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Werbungskosten bei unterbrochenen Mietzahlungen


Vermietung an Angehörige  

Werbungskosten auch bei unterbrochenen Mietzahlungen geltend machen

19.01.2018, 08:50 Uhr | sm, dpa

Werbungskosten bei unterbrochenen Mietzahlungen. Finanzamt: Bei der Absetzbarkeit von Werbekosten entscheidet die Dauer des unterbrochenes Mietverhältnisses. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/gopixa)

Finanzamt: Bei der Absetzbarkeit von Werbekosten entscheidet die Dauer des unterbrochenes Mietverhältnisses. (Quelle: gopixa/Thinkstock by Getty-Images)

Wenn einem das Finanzamt bei den Kosten der Vermietung einer Immobilie einen Strich durch die Rechnung machen möchte… Dann lohnt ein zweiter Blick. So auch in einem vor dem Bundesfinanzhof verhandelten Fall. Der entschied, dass zwischen der Vermietung an Angehörige oder Fremde bei der Unterbrechung des Mietverhältnisses kein Unterschied gemacht werden darf.

Wer seine Immobilie vermietet, kann die Ausgaben bei der Steuer absetzen. Das gilt auch für die Vermietung an Verwandte. „Prinzipiell muss das Mietverhältnis mit den Verwandten wie mit einem fremdem Dritten durchgeführt werden, um die Kosten etwa für die Renovierung oder Instandhaltung der Immobilie bei der Steuer abzusetzen“, so Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler. Es muss ein Mietvertrag bestehen, die Miethöhe ortsüblich sein und die Miete regelmäßig gezahlt werden.

Kurzzeitiger Leerstand ist keine Aufgabe der Vermietungsabsicht

Doch was, wenn die Wohnung über einen kurzen Zeitraum leer steht oder die Mietzahlungen unterbrochen werden, weil die Verwandten ausgezogen sind? Auch in diesen Fällen darf das Finanzamt - laut Urteil des Bundesfinanzhof (BFH, Az.: IX R 42/15) - nicht gleich die Aufgabe der Vermietungsabsicht unterstellen. Die Münchener Richter erklärten in ihrem Leitsatz zum Urteil: „Hat der Steuerpflichtige seit Jahren ein Wohnhaus an seine Eltern vermietet und zahlen die Eltern nach ihrer Einweisung in ein Pflegeheim und Anordnung einer Betreuung die Miete nicht mehr, ist das Mietverhältnis bis zu seiner Beendigung anzuerkennen, wenn es zeitnah beendet wird. Das ist der Fall, wenn zwischen der Unterbringung im Pflegeheim und der geräumten Übergabe des Objekts in etwa ein halbes Jahr vergangen ist.“ Es gebe keinen Erfahrungssatz, „dass ein fremder Vermieter in einer solchen Situation unverzüglich die sofortige Kündigung aussprechen und Zahlungs- und Räumungsklage erheben würde“, so der IX. Senat des BFH.

Eltern im Heim, Haus zum Verkauf - Finanzamt kappt Absetzbarkeit

In dem verhandelten Fall kaufte der Kläger das Einfamilienhaus seiner Eltern, an die er es rund 17 Jahre vermietete. Das Mietverhältnis wurde vom Finanzamt anerkannt. Im November 2008 zogen die Eltern in ein Pflegeheim. Ihr Verbleib dort war zunächst ungewiss. Aufgrund der hohen Kosten, die im Zusammenhang mit der Heimunterbringung entstanden, zahlten die Eltern keine Miete mehr, was der Sohn nicht beanstandete.

Im Februar 2009 bot er das Haus zum Verkauf an, kündigte das Mietverhältnis aber erst zum Sommer 2009. Dementsprechend machte er die Ausgaben für die Wohnung bis zum Ende des Mietvertrags in der Steuererklärung 2009 geltend. Das Finanzamt wollte dem Ansinnen einen Strich durch die Rechnung machen. Die Begründung: Es fehle die Vermietungsabsicht, da er keine Miete erhalte und zudem das Haus zum Verkauf stehe.

Werbungskosten gelten auch bei unterbrochenen Mietzahlungen

Das sah der Bundesfinanzhof anders: Die Werbungskosten für die Wohnung durften auch 2009 geltend gemacht werden, da auch ein fremder Vermieter in einer solchen Situation nicht direkt das Mietverhältnis gekündigt hätte, so das Gericht. Zumindest, wenn das Mietverhältnis - wie hier - nach dem Auszug nur wenige Monate später tatsächlich beendet wurde, muss das Finanzamt die Ausgaben noch anerkennen.

Quellen:
– dpa
– Bundesfinanzhof

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