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Klimaschutzstudie sagt 500.000 neue Jobs voraus

Arbeitsmarkt  

Klimaschutzstudie sagt 500.000 neue Jobs voraus

08.06.2008, 15:14 Uhr | dpa / AFP / bab, t-online.de

Job-Boom durch Klimaschutz?Job-Boom durch Klimaschutz? Die Bemühungen um den Klimaschutz könnten in Deutschland nach einer aktuellen Studie mittelfristig für ein Jobwunder sorgen. Vier Forschungsinstitute haben nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) im Auftrag des Bundesumweltministeriums die ökonomischen Folgen des Klimaschutzes skizziert und prognostizieren, dass dieser bis zum Jahr 2020 rund 500.000 mehr Stellen schaffen wird, als anderswo verlorengehen.

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Klimaziele entscheidender Faktor
Die Forscher betrachteten für ihre Untersuchung verschiedene Einzeleffekte des Klimaschutzes, wie die "SZ" unter Berufung auf die Kurzfassung der Studie berichtete. Grundlage war demnach das Ziel der Bundesregierung, bis 2020 den Ausstoß von Treibhausgasen um 40 Prozent zu senken. Etwa durch die Sanierung von Häusern oder den Ausbau erneuerbarer Energien, mache sich Deutschland weniger abhängig von Rohstoff-Importen. Einfuhren würden durch inländische Wertschöpfung ersetzt. "Diese Struktureffekte lassen für Deutschland tendenziell positive Effekte erwarten", heißt es laut "SZ" in der Studie. Durch Nettoinvestitionen zwischen 30 und 40 Milliarden Euro würden vor allem "inlandsbasierte und arbeitsintensivere Sektoren begünstigt".



Sinkende Strompreise prognostiziert
Gleichzeitig stärkten die Unternehmen, forciert durch die inländische Nachfrage, ihre Wettbewerbsvorteile bei Umweltgütern, zitiert die Zeitung weiter. Schon jetzt sei der Anteil Deutschlands an Patenten rund um Umwelttechnologien extrem hoch. Anders als die Industrie geht die Studie langfristig von sinkenden Energiekosten aus. Zwar stiegen sie in der Industrie in den ersten zehn Jahren um fünf Prozent. Bis 2030 aber würden die Energieausgaben um 20 Prozent zurückgehen. Die Einsparungen bei Energieimporten summierten sich auf mindestens 35 Milliarden Euro, schreiben die Institute, darunter das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung.

Stromwirtschaft wiegelt ab
Mit ihrer Prognose stellen sich die Forscher klar gegen die Aussagen von Versorgern wie EnBW, E.ON, RWE und Vattenfall, die inzwischen selbst massiv in den Öko-Sektor investieren. Zuletzt hatte der Chef der deutschen Tochter Vattenfall Europe, Tuomo Hatakka, auf die hohen Investitions- und Folgekosten hingewiesen. Anfang der Woche prognostizierte er sogar steigende Strompreise. "Ich sehe nicht, wie die Strompreise dramatisch nach unten kommen würden", sagte Hatakka. "Klimaschutz hat einen Preis." Dies sei auch nötig, wenn der Ausstoß an Kohlendioxid (CO2) verringert werden solle. Ein steigender Anteil erneuerbarer Energien verursache ebenfalls Kosten. So müsse es etwa für Windanlagen Reservekapazitäten geben, die bei fehlendem Wind zum tragen kommen.

Produzierendes Gewerbe in Sorge
Mahnende Stimmen gibt es auch aus der Industrie, die eine Ausweitung des Handels mit Verschmutzungsrechten fürchtet. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und die Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) warnten deshalb jüngst in ungewohnter Einheit vor erheblichen Wettbewerbs- und Arbeitsplatzverlusten bei energieintensiven Unternehmen, wenn die Europäischen Union in Brüssel die geplante Versteigerung von Verschmutzungsrechten von 2013 an wirklich umsetzt. "Arbeitsplätze im Produzierenden Gewerbe sind extrem gefährdet", erklärten BDI-Präsident Jürgen Thumann und Gewerkschaftschef Hubertus Schmoldt.

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Verhaltene Aussichten
Als Problem könnte sich auch der Wohnungssektor erweisen, auf den Gesamtkosten von bis zu 200 Milliarden Euro zurollen. So hoch sind laut einer Schätzung des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) die Kosten, um Ein- und Mehrfamilienhäuser klimaschonender zu machen. Durch die Modernisierung könnten ungefähr 50 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden, allerdings ist der Ausblick auch hier eher Verhalten. Wohnungsbaugesellschaften befürchteten laut dem IW, dass ihnen die Mieter wegen einer deutlich erhöhten Kaltmiete infolge der Sanierungsausgaben abspringen. Das IW rechnete hier vor, dass sich bei einer 100-Quadratmeter-Wohnung zwar die Jahreswärmekosten um 800 Euro im Jahr reduzieren lassen, zugleich aber die Kaltmiete im Jahr auch um 1000 bis 2000 Euro steigen könne.

Unsicherheitsfaktor Staat
Ein weiterer Unsicherheitsfaktor bleibt der Staat, der mit seiner Gesetzgebung einen ganz erheblichen Einfluss auf den Markt nimmt. So fürchtete jüngst die Solarbranche durch eine Absenkung der Einspeisvergütung dasselbe Schicksal zu erleiden, wie die Produzenten von Biodiesel. Nach der Erhöhung der Steuern auf den Biosprit bei gleichzeitig stark gestiegenen Produktionskosten mussten viele Unternehmen aufgeben. Der Solar-Sektor zeigt stabiler, doch dürfte sich die in der Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) beschlossene schrittweise Absenkung der Einspeisevergütung auch hier in den kommenden Jahren bemerkbar machen – weitere Eingriffe bei einem Regierungswechsel nicht ausgeschlossen. Der Boom in der Wind- und Solarbranche bleibt also auf Subventionen gestützt.

Biodiesel - Hoffnungsfunken durch Preisexplosion beim Sprit

Umweltschutz gibt 1,8 Millionen Arbeit
Ob der erwartete ganz große Job-Boom wirklich eintrifft, bleibt also von vielen Unsicherheitsfaktoren bestimmt, zumal das Ziel der Regierung den Ausstoß von Treibhausgasen um 40 Prozent als ambitioniert gilt. Ein kleiner Boom ist dennoch zu beobachten: Neuen Zahlen des Umweltbundesamtes zufolge gibt der Umweltschutz in Deutschland schon jetzt mehr als 1,8 Millionen Menschen Arbeit, das entspricht 4,5 Prozent aller Erwerbstätigen. 2004 lag diese Quote erst bei 3,8 Prozent. Allein im Bereich der erneuerbaren Energien finden inzwischen 250.000 Beschäftigte Arbeit. "Die Chancen stehen gut, dass sich dieser Trend in den kommenden Jahren fortsetzt", heißt laut "SZ" es in der Studie für die Behörde.

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