "Menschen bei Maischberger".

Doch ist die Lage wirklich so dramatisch? Nein, wettert Jürgen Michael Schick, Vizepräsident des Immobilienverbands IVD. Er wirft der Politik vor, mit den Ängsten der Bürger zu spielen. "Die Mieten haben in den vergangenen fünf Jahre aufgeholt, um wieder auf das Niveau von vor 20 Jahren zu gelangen."

Verband: Wohnungsmieten auf dem Niveau von 1992

Tatsächlich seien die Mieten für Neuverträge seit 1992 um 9,4 Prozent, in den Top-10-Städten um 13,6 Prozent gestiegen. Da die allgemeine Inflation im selben Zeitraum über 40 Prozent betrage, "liegen die realen Mieten 2012 deutlich unter dem Niveau von vor 20 Jahren", betont IVD-Präsident Jens-Ulrich Kießling.

Berliner zahlen deutlich weniger für ihre Wohnung

Das gelte auch für die drei Top-Städte: In Berlin liegen die Mieten inflationsbereinigt auf der Hälfte des 1992er-Niveaus, in Hamburg rund 22 Prozent unter dem Niveau von 1992 und in München rund 15 Prozent. Dabei sei München sei nicht nur die Stadt mit den höchsten Mietpreisen, sondern auch mit dem stärksten Anstieg seit 1992. In Berlin/West zahlen Mieter nach den Angaben heute sogar nominal satte 30 Prozent weniger für ihre Wohnung als vor 20 Jahren - trotz des Anstiegs seit 2009.

Manche Mieter können diese Zahlen möglicherweise nicht nachempfinden. Denn einigen wachsen die hohen Wohnkosten bereits über den Kopf. Viele Haushalte müssen nach Einschätzung des Deutschen Mieterbunds schon jetzt mehr als ein Drittel ihrer Konsumausgaben fürs Wohnen ausgeben - inklusive Betriebskosten. Bei einkommensschwachen Haushalten sind es demnach mehr als 45 Prozent.

Wohnkostenanteil konstant bei 16 Prozent

Dem setzt der IVD eigene Zahlen entgegen - die sich allerdings auf ganz Deutschland sowie auf die zehn größten Städte insgesamt beziehen. "Bis 1993 mussten Mieter im Bundesschnitt 20,13 Prozent ihres Nettohaushaltseinkommens für die Wohnung ausgeben. Dieser Anteil ist im Laufe der Jahre zurückgegangen und liegt seit 2006 konstant bei etwa 16 Prozent", sagt Schick.

Dem Einzelnen hilft der Durchschnitt jedoch wenig. Immer mehr Menschen zieht es in Großstädte, und dort vor allem in die beliebten Stadtteile. Deshalb wird Wohnen derzeit vor allem in beliebten Szenevierteln wie dem Hamburger Schanzenviertel oder Prenzlauer Berg in Berlin rasant teurer.

Mieterlobby warnt vor sozialen Folgen

Die Mieterlobby warnte bereits vor gravierenden sozialen Folgen: Angesichts der Entwicklung würden viele Menschen aus den Zentren an den Stadtrand verdrängt. Deshalb bekräftigte der Mieterbund zuletzt auch seine Forderung, dass Neubauprojekte auch immer einen Teil von Sozialwohnungen beinhalten müssten, deren Zahl derzeit kontinuierlich sinke.

Und Mieterbund-Sprecher Ulrich Ropertz sieht in der IVD-Analyse einen "simplen Ablenkungsversuch von den aktuellen Wohnungs- und Mietenproblemen". Er sagt weiter: "Tatsache ist, in Großstädten, Ballungszentren und Universitätsstädten haben Mieter noch nie so hohe Mieten zahlen müssen wie heute." Besonders hart treffe das all jene, die einen neuen Mietvertrag abschließen müssten, beispielsweise weil sie aus beruflichen Gründen umziehen müssten, eine Familie gründen oder in der Stadt studieren wollten.

Aufgrund der Entwicklung am Wohnungsmarkt forderte der Mieterbund zudem eine stärkere Förderung des Sozialen Wohnungsbaus. Jedes Jahr nehme die Zahl der Sozialwohnungen um 100.000 ab. "Hier benötigen wir neue Investitionen", sagte Siebenkotten.

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