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Wohnungsbau: Immobilienwirtschaft wirft Politik Tatenlosigkeit vor


Streit um bezahlbare Wohnungen  

Immobilienwirtschaft wirft Politik Tatenlosigkeit vor

02.10.2016, 13:05 Uhr | dpa

Wohnungsbau: Immobilienwirtschaft wirft Politik Tatenlosigkeit vor. Ein Neubaugebiet in Frankfurt am Main. (Quelle: dpa)

Ein Neubaugebiet in Frankfurt am Main. (Quelle: dpa)

Das Problem ist bekannt - bezahlbarer Wohnraum ist in Deutschlands großen Städten Mangelware. Doch Besserung ist kaum in Sicht. Denn von Seiten der Politik komme viel zu wenig, kritisiert die Immobilienwirtschaft. 

Zwar sei die Zahl der Baugenehmigungen im ersten Halbjahr um 26 Prozent gestiegen. Von den 213.000 Genehmigungen waren aber lediglich knapp 95.000 für klassische Mehrparteienhäuser. Dem tatsächlichen Bedarf beim Wohnungsbau hinke man nach wie vor weit hinterher. "Wir haben beim Wohnungsneubau die notwendige Trendwende noch längst nicht erreicht", sagte Andreas Ibel, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Immobilienwirtschaft (BID). 

An diesem Dienstag öffnet in München die Immobilienmesse Expo Real, bei der der Wohnungsbau ein wichtiges Thema sein wird. "Die größte Hürde für den bezahlbaren Neubau ist und bleibt die Baulandknappheit", kritisierte Ibel.

Zu wenig Bauland

"Gerade in den großen Städten werden viel zu wenig Flächen ausgewiesen." Zudem ist nach Einschätzung der Immobilienverbände der starke Anstieg der Baugenehmigungen auf 213.000 in der ersten Jahreshälfte vor allem auf einen Sondereffekt zurückzuführen: Anfang dieses Jahres hatte der Bund die Auflagen für die Baubranche in der Energieeinsparverordnung EnEV ein weiteres Mal verschärft.

"Der wichtigste Faktor für den Anstieg der Baugenehmigungen ist der Vorzieheffekt durch die EnEV-Verschärfung im Januar 2016", sagte Ibel. Viele Bauherren hätten ihre Bauanträge vorsorglich Ende 2015 eingereicht, um den durch die Neuregelung verursachten Anstieg der Baukosten zu umgehen.

"Wir haben im Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen zahlreiche Empfehlungen erarbeitet, die nun dringend umgesetzt werden müssen", sagte Ibel. "Bisher sendet die Politik aber keine Signale, dass es nun einen Ruck geben würde. An den flankierenden Maßnahmen für den Wohnungsbau fehlt es auf allen Ebenen."

Erleichterungen für Investoren gefordert

Die Immobilienwirtschaft hat mehrere Forderungen, um den Wohnungsbau anzukurbeln. Dazu gehört die Erhöhung der linearen Abschreibung auf die Abnutzung (AfA) von Wohngebäuden auf mindestens drei Prozent. Eine von der großen Koalition eigentlich geplante Sonderabschreibung war in Berlin an der Uneinigkeit von Union und SPD gescheitert.

"Dazu gehört auch eine bundesweite Senkung der Grunderwerbsteuer auf ein investitionsfreundliches Niveau", sagte der BID-Vorsitzende. Ibel plädierte zudem dafür, über unorthodoxe Maßnahmen nachzudenken, etwa eine "Wohnungsfreizugsprämie" für Bürger, die eine Eigentumswohnung kaufen, die sie selbst bewohnen wollen. "Schließlich wird bei jedem Umzug ins Eigenheim eine Mietwohnung frei, was wiederum den Wohnungsmarkt entlastet", sagte Ibel.

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