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Knappheit bei Flüchtlingsunterkünften lockt Geschäftemacher an


Private Anbieter kassieren  

Knappheit bei Flüchtlingsunterkünften lockt Geschäftemacher an

07.08.2015, 18:38 Uhr | dpa, t-online.de

Knappheit bei Flüchtlingsunterkünften lockt Geschäftemacher an. Erstaufnahmeeinrichtung in der Bayernkaserne in München: Städte und Gemeinden suchen händeringend nach Unterkünften für Flüchtlinge und bezahlen dafür viel Geld. (Quelle: dpa)

Erstaufnahmeeinrichtung in der Bayernkaserne in München: Städte und Gemeinden suchen händeringend nach Unterkünften für Flüchtlinge und bezahlen dafür viel Geld. (Quelle: dpa)

Irgendeiner verdient immer: Bei den Flüchtlingen sind das die Schlepper und zunehmend auch die Anbieter von Unterkünften. Seit eine Rekordzahl von Flüchtlingen nach Deutschland strömt, suchen Städte und Gemeinden händeringend nach Unterkünften. Die Unterbringung in Zeltstädten ist nur eine Übergangslösung, solange das Wetter noch gut ist. Spätestens ab Herbst müssen feste Behausungen her - und da haben manche Anbieter schon Euro-Zeichen in den Augen.

Unternehmen wie European Homecare betreiben bereits zahlreiche Flüchtlingsheime in Deutschland. Dabei erwirtschaften sie Traumrenditen, wie das "Handelsblatt" meldet. Der Norddeutsche Rundfunk berichtet von einem Immobilienmakler, der dem Sozialamt Elmshorn die Unterbringung von Flüchtlingen für 23,90 Euro pro Person und Tag angeboten hat.

Das macht bei einer Drei-Zimmer-Wohnung 2100 Euro Miete pro Monat, rechnet der NDR vor - normalerweise liege die Miete in der fraglichen Gegend bei etwa 600 Euro. Die Kommunen rechnen im Schnitt mit Kosten von 1000 Euro pro Flüchtling und Monat, wobei rund ein Fünftel auf die Unterkunft entfällt. Doch in diesem Rechenbeispiel kostet bereits die Unterbringung mehr als 700 Euro pro Person.

Zuschlag für Flüchtlinge

Und auch in Magdeburg in Sachsen-Anhalt zahlen die Behörden dem Sender zufolge einen ordentlichen Zuschlag für Flüchtlinge: Container, die einmal für Studenten gedacht waren, sollen nun fast das Doppelte kosten. Die Asylsuchenden seien praktisch immer zuhause, da sei der Verschleiß höher. Alternativen gibt es kaum, die Hersteller der Wohncontainer sind praktisch ausverkauft.

Städte wie Hamburg und Hannover funktionieren inzwischen ihre Messehallen zu Unterkünften um. Hoteliers können sich über langfristige Pachtverträge freuen. Zwischen 13 und 25 Euro geben Städte und Gemeinden pro Flüchtling dafür aus.

Traumhafte Rendite

European Homecare kommt derweil laut "Handelsblatt" auf eine Eigenkapitalrendite von 66 Prozent, der Umsatz nähert sich der Marke von 50 Millionen Euro. Die Firma sei der "Aldi unter den Anbietern", zitierte die Zeitung einen Unternehmenssprecher. Einnahmen von 4081 Euro pro Platz hätten 2013 nur Personalkosten von 1400 Euro gegenübergestanden.

Angesichts der Überforderung, die jetzt schon bei Städten und Gemeinden herrscht, führt an den privaten Anbietern kein Weg vorbei. Aber auch gemeinnützige Organisationen wie Rotes Kreuz, Diakonie und Malteser Hilfsdienst profitieren finanziell von dem starken Flüchtlingszustrom - auch wenn sie geringere Kosten in Rechnung stellen als kommerzielle Anbieter. Alleine decken können sie den Bedarf nicht.

Und auch eine langfristige Strategie fehlt: Die meisten Kommunen haben in den vergangenen zehn bis 15 Jahren ihre Kapazitäten für Flüchtlinge stark reduziert. Jetzt werden sie von hohen und weiter steigenden Ankunftszahlen überrascht und können nicht schnell genug reagieren.

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