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IW-Experte zu Hauspreisen: Es werden Dörfer verschwinden


Hauspreise im Keller  

Es werden Dörfer verschwinden

25.07.2013, 14:53 Uhr | t-online.de - jbü

IW-Experte zu Hauspreisen: Es werden Dörfer verschwinden. Das Dorf Horno in Brandenburg musste dem Braunkohletagebau weichen. Struktur- und demografischer Wandel werden Ähnliches bewirken, schätzt ein Experte. (Quelle: dpa)

Das Dorf Horno in Brandenburg musste dem Braunkohletagebau weichen. Struktur- und demografischer Wandel werden Ähnliches bewirken, schätzt ein Experte. (Quelle: dpa)

Berichte über den Immobilienmarkt kennen in den vergangenen Monaten nur eine Stoßrichtung: Ob Miete oder Kauf, die Preise steigen schwindelerregend, sind für immer mehr Menschen nicht bezahlbar. Der Wohnraum wird knapp, gleichzeitig nimmt die Nachfrage zu - in der Folge werden Häuser und Wohnungen zu Luxusgütern. Alles richtig, trotzdem ist es nur eine Seite der Medaille. Denn auf dem Land sieht es in weiten Teilen Deutschlands ganz anders aus. Hier will keiner mehr wohnen, ist das Fazit von zwei Studien des Immobilienportals ImmobilienScout24. Ein Experte sagt gegenüber t-online.de: Es werden Dörfer von der Landkarte verschwinden.

Wer für ein Einfamilienhaus so wenig wie möglich bezahlen will, sollte Schäplitz im Landkreis Stendal (Sachsen-Anhalt) besuchen. Dort kostet das Haus mit 140 Quadratmeter Wohn und 600 Quadratmeter Grundstücksfläche - laut dem Portal eine typische Größe - gerade mal 38.000 Euro (Stand: August 2012). In Pennewitz im Ilm-Kreis (Thüringen) gibt es ebenfalls Schlagerpreise, nur 45.620 Euro müssen Interessenten aufbringen. Das Phänomen taucht aber nicht nur im Osten auf. Auch in Saxler im rheinland-pfälzischen Vulkaneifel-Kreis steckt der Preis mit rund 52.500 Euro für 140 Quadratmeter im Keller.

Wo Hauspreise durch die Decke gehen

Das hat das Portal Immobilienscout24 ermittelt, ausgewertet wurden 2,5 Millionen Immobilienangebote. Daraus ergibt sich auch, dass die Teuer-Gegenden alte Bekannte sind - wie der Spitzenreiter Tegernsee (1,2 Millionen Euro für 140 Quadratmeter), gefolgt von Kommunen auf Sylt oder im Landkreis München. In Gegenden ohne Glamour und nahegelegene Metropole warten dagegen Schnäppchen auf die Interessenten. Wenn es diese denn gäbe.

Michael Voigtländer vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln weiß: "In vielen Regionen sind Objekte fast unverkäuflich." Das gilt vor allem für kleine Dörfer, die noch das Pech haben, in strukturschwachen Regionen zu liegen, analysiert das "Handelsblatt". In der Stadt gebe es schnelles Internet, neue Jobs (vor allem im Dienstleistungssektor), viel Infrastruktur und Freizeitangebote bei gleichzeitig kurzen Wegen. Der Traum vom Haus im Grünen bekam in der Vergangenheit dagegen Risse, etwa durch hohe Benzinkosten bei gekappter Pendlerpauschale oder der Abschaffung der Eigenheimzulage.

Abwärtsspirale immer deutlicher

Beginnt in einem Ort die Landflucht, wird es für die Verbliebenen teurer, schreibt das "Handelsblatt": Selbstverständliches wie Müllabfuhr oder die Wasserversorgung muss von immer weniger Menschen getragen werden. Wegen sinkender Kaufkraft schließen weitere Geschäfte, ein Ort wird immer unattraktiver - ein Teufelskreis.

Voigtländer sagt dazu im Gespräch mit t-online.de: "Das werden wir nicht drehen können." Seiner Einschätzung nach werden in den kommenden Jahren Dörfer von der Landkarte verschwinden. "Die Frage ist eher, wie wir es moderieren", so Voigtländer. Es sei rechtlich und politisch ganz schwierig zu sagen: "Wir reißen Dorf A ab und ziehen die Bewohner nach Dorf B um".

Verordneter Abriss ist fast nie möglich

Ein Abriss sollte nach Meinung des IW-Immobilienexperten ohnehin das letzte Mittel sein. Zwangsweise lässt er sich zudem kaum durchsetzen, erläutert Helmuth Mienert, Fachanwalt für Baurecht aus Darmstadt. „Wenn überhaupt, ist so ein Schritt nur in ganz engen Grenzen möglich. Ein Zwangsabriss, um irgendwelche städteplanerischen Ziele durchzusetzen  - das können Sie vergessen."

Der Schutz des Eigentums sei schließlich eines der höchsten Rechte. Ein legal errichtetes Gebäude dürfen Besitzer nicht nur leer stehen, sondern sogar verfallen lassen. Einzige Ausnahme: Es entsteht durch den schlechten Zustand eine Gefahr für die Öffentlichkeit.

Idee: Steuer auf dauerhaften Leerstand

Voigtländer denkt zur Abhilfe auch eher über eine Kombination aus Fordern und Fördern nach. Zum Beispiel, indem struktureller Leerstand besteuert, der Verkauf an öffentliche Eigentümer dagegen unterstützt wird. Solche Konzepte gebe es bereits in den Stadtumbau-Programmen des Bau- und Verkehrsministeriums. Allerdings: "Da sind Kleineigentümer bisher wenig bedacht."

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